Teamcheck ESV Kaufbeuren: Kampf gegen Ein- und AbsturzDEL2 Saison 2013/14

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Das neue Team bleibt im Tor guter Durchschnitt, hat in der Defensive einen leichten Qualitätszuwachs erfahren und hängt im Sturm von der fraglichen Durchsetzung ihrer zwei neuen Kontingentstürmer sowie der Verfügbarkeit dreier Förderlizenzspieler vom DEL-Kooperationspartner Straubing Tigers ab.

Unser Tip:

Das ausgegebene Ziel "Play-off-Platz" erscheint unrealistisch. Der ESVK wird sich kaum vom Start-Malus ohne Heimspiele erholen können. Letztlich wird die Qualität einer sich weiter entwickelnden jungen Mannschaft aber reichen, um gegen mindestens zwei Oberligisten in der Relegationsrunde den Absturz in die Drittklassigkeit zu vermeiden.

Die Lage:

Die gegenwärtig wohl größte Herausforderung stellt für den Traditionsverein die Stadionfrage dar. Nachdem die alte SparkassenArena bereits im letzten Drittel der vergangenen Saison aufgrund von Statik-Mängeln nicht mehr genutzt werden durfte und der gesamte Sportbetrieb auf umliegende Stadien ausgelagert werden mußte, ziehen sich die notwendigen Reparaturarbeiten nun in ungeplante Länge. Deshalb wurde bereits der Spielplan angepaßt, so daß nur zwei der ersten acht Spiele "zuhause" ausgetragen werden müssen; das erste davon, das Schwaben-Derby gegen Ravensburg, findet in Memmingen statt, das zweite ist noch fraglich. Vergleichsweise spät konnte deshalb auch erst mit dem Eishockey-Training begonnen werden, zunächst in Füssen, jetzt in Buchloe. Eine gezielte Planung der Vorbereitungsspiele war nicht möglich, so daß, abgesehen von einer Turnierteilnahme, nur drittklassige Gegner zur Verfügung stehen.

Als Folge der Reparatur verringert sich die Stadionkapazität um 2.000 Plätze auf nur noch 2.600. Zwar war in der vergangenen Saison nur zweimal ein höheres Fassungsvermögen notwendig, doch limitiert diese Einschränkung natürlich das wirtschaftliche Potential. Ersatzweise wollen die Buron Joker durch ein verstärktes "Jetzt-erst-Recht-Gefühl" für eine gleichmäßig höhere Stadionauslastung sorgen, doch beginnt der Dauerkartenabsatz aufgrund des unsicheren Reparaturendes eher schleppend. Ohnehin hat der Club seit seinem Wiederaufstieg 2009 kontinuierlich, im Schnitt 500 Zuschauer binnen drei Jahren verloren. Aus der eineinhalb Millionen Euro teuren Reparatur, die nur von der Stadt getragen werden konnte, erwuchsen dem Verein eine Vielzahl rechtlicher und wirtschaftlicher Konsequenzen, die im Sommer vollzogen und abgefedert werden mussten. Die Entscheidung über eine weitergehende Sanierung oder den Neubau eines Stadions steht aus; dem ESV Kaufbeuren bleibt dieses grundlegende Thema jedenfalls weiterhin erhalten.

Vor diesem Hintergrund wirken die sportlichen Probleme marginal. Nachdem drei Jahre in Folge das Play-off-Viertelfinale, zuletzt zweimal als sensationeller Hauptrunden-Fünfter erreicht werden konnte, wurden die Joker in der vergangenen Saison abgeschlagen Vorletzter. Die Stadionproblematik war dafür ein wichtiger, aber sicher nicht einziger Grund. So konnten die Kontingentspieler nicht die herausragenden Rollen früherer Jahre spielen und auch die fünf deutschen Abgänge in Richtung Deutsche Eishockey Liga nicht gleichwertig ersetzt werden. Erfolgstrainer Ken Latta zog daraus zermürbt die Konsequenz und folgte einem lukrativen Angebot von Ligakonkurrent Heilbronner Falken. Ihm folgt die Kaufbeurer Spieler-Legende Dieter "Didi" Hegen, der zusätzlich zur sportlichen Leitung nun auch das Traineramt übernimmt. Seine eher durchwachsene Bilanz im Duisburger Profi-Bereich liegt schon viele Jahre zurück; mit sechs seiner heutigen Spieler kann er jedoch auf eine sehr erfolgreiche Halbsaison als Coach des Kaufbeurer DNL-Teams vor zwei Jahren blicken. Nun muß er beweisen, die jungen Spieler weiterentwickeln und aus ihnen ein schlagkräftiges Zweitligateam formen und führen zu können. Sein Charisma in zudem heimischer Umgebung kann für ihn dabei hilfreich sein.

Die Joker verlieren sechs ihrer sieben punktbesten Spieler sowie Schützen von 29 ihrer 34 Überzahltore der letzten Saison. Zumindest ihr Top-Scorer Markku Tähtinen bleibt den Wertach-Städtern erhalten. Und so setzt man am Jordan-Park künftig verstärkt auf die finnische Karte: Matti Näätänen und Sami Ryhänen ergänzen das Ausländerkontingent. Bei der Auswahl waren die intimen Verbindungen von Nachwuchs-Koordinator Juha Nokelainen hilfreich. Im übrigen entstammt die Hälfte des Kaders aus dem eigenen Nachwuchs - das ist Philosophie in Kaufbeuren. Zudem wurde mit den Straubing Tigers ein DEL-Kooperationspartner gefunden, der den Einsatz von drei starken Förderlizenzspielern in Aussicht stellt. Im künftigen Kader stehen allerdings nur noch zwei feste Rechtsschützen im Sturm - das kann die taktischen Optionen, vor allem im Überzahlspiel, deutlich verringern.

Die Saisonvorbereitung auf dem Eis begann vergleichsweise spät, und die bisherigen Testspielergebnisse mit nur einem Auftaktsieg gegen die drittklassigen Füssen Leopards, zwei Unentschieden gegen Tölzer Löwen und zwei hohen Niederlagen gegen die Erstligisten aus Linz und Nürnberg geben wenig Anlaß zur Zuversicht. Gerade im Spielaufbau blieb dabei Vieles Stückwerk und offensive Durchschlagskraft ist kaum zu vermerken.

Der Kader im einzelnen:

Tor: Ungewöhnliche Konstanz findet sich auf der Torhüterposition der Joker. Seit drei Jahren fängt die unbestrittene Nummer eins, Stefan Vajs, schon in Kaufbeuren und hat sage und schreibe noch sieben weitere Jahre Vertrag im Allgäu. Der Rheinländer gilt als zuverlässiger Rückhalt seines Teams und kann auf eine Reihe gegentorloser Spiele blicken. Dennoch ist er kein typischer "Match-Winner", der gegen den Spielverlauf die Punkte rettet; so konnten die Joker auch keines der Penaltyschießen in der vergangenen Saison für sich entscheiden. Mit dem 20-jährigen Johannes Wiedemann steht ein echtes Eigengewächs als Backup auch schon im vierten Jahr im Profi-Kader. Er gilt als sehr talentiert, hatte in der vergangenen Saison seine ersten Zweitligaeinsätze und kann möglicherweise zunehmend für Entlastung von Vajs sorgen.

Verteidigung: Mit Carl "Hammer" Hudson, Milos Vavrusa und dem jungen Mathias Müller haben die Joker drei Verteidiger-Abgänge zu verzeichnen. Sie werden durch den 30-jährigen Finnen Matti Näätänen aus der 2. finnischen Liga, den 26-jährigen Kanadier Maury Edwards aus der ECHL (East Coast Hockey League) und den 25-jährigen Deutsch-Kanadier Ryan Cornforth aus der kanadischen College-Liga CCAA, der bislang nur einen Probevertrag besitzt, ersetzt. Zusammen mit den erfahrenen Jakub Körner, Christof Assner und dem erst 19-jährigen, doch schon in seine vierte Profi-Saison gehenden körperlich starken Alexander Winkler oder dem gleichsam starken, ein Jahr älteren Maximilian Dropmann stehen somit drei Verteidiger-Paare zur Verfügung. Sie werden mit dem 18-jährigen Philipp Gejerhos aus dem eigenen Nachwuchs ergänzt. Die Defensive erhält so ein bischen mehr Tiefe und könnte auch leistungsmäßig breiter aufgestellt sein, so daß in der langen Saison dauerhaft zumindest drei Verteidigungsreihen zur Verfügung stehen.

Sturm: Neben den beiden Nordamerikanern Louke Oakley und Dennis Kearney, der während der Saison bereits Kevin Saurette ersetzte, verlieren die Joker mit Daniel Menge, Dominic Krabbat und Maximilian Forster ihre drei punktbesten deutschen Angreifer. Mit Riessersees letztjährigem Top-Scorer Michael Kreitl und dem aus Hannover zu seinen Eishockey-Wurzeln zurückkehrenden Max Schmidle, beide DEL-erfahren, können die Abgänge zumindest zahlenmäßig nicht gleichwertig ersetzt werden. Als Kontingentspieler kommen der Finne Sami Ryhänen aus der britischen EIHL (Elite Ice Hockey League) und der Amerikaner Stephen Schultz aus der ECHL an die Wertach. Ob es ihnen gelingen wird, die in sie gesetzten Erwartungen als Punktesammler zu erfüllen, muss nach den bisher gezeigten Leistungen eher skeptisch gesehen werden. Zumindest bleibt den bayerischen Schwaben aber ihr Top-Scorer Markku Tähtinen erhalten. Ebenso verbleiben die jungen Hans Detsch, Alexander Thiel und Philipp De Paly im Kader, die eine starke Entwicklung im Profiteam ihres Heimatclubs genommen haben. Von Bayernligist Memmingen wurde der 22-jährige David Vycichlo zurück in den Jordan-Park geholt und schließlich Maximilian Hadraschek und Lukas Gohlke aus dem DNL-Team gezogen. Diesen drei Zugängen stehen die Abgänge von Christoph Fröhlich, Markus Eisenschmid, Lukas Brückner, Andreas Morhardt (schon während der letzten Saison) und Stefan Goller gegenüber. Von großer Bedeutung wird deshalb sein, wie oft die Förderlizenzspieler der Straubing Tigers im Allgäu zur Verfügung stehen: Der zuletzt für Regensburg in der Oberliga fleißig Punkte sammelnde Marcel Brandt konnte immerhin schon zweimal sein Potential im Joker-Trikot zeigen. Eine echte Verstärkung wäre Thomas Brandl, der in den vergangenen Jahren bei Liga-Konkurrent Landshut Cannibals den dritten Sturm führte. Und Bernhard Keil sammelte immerhin schon zwei Jahre DEL-Erfahrung.  

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