Spektakel um die "Goldene Ananas"Landshut - Rosenheim 3:1

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Vordergründig ging es für beide Teams noch um einiges: Die Starbulls hätten mit nur einem Punktgewinn noch Tabellenerster werden und Angstgegner Dresden in den Playoff-Spielen vermeiden sowie für ein mögliches Finale gegen Bremerhaven das Heimrecht sichern können. Die Dreihelmstädter wollten noch Ravensburg von Platz vier verdrängen und damit das Heimrecht im Viertelfinale ergattern. Beides klappte nicht; doch was diese Verschiebungen wert gewesen wären, steht bislang aufgrund unklarer Bestimmungen der Liga ohnehin noch in den Sternen (siehe Bericht: "EVL-Geschäftsführer Donbeck: "Das ist ein Skandal!"). Aber wie immer, wenn diese beiden Teams aufeinander treffen, braucht es solcher Konstellationen gar nicht: die Rivalität beider genügt sich selbst, um den Fans beider Seiten ein echtes Spektakel zu bieten und diese Teil der Gesamtinszenierung werden zu lassen. Diesmal war sogar für personelle Waffengleichheit auf dem Spielfeld gesorgt: Bei den Hausherren fehlten Martin Davidek und Cody Thornton, während die Gäste auf Andrej Strakhov und Maximilian Mühlbauer verzichten mussten.

Um jeden Quadratzentimeter Eis wurde von Anfang an verbissen gekämpft. Chancen ergaben sich hüben wie drüben. Und auch die Fanlager beider Seiten schenkten sich nichts. Da wollte dann auch Hauptschiedsrichter Willi Schimm nicht abseits stehen und verhängte insgesamt 99 Strafminuten, so dass zeitweise die Sitzplätze auf den Sünderbänkchen nicht ausreichten. "Dass bei Spielen beider Mannschaften die Emotionen hoch schlagen, ist ja bekannt. Leider hat der Schiedsrichter mit seinen fragwürdigen oder gar falschen Entscheidungen für zusätzliche Hektik gesorgt", wurde Landshuts Trainer Andreas Brockmann anschließend ungewohnt deutlich. Rosenheim-Coach Franz Steer hatte am Ende mit Fabian Zick, Michael Rohner und Robert Schopf drei verletzte Spieler zu beklagen und machte dafür jedoch das ungenügende Durchgreifen des Referees verantwortlich. "In einem so unwichtigen Spiel mit drei Verletzten nach Hause zu fahren, ist absolut unnötig", machte er seinem Ärger Luft. Damit spielte er offenbar bereits darauf an, dass die gesamte Zwischenrunde nur Makulatur gewesen sein könnte.

Noch bevor das erste Tor fiel, hatten auch die Isar-Städter bereits zwei Ausfälle, allerdings durch Spieldauerdisziplinarstrafen zu verzeichnen: Ty Morris mischte sich zum Ende des ersten Drittels in eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen Josh Godfrey und Matthias Bergmann ein, kam dafür allerdings extra von der Spielerbank und musste deshalb folgerichtig vorzeitig duschen. Zu Beginn des zweiten Spielabschnitts erwischte Fabio Wagner "mit einem absolut regelkonformen Check", wie Brockmann urteilte, den puckführenden Robert Schopf auf offener Eisfläche direkt von vorn, so dass dieser benommen das Spiel beenden musste. "Das war ein Check gegen den Kopf, der gehört immer bestraft" ereiferte sich Steer anschließend. Tatsächlich wurde Wagner aber wegen unkorrekten Körperangriffs vorzeitig des Spiels verwiesen - da hatte Schimm wohl eher die Wirkung statt die Ursache für seinen Pfiff herangezogen.

Die daraus resultierende Unterzahl nutzte Peter Abstreiter, als er über links einen Konter setzen, vors Tor ziehen und in Penalty-Manier Torhüter Pasi Häkkinen das Nachsehen geben konnte. Einem weiteren EVL-Treffer, fünf Minuten später, wurde wegen Torraum-Abseits die Anerkennung verweigert. Stattdessen gelang den Starbulls wenig später der kuriose Ausgleich: Als die Niederbayern eine brenzlige Situation eigentlich schon geklärt hatten, kam die Scheibe nochmal zum allein vor dem Tor weilenden Tyler Mc Neely, dessen Querpassversuch von einem Landshuter Verteidiger geblockt wurde und als Doppelpass zum Kanadier zurück prallte, der nun nur noch direkt ins leere Tor vollenden musste.

Am Schluss des zweiten Drittels gelang es den Inn-Städtern, die Strafzeitenbilanz ausgeglichener zu gestalten, so dass sie zeitweise zu fünft um die Sitzplätze im Sünderbereich streiten mussten. In dieser Phase sorgte Billy Trew nach schöner Kombination für die Vorentscheidung. Rosenheim nahm zwei Gänge heraus, brachte nun vermehrt seine Nachwuchsspieler, agierte fast körperlos und machte kaum noch Anstalten, im Fernduell an den Fischtown Pinguins Bremerhaven vorbeiziehen zu wollen. So waren im Schlussabschnitt nur noch eine Strafzeit und das schulmäßig herausgespielte dritte EVL-Tor nach einer 3-1-Situation zu verzeichnen.

"Das Über- und Unterzahlspiel hat heute die Entscheidung gebracht", resümierte Steer anschließend. Er begründete das Nachlassen im letzten Drittel mit der "Bedeutungslosigkeit des Spiels" - was, wenn jetzt doch die Zwischenrundentabelle für die Playoff-Plätze herangezogen wird? Ein Punkt hätte den Oberbayern für den Platz an der Spitze gereicht. Brockmann freute sich "nicht nur über das dritte gewonnene Spiel in Folge, sondern auch über das sechste Spiel, in dem ununterbrochen gepunktet" wurde und verwies damit auf den gelungenen Umschwung. Über die anstehenden Play-Offs, in denen es beide Teams mit Gegnern zu tun bekommen, gegen die sie in der bisherigen Saison kaum oder gar nicht punkten konnten, waren sich beide Trainer einig: "Das ist mir völlig egal, gegen wen wir spielen. In den Playoffs kann alles passieren", gab sich Steer gleichgültig. Und Brockmann ergänzte: "Die Playoffs haben eigene Gesetze, sind eigene Spiele und eigene Serien. Da kann alles passieren." Und auch die Frage des Heimrechts war ihm unter sportlichen Gesichtspunkten egal: "Wir bereiten uns auf Ravensburg vor und spielen da, wo es uns gesagt wird."

Tore: 1:0 (24.) Abstreiter (Trew, Godfrey) 4-5, 1:1 (32.) Mc Neely (Weihager, Weller), 2:1 (42.) Trew (Vantuch, Geipel) 5-4, 3:1 (49.) Forster (Vantuch, Loibl)

Strafen: Landshut 19 + Spieldauerdisziplinarstrafe Morris + Spieldauerdisziplinarstrafe Wagner, Rosenheim 20 + 10 Bergmann + 10 Frank

HSR: Schimm; LSR: Büse, Flad

Zuschauer: 4.012


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