„Spottclub“ Riessersee erreicht Pokalhalbfinale

Riessersee: Rettung in letzter SekundeRiessersee: Rettung in letzter Sekunde
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Zwei Stunden vor dem Pokalspiel gegen Wolfsburg zogen am Sonntagabend erneut rund 500 Anhänger des SC Riessersee in einem Protestmarsch gegen die derzeitige Führung durch die Garmischer Straßen. „Tradition und Ehre gegen Lug und Trug“, lautete das Motto der Eishockey-Demo, der sich zahlreiche prominente Anhänger des Clubs anschlossen. Altbürgermeister Neidlinger, selbst seit 50 Jahren dem SC Riessersee zugetan, meinte, dass sich der SCR „von einem Sportclub zu einem Spottclub“ entwickelt habe. Er erinnerte an schlechte Riesserseer Zeiten in der Vergangenheit, die man genauso überlebt habe wie man den „jetzigen Zustand“ überstehen werde. Auch der amtierende Bürgermeister Schmid nahm an dem Protest teil, „um ein Zeichen der Solidarität zu setzen“. Der Gemeinde liege vor allem die Jugendarbeit sehr am Herzen. Schmid sprach dann eine mögliche Lösung des derzeitigen Finanzproblems der SCR-GmbH an: Es sollte eine „kontrollierte Insolvenz“ angestrebt werden, um danach einem potentiellen Retter wie dem Kanadier Steven Barnes den Einstieg zu ermöglichen. Urs Peter Janetz, der Vorsitzende des Stammvereines SC Riessersee Eishockey e.V., forderte die Verantwortlichen der GmbH auf, „ihre Koffer zu packen und aus Garmisch zu verschwinden, damit endlich Ruhe einkehrt.“

Wie groß die Verdrossenheit der Riessersee-Fans mittlerweile geworden ist, sah man an der Zuschauerzahl des anschließenden Pokalspieles, dem nicht einmal 1500 Besucher beiwohnten. Und dies, obwohl es das einzige Eishockey-Pflichtspiel des Abends im gesamten DEB-Bereich gewesen ist. Die wenigen, die dann doch ins Eisstadion gekommen waren, brauchten ihren Besuch aber keineswegs zu bereuen. Entsprechend gut war endlich wieder einmal die Stimmung der Fans, die ihr Team permanent unterstützten. Auch die üblichen Schmährufe gegen das Management der GmbH blieben diesmal aus.

In einer munteren und sehr spannenden Begegnung behielt der SC Riessersee am Ende mit 3:2 die Oberhand. Hölscher, Cowie sowie der erst tags zuvor verpflichtete Neuzugang Christoph Sandner erzielten die Tore für die Garmischer, während für Wolfsburg Zurek und Kujala erfolgreich waren.

Trainer Bradley zeigte sich nach dem Spiel entsprechend zufrieden: „Wir haben über 40 Minuten ein sehr gutes Spiel gezeigt. Danach wurden wir ein wenig müde, was auch mit den fehlenden Spielern zusammenhing.“ Guidarelli (Schulterverletzung), Bjornlie (spielte für die USA beim Deutschland-Cup) und Maurer (U 18 Nationalmannschaft) gingen dem Coach natürlich sehr ab, wobei die beiden letztgenannten am morgigen Dienstag zum Nachholspiel gegen Bad Nauheim (20 Uhr) wieder zur Verfügung stehen werden.

Wolfsburgs Trainer Mikes war nach der Niederlage verständlicherweise sehr geknickt. „Wir wollten unbedingt gewinnen“, sagte er. Als Ursachen für das Scheitern im Pokal sah er das fehlende Glück (drei Pfostenschüsse) sowie die seiner Meinung nach schlechte Schiedsrichterleistung. (an)


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