Steven Billich: Vom Eis zu den FinanzenFrüherer ESVK-Spieler über sein Karriereende und seine zukünftige Karriere

Steven Billich hat seine aktive Laufbahn beendet.  (Foto: dpa/picture alliance)Steven Billich hat seine aktive Laufbahn beendet. (Foto: dpa/picture alliance)
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Nach Stationen in der DEL, DEL2 sowie der Oberliga musste er im Alter von 27 Jahren aufgrund einer schweren Verletzung seine Karriere beenden und widmet sich nun neuen Aufgaben. Hockeyweb-Reporter Tobias Linke hat Steven Billich zum Interview getroffen, um mit ihm seine aktive Laufbahn Revue passieren zu lassen und über seine Zukunft neben dem Eis zu reden. Für ihn geht es nun nicht mehr um Checks oder das Toreschießen, sondern um die richtige finanzielle Absicherung.

Hockeyweb: Hallo Herr Billich, leben Sie aktuell noch in Kaufbeuren?

Billich: Nein, ich bin Ende letzten Jahres wieder in Richtung meiner Heimat gezogen und wohne jetzt in der Nähe meiner Geburtsstadt Freiburg.

Hockeyweb: Man hat Sie die letzte Saison relativ oft im Kaufbeurer Stadion gesehen. Inwieweit haben Sie die Saison des ESVK verfolgt?

Billich: Ja genau, ich habe letzte Saison so viele Spiele wie möglich versucht, live mitzuverfolgen, da ich dem Verein immer noch sehr verbunden bin und einige viele gute Freunde dort spielen.

Hockeyweb: Aus meiner Sicht war es eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen, in welcher oft die Konstanz fehlte. Wie haben Sie die letzte Spielzeit gesehen?

Billich: Ja genau, es war eine Saison mit vielen „Up and Downs“, wobei ich denke, dass die Downs leider überwogen haben. So mussten die Fans wie auch ich oft zittern und am Ende habe ich auch mitgefiebert, ob es die Mannschaft in die Play-offs schafft. Nach dem Spiel in Bad Nauheim habe ich mich auch richtig gefreut, dass sie es wieder in die Play-offs geschafft haben. Ich habe dann auch beide Spiele gegen Bietigheim live gesehen und war dann auch etwas traurig, dass die Saison abgebrochen wurde.

Hockeyweb: Sie haben selbst dem ESVK einige Jahre die Treue gehalten, wie viele andere Spieler in der Vergangenheit. Was sind für Sie die Gründe, dass es die Verantwortlichen schaffen, so viele Spieler, auch Topscorer wie Sami Blomqvist, davon zu überzeugen, ihre Verträge zu verlängern?

Billich: Ich denke, dass Kaufbeuren vor allem durch seine familiäre Art viele Spieler überzeugen kann, dort zu bleiben, und das dort auch oft noch die Menschlichkeit über dem Business steht, was in vielen anderen Standorten leider nicht mehr so ist. Ein weiterer Grund ist, dass Kaufbeuren ein eishockeyverrückter Standort ist und meiner Meinung nach die besten Fans der Liga hat. Ich erinnre mich heute noch mit Gänsehaut zurück an die Play-off-Heimspiele in der Erdgas-Schwaben-Arena, welche dort eher einem Hexenkessel glich. Was ich auch nie vergessen werde, ist die Halbfinalserie gegen Garmisch 2018, als bei den Auswärtsspielen mehr Rot-Gelbe in dem Stadion waren als Fans der Garmischer und das Spiel sich eher wie ein Heimspiel anfühlte.

Hockeyweb: Sie wurden im Halbfinale gegen Ravensburg letztes Jahr von dem Ravensburger Killian Keller schwer gefoult und mussten noch während des Spiels direkt ins Krankenhaus, gab es seitdem nochmal Kontakt mit Killian Keller?

Billich: Killian hat mich dann direkt noch im Krankenhaus besucht und sich nach meinem Gesundheitszustand erkundigt. Als ich vor kurzem mein Karriereende verkündete, hat er mir auch nochmal geschrieben, aber es gibt keinen regelmäßigen Kontakt.

Hockeyweb: Sie haben seit diesem Check in keinem Spiel mehr auf dem Eis gestanden. Gab es von Ihnen nochmal die Überlegung, auf das Spielfeld zurückzukehren und Ihre Karriere fortzusetzen?

Billich: Diese Überlegungen gab es natürlich, da Eishockey seit frühem Kindesalter eine große Rolle in meinem Leben gespielt hat. Ich habe es probiert, aber ich hatte schon gesundheitliche Probleme beim Training abseits des Eises, aus diesem Grund musste ich leider die Entscheidung treffen, dass es so keinen Sinn ergibt, meine Karriere fortzuführen.

Hockeyweb: Sind Sie eher sauer, dass Ihre Karriere ein so frühes Ende nehmen musste oder überwiegt die Dankbarkeit, sich diesen Traum erfüllt zu haben?

Billich: Im ersten Moment war ich natürlich traurig, jedoch habe ich damit mittlerweile abgeschlossen und bin dankbar für die zehn Jahre, in denen ich Profieishockey spielen durfte.

Hockeyweb: Wenn wir jetzt mal zurück auf diese Zeit schauen, was war Ihr Highlight in Ihrer Karriere?

Billich: Dieses eine Highlight gibt es nicht, aber viele sehr schöne Moment unter anderem natürlich mein Debüt für den EHC Freiburg gegen Schwenningen oder die Oberliga-Meisterschaft mit meinem Heimatverein. Ein Highlight war auch, als ich mit meinem Bruder (Christian Billich, Anm. d. Red.) in einer Reihe gespielt habe, aber auch auf mein erstes DEL-Spiel schaue ich glücklich zurück. Auch in Kaufbeuren hatte ich eine sehr schöne Zeit, welche leider von Verletzungen geprägt war.

Hockeyweb: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Billich: Ich werde im September eine Ausbildung zum Vermögensberater in Freiburg bei der Vermögensberatung Enno Schmidt beginnen, bei der ich aktuell auch schon ein Praktikum absolviere.

Hockeyweb: Hat es einen Grund, dass es genau der Beruf des Vermögensberaters wurde?

Billich: Ja, das Ganze entstand aus einer persönlichen Erfahrung, die ich als 17-Jähriger gemacht habe. Damals ist meine Mutter mit mir zu dem oben erwähnten Vermögensberater gegangen, damit ich im Falle einer Verletzung finanziell abgesichert bin und dieser Fall ist ja jetzt auch eingetreten. Diese Erfahrungen möchte ich nun weitergeben und den Menschen helfen, dass sie genauso abgesichert sind wie ich.

Hockeyweb: Sie tauschen also Schlittschuhe und Schläger mit Taschenrechner und Sparfonds. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann nochmal einer Tätigkeit im Eishockey nachzugehen wie zum Beispiel Trainer oder Verantwortlicher? Ein gutes Beispiel hierfür ist ja zum Beispiel Sebastian Osterloh.

Billich: Aktuell konzentriere ich mich voll auf meine neuen Aufgaben in der Vermögensberatung, aber ich sag niemals nie. Dafür spielt Eishockey eine viel zu große Rolle in meinem Leben und man weiß nie, was die Zukunft bringt.