Tabellenführer mit Schwächen im ersten Drittel

Steelers im Aufwind!?Steelers im Aufwind!?
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Mit einer Niederlage nach Penaltyschießen und einem Sieg verteidigte der SC Bietigheim-Bissingen am Wochenende seine Tabellenführung. Am Freitag unterlagen die Berwanger Schützlinge knapp mit 5:6 beim EHC Wolfsburg. Am Sonntag wurden dann Aufsteiger ESV Kaufbeuren mit einem 7:4 dessen Grenzen aufgezeigt.

Scheinbar ist das erste Drittel nicht das der Steelers. Ein Blick auf eine gesplittete Tabelle beweist dies. Hier belegen die Steelers nach dem ersten Drittel nur Platz zwölf. Diese Tatsache ist im Ellental schon seit längerer Zeit bekannt, doch in den letzten Spielen trieb diese Schwäche besondere Blüten. Am Wochenende lagen die Schützlinge von Markus Berwanger zum wiederholten Mal nach den Auftaktdrittel mit 0:3 bzw. 1:3 zurück. Markus Berwanger ist selbst noch auf der Suche nach den Gründen hierfür. So meinte er am Sonntag nach dem Spiel: »Ich weiß nicht, was wir im ersten Drittel gespielt haben. Auf Dauer kann das jedoch nicht gut gehen. Wir können nicht jedes Mal ein 1:3 oder 0:3 drehen, das kostet zu viel Kraft und geht irgendwann einmal kräftig in die Hose«. An diesem Wochenende reichte es aber zumindest noch um jeweils mindestens einen Punkt zu ergattern.

Dabei hatte auch der Auftakt in Wolfsburg gar nicht schlecht ausgesehen. Bietigheim legte los wie die Feuerwehr und hatte in den ersten zwei Minuten schon drei hochkarätige Chancen. Doch genauso stark wie die SCBB-Kufencracks angefangen hatten, so stark ließen sie nach. Wolfsburg nutzte diesen Einbruch durch Paepke (8:08), Samendinger (17:42) und Györi (18:56) zu einer deutlichen 3:0-Pausenführung.

Erst Mitte des zweiten Drittels wachten dann die Steelers wieder auf. Mit dem 1:3 durch Teeple (28:31) bliesen sie zur Aufholjagd. Die wurde allerdings durch das 1:4 von Marak (33:29) noch einmal unterbrochen. Knapp zwei Minuten vor Drittelende konnte Andrej Kovalev aber erneut verkürzen.

Im Schlussdrittel spielten dann fast nur noch die in Blau und Grau gekleideten Steelers. Michael Wolf (44:31) und Craig Teeple (53:27) sorgten für den Ausgleich. Fünf Minuten vor dem Ende schien jedoch die Aufholjagd ein unglückliches Ende zu nehmen, als erneut Marak in Überzahl zur erneuten Wolfsburger Führung traf. In den Schlussminuten riskierte Markus Berwanger jedoch alles und brachte einen sechsten Feldspieler für Torhüter Fatikov. Dieses Risiko zahlte sich fünf Sekunden vor der Schlusssirene aus, als Wolfgang Kummer zum 5:5 traf. In der Verlängerung kassierte Andrej Kovalev eine völlig unnötig Spieldauer-Disziplinarstrafe wegen hohen Stocks, und im Penaltyschießen hatte dann Wolfsburg das glücklichere Ende für sich. Boris Lingemann entschied als achtzehnter Schütze die Partie.

Am Sonntag hatten die Steelers dann ähnliche Probleme wie schon am Freitag. Andreas Schneider konnte zwar zwischenzeitlich die Kaufbeurer Führung (Auger, 9:08) ausgleichen, doch zu diesem Zeitpunkt hätte es auch schon 0:2 stehen können. Bietigheim hatte Glück, dass eigentlich niemand eine Situation wenige Sekunden vor dem Ausgleich richtig gesehen hatte, als ein Schuss von Pfosten, oder aber vom inneren Torgestänge zu Fatikov zurückprallte und dieser dann die Hartgummischeibe unter seiner Fanghand begrub. Schiedsrichter Heino Kathmann entschied nach kurzer Bedenkzeit und trotz heftiger Proteste der Kaufbeurer auf »kein Tor«. Dies war doppelt bitter für Kaufbeuren, da Schneider im direkten Gegenzug (10:45) eben den Ausgleich erzielte. Bietigheim machte jedoch nichts aus diesem psychologischen Vorteil. Im Gegenteil. Durch teilweise haarsträubende Nachlässigkeiten wurden die eher harmlosen Gäste immer wieder ins Spiel gebracht. Der Aufsteiger nahm die Einladung natürlich dankend an und schoss durch Michael Waginger (16:38) und Thorsten Rau (17:18) eine 3:1-Pausenführung heraus.

Zum zweiten Drittel reagierte Markus Berwanger dann und brachte Christian Rohde für den zwar unglücklich aussehenden, aber auch immer wieder allein gelassenen Leonid Fatikov. »Ich gebe Leo keine Schuld, aber ich wollte ein Zeichen setzen«, war Berwangers Kommentar zu dieser Maßnahme. Und tatsächlich fing sich sein Team, ging in der Defensive plötzlich auf den Mann, und auch der Spielaufbau funktionierte plötzlich besser. Auch ohne den gesperrten Andrej Kovalev war die erste Reihe der Motor für die Aufholjagd. Darren Ritchie sorgte mit zwei Powerplay-Toren (22:32 und 38:49) dann auch für den inzwischen verdienten Ausgleich

Zu Beginn des Schlussabschnitts gab es allerdings noch einmal einen Rückschlag für den SCBB, als Michael Waginger die Gäste erneut in Führung schoss (48:00). Die Bietigheimer Antwort ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Nur 44 Sekunden später sorgte Calvin Elfring mit seinem Powerplay-Treffer für den erneuten Ausgleich. Nun waren die Gastgeber richtig in Spiellaune und Michael Wolf, der für Andrej Kovalev in der ersten Reihe spielte und eine hervorragende Leistung zeigte, erzielte nach einer Traumkombination über Ritchie und Elfring die erstmalige Bietigheimer Führung (55:53). Darren Ritchie ließ nach einem tollen Solo das 6:4 folgen (57:36). In den letzten eineinhalb Minuten ging Kaufbeurens Trainer Sergej Svetlov dann noch einmal aufs Ganze und versuchte mit einem sechsten Feldspieler für Torhüter David Belitski den Ausgleich zu erzwingen. Doch Wolfgang Kummer machte 70 Sekunden vor dem Ende mit einem Treffer ins verlassene Tor jede Hoffnung zunichte.