Starbulls zermürben SteelersRosenheim - Bietigheim 3:0

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Keine halbe Minute war gespielt, als Bietigheims Markus Gleich für 14 Sekunden auf die Strafbank geschickt wurde. So lange benötigten die Inn-Städter bis Michael Fröhlich nach Hintertorpass, aus kurzer Distanz, zentral vor dem leeren Tor, zum Führungstreffer einschieben konnte. Schlechter machten es wenig später die Gäste, die eine vier Minuten währende Überzahl nicht zum Ausgleich nutzten. Stattdessen wäre es Ryan Del Monte bei einem Break nach Fehler von Marcus Sommerfeld fast gelungen, die Führung der Hausherren auszubauen. Er scheiterte aber mit seinem Schuss am besten Steeler des Abends, Mathias Lange, der den verletzten Joey Vollmer im Tor glänzend vertrat.

Im übrigen begann nun ein hoch intensives, schnelles Spiel, in dem die Starbulls mit ihren vier Blöcken um jeden Meter Eis kämpften, jeden Check zuende fuhren und nach Puckverlust zwischen Mittel- und eigener blauen Linie eine Mauer bauten, die für den angriffs- und kombinationsstarken Hauptrunden-Sieger spielerisch kaum zu durchbrechen war. Umgekehrt setzten sie bei Scheibengewinn immer wieder schnelle Konter, kamen oft in 2-1-Situationen, so daß die Schwaben stets unter Druck standen, eigene Scheibenverluste zu vermeiden.

Erstes Opfer des körperlich hart, aber nicht unfair geführten Spiels war David Rodman, der nach einem Zusammenprall mit Beppo Frank an der gegnerischen Torlinie bereits im ersten Drittel mit einer Gehirnerschütterung benommen liegen blieb. „In der Kabine erkannte er seinen Bruder nicht mehr“, beschrieb Trainer Kevin Gaudet anschließend Rodmans Verfassung. Nach vorsichtiger Einschätzung wird für den Slowenen die Saison damit vorzeitig beendet sein. Aber auch beim Gegner hinterließ der Kampf Spuren: Bryan Schmidt mußte im Gesicht genäht, bei Del Monte ein Cut auf der Nase versorgt werden und Norman Hauner wurde um einen Zahn gebracht. - Play-off-Zeit im Eishockey.

Der beschriebene Spielverlauf gewährte den Steelers kaum nennenswerte echte Chancen, die Pasi Häkkinen im Starbulls-Tor vor Probleme hätten stellen können. Und als zur Spielmitte Mark Heatley einmal allein vor ihm mit der Scheibe auftauchte, wurde auch diese Großchance zu seiner Beute. Von den vielen Nadelstichen auf der Gegenseite seien zwei Breaks in der 38. Minute herausgehoben: einmal konnte Matt Caruana, als er allein über rechts vor Langes Gehäuse zog, nur an der Grenze des Erlaubten von Doug Andress am Einschuss gehindert werden und wenige Augenblicke später zielte er nach einem 2:1-Konter selbst knapp am Gehäuse vorbei.

Im Schlussabschnitt wurde trotz des knappen Spielstands schnell deutlich, daß nur noch ein "lucky Punch" der Stahl-Truppe würde helfen können: zunehmend gingen sie nun dem zermürbenden Körperkontakt aus dem Wege, zeigten sich meist einen Schritt langsamer und kamen so kaum noch einmal tief in ihr Angriffsdrittel. Stattdessen wurden sie immer öfter mit 2:1-Breaks vor Probleme gestellt. So fiel auch das vorentscheidende 2:0 durch den unermüdlichen Greg Squires, der vom rechten Bullykreis aus seinen Schlagschuss flach ins lange Eck versenkte. In einer ähnlichen Situation scheiterte Hauner kurz darauf über links an Lange. Mit einem Alleingang durch die Mitte sorgte allein Sommerfeldt nochmal für Gefahr im Bullenstall. Und selbst als Lange bereits zweieinhalb Minuten vor Schluss durch einen sechsten Feldspieler ersetzt wurde, kam Häkkinen nicht mehr in Bedrängnis. Vielmehr vollendete Del Monte einen typischen 2:1-Konter, als er, von Michael Baindl freigespielt, mit dem Puck von rechts ins leere Tor laufen konnte.

Dieser Sieg mutete wie ein Wirkungstreffer der Oberbayern in der Halbfinalserie an: Einerseits wurde der ohnehin knapper besetzte Kader der Steelers weiter dezimiert. Zudem wird dem stärksten Angriff der Liga eine torlose Niederlage und ihr aufreibendes Zustandekommen sicher zu denken geben und Coach Kevin Gaudet konstatierte anschließend bereits grundlegende Probleme: „Unser Kader ist weder tief, noch tough genug für die Play-offs. Auf die großzügigere Regelauslegung im Saisonfinale waren wir nicht vorbereitet. Daraus werden wir lernen und die richtigen Konsequenzen für die neue Saison ziehen. Jetzt gilt es aber erstmal, einen Weg zu finden, das nächste Schachspiel am Freitag zuhause zu gewinnen.“

Tore: 1:0 (1.) Fröhlich (Auger, Frank) 5-4, 2:0 (49.) Squires (Zick, Caruana), 3:0 (60.) Del Monte (Baindl, Caruana) 5-6

Strafen: Rosenheim 10, Bietigheim 8
HSR: Oswald, Vogl, LSR: Büse, Velkoski
Zuschauer: 2.819

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