Setzt sich Aufwärtstrend der Kassel Huskies fort?Powerhockey unter Tim Kehler

Tim Kehler, Trainer der Kassel Huskies.  (Foto: dpa/picture alliance)Tim Kehler, Trainer der Kassel Huskies. (Foto: dpa/picture alliance)
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Ein langer Sommer stand den Verantwortlichen um Joe Gibbs und Trainer Tim Kehler bevor. Dem neuen Spielstil den Kehler vorgab – man wollte schneller, robuster und körperbetonter spielen – musste das richtige Personal folgen, um wieder ein gewaltiges Wörtchen um die Spitze der DEL2 mitreden zu können. Beim Thema Schnelligkeit konnte man sich aus den eigenen Reihen bedienen und den Vertrag mit Routinier Richie Mueller verlängern. Nach einer auch für ihn verkorksten Saison 2018/19, in der er nur auf 51 Punkte in 52 Spielen kam – zum Vergleich die Saison 2017/18 beim SC Riessersee 80 Punkte in 51 Spielen – setze man weiterhin auf seinen Speed und seinen immer noch hervorragenden „Onetimer“ im Powerplay. Auf der Torhüterposition verlängerte man die Verträge mit dem erst im Februar gekommenen Jerry Kuhn und der größten Überraschung der letzten Saison, Leon Hungerecker. Wurde Hungerecker in der Spielzeit 2018/19 noch ins kalte Wasser geworfen – man war mit der Leistung von Torhüter Melichercik alles andere als zufrieden – und half dem Team noch zu einem Pre-Play-off-Platz mit famosen Auftritten, erhoffte man sich von ihm zur neuen Spielzeit einen weiteren Sprung nach vorne. Nicht zuletzt nach der Verpflichtung von Antti Ore als Torwarttrainer.

In der Verteidigung wurden die Verträge mit Leistungsträgern wie Heinrich, Dinger, Walters und Müller verlängert und mit dem jungen Tramm (kam aus Leipzig), dem erfahrenen Scalzo (spielte zuletzt 2016/17 in Frankreich) und dem DEL-erfahrenen Shevyrin (123 Spiele für die Iserlohn Roosters) ergänzt. Hinzu vergab man eine Ausländerlizenz an Spencer Humphries, den man aus Aalborg verpflichtete und der vorallem im Powerplay zusammen mit Shevyrin von der blauen Linie für Torgefahr sorgen sollte.

Im Sturm verpflichtete man mit Alexander Karachun einen jungen, torhungrigen Angreifer, der sein Können bei einem ambitionierten Verein wie Kassel unter Beweis stellen wollte, um sich so für Teams aus der DEL zu empfehlen. Welches ihm – vorweggenommen – auch sehr gut gelang! Um die „gewisse Härte“ ins Spiel zu bringen, verpflichtete man den polnischen Nationalspieler Noureddine Bettahar und den US-Amerikaner Austin Caroll. Für Kreativität und Torgefahr wurde der Kanadier Ben Duffy verpflichtet und der Vertrag mit dem ebenfalls aus Kanada stammenden Stürmer Corey Trevino verlängert.

Am 23. August startete man in die Testspielphase mit einer Niederlage gegen den neuen „Angstgegner“ aus Crimmitschau. Bei einem Turnier in Herne unterlag man den Sachsen mit 2:6 und so musste man sich einen Tag später mit dem Spiel und Platz 3 gegen den Gastgeber aus Herne begnügen, welches man dann aber recht souverän mit 5:3 für sich entscheiden konnte. Mit einer positiven Bilanz von 5:2 Siegen kann man durchaus von einer guten Vorbereitung sprechen in der mit dem Heimsieg gegen den tschechischen Vertreter Karlovy Vary auch ein Hochkaräter geschlagen werden konnte!

Einen Leckerbissen bekamen die Zuschauer direkt am Anfang der Saison zu sehen und man durfte in der heimischen Eissporthalle den Vizemeister und klaren Favoriten auf die Meisterschaft – die Löwen Frankfurt – begrüßen. Mit dem 3:2-Heimsieg konnte man direkt Selbstvertrauen tanken und eine fulminante erste Saisonhälfte spielen. Verlor man zwar direkt das zweite Spiel bei den Bietigheim Steelers, konnte man im Anschluss allerdings eine Serie von sechs Siegen in Folge starten. Darunter waren, vor allem vor heimischer Kulisse, großartige Siege wie das 10:2 gegen Bietigheim oder ein 7:1 gegen Heilbronn dabei. Zwischendurch nahm man noch „schnell“ einen 5:0 Auswärtsderbysieg in Bad Nauheim mit.

War man anfangs zu Hause eine Macht und schickte die ersten zehn Gastmannschaften mit null Punkten nach Hause, machte sich bei den Huskies eine kleine Auswärtsschwäche bemerkbar. Man spielte teilweise unsicher und lethargisch – 2:5-Niederlage bei den Tölzer Löwen – und konnte sogar große Vorsprünge, wie beispielsweise eine 3:0-Führung im Derby in Frankfurt nicht über die Zeit retten. Nichtsdestotrotz befand man sich seit dem sechsten Spieltag an der Tabellenspitze und verblüffte die Liga mit starkem Forechecking und überrannte die Teams regelrecht in deren eigenen Drittel. Man konnte also von Anfang an die Handschrift Kehlers erkennen und wusste, dass man im Sommer an den richtigen Schrauben gedreht hatte und nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis eine geschworene Truppe beisammen hatte.

Eine weitere Eigenschaft, die man in Kassel endlich wieder auf dem Eis sah, war der Kampfgeist. Lief es nicht immer spielerisch, konnte man sich immer wieder in Spiele hinein fighten. So gewann man unter anderem beim EV Landshut nach einem schnellen 0:3-Rückstand am Ende noch mit 4:3 oder konnte gegen die Bayreuth Tigers vor heimischer Kulisse einen 1:2-Rückstand in den letzten vier Minuten dank zweier Tore von Michi Christ in einen 3:2-Sieg ummünzen.

Nach der Deutschland-Cup-Pause änderte sich allmählich das Bild. Konnte man am Anfang der Saison den Gegner gerade zu Hause in seinem eigenen Drittel einschnüren, fehlte ab Mitte November der Speed und vor allem der nötige Biss. Es gelang den gegnerischen Mannschaften nun immer besser, sich einfach zu befreien und aus einer sicheren Defensive schnell nach vorne zu spielen. Hinzu kam, dass man vor dem Tor des Gegners nun die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen ließ. Wurde in den ersten Spielen aus allen Rohren und Positionen geschossen und vor allem auch getroffen, spielte man jetzt zu kompliziert und wollte den Puck förmlich ins Tor tragen. Vor allem im mit 6100 Zuschauern ausverkauften Heimspiel gegen die Heilbronner Falken kurz nach Weihnachten wurde allen klar, dass die Leichtfüßigkeit und das sogenannte Scheibenglück abhandengekommen war. Zwar verzeichnete man mit 42:24 Torschüssen ein deutliches Plus gegenüber dem Gegner, konnte die Masse an Schüssen aber nicht im Ziel unterbringen und scheiterte teilweise kläglich vor des Gegners Tor. Mit 2:5 musste man den Gegner aus Heilbronn die drei Punkte mit auf die Heimreise geben und konnte nur mit Glück die Tabellenführung „behaupten“, da die Überraschungsteams aus Freiburg und Bad Nauheim ebenfalls strauchelten.

Von nun an hatte man in Kassel das Selbstvertrauen verloren und auch auf den Rängen war man sich mittlerweile nicht mehr so sicher ob das Team die Form der ersten Spiele wiederfindet und man dem Rest der Liga zeigen kann, dass man nicht umsonst Tabellenführer ist. Denn diese Tabellenführung war fortan keine Selbstverständlichkeit mehr und konnte eine Zeit lang nur behalten werden, weil die Konkurrenz dahinter glücklicherweise immer dann strauchelte, wenn es die Huskies auch taten. Nach dem 45. Spieltag und einer 2:3-Heimniederlage nach Penaltyschießen gegen die Roten Teufel Bad Nauheim war es dann soweit und man musste die Tabellenführung an den EHC Freiburg abgeben. Nach insgesamt 39 Spielen in Folge an der Spitze der DEL2 fand man sich plötzlich auf dem zweiten Platz wieder man lief plötzlich Gefahr so kurz vor den Play-offs das Heimrecht bis zum Finale zu verlieren. Zwar konnte man sich nach zwei Siegen gegen Kaufbeuren den Platz an der Sonne zurückerobern, blieb die Tabellenspitze jedoch so eng zusammen, dass man sich keine weiteren Fehler mehr leisten durfte. Hatte man mit den Wölfen aus Freiburg schon einen starken Konkurrenten im Nacken sitzen, gesellten sich nun auch noch die Löwen Frankfurt hinzu, welche sich kontinuierlich von Platz acht zur Saison Mitte anschlichen und längst Kontakt zur Spitze aufgenommen hatten. Eben jene Löwen waren es letztendlich auch, welche die Huskies drei Spieltage vor Schluss vom Thron schubsten und die Tabellenführung auch nicht mehr hergeben sollten.

Ab jetzt galt es den Schalter umzulegen und den vollen Fokus auf die Play-offs zu richten. Nach drei Niederlagen am Stück gegen Bayreuth, Bad Tölz und Freiburg, zeigte man am letzten Spieltag, dass immer mit den Huskies zu rechnen ist. Man schickte die Bietigheim Steelers mit 4:0 nach Hause und konnte einen versöhnlichen Abschluss der Hauptrunde feiern.

Alles in Allem können die Kassel Huskies, die Verantwortlichen, die Spieler sowie die Fans mit der Saison 2019/20 zufrieden sein. Verlor man in den Jahren zuvor unter Rico Rossi die Konstanz und den Erfolg, brachte Tim Kehler mit seinem Powerhockey eben jene zurück. Und auch die Fans dankten es ihm in dem man im Vergleich zum Vorjahr den Zuschauerschnitt von 3216 auf 3420 erhöhen konnte. Landete man in den beiden Vorjahren auf den Plätzen sechs und sieben verbrachte man diese Spielzeit überwiegend auf Platz eins und konnte mit einem hervorragenden zweiten Platz die Saison abschließen. Mit nur 147 Gegentoren und einem Gegentorschnitt von 2,8 stellte man die zweitbeste Defensive und mit 191 erzielten Treffern den drittbesten Sturm. Einzig die Special Teams und hier vor allem das Powerplay bereitete den Fans Kopfzerbrechen. Wurde man Liga weit mit einem Penaltykilling von 82,8 Prozent Dritter, landete man bei Powerplay mit einer Quote von 19,9 Prozent gerade mal im unteren Mittelfeld.

Für die Saison 2020/21 in der es erstmals wieder um den Aufstieg in die DEL geht, muss man in Kassel beweisen, dass die Saison nicht nur ein Ausrutscher nach oben war, sondern, dass man einen genauen Plan hat und diesen im Hinblick auf den Aufstieg verfolgt. Mit Joel Keussen und Clark Breitkreutz konnten zwei Spieler verpflichtet werden, die die Probleme im Powerplay beheben könnten. Zudem verlängerte man die Verträge mit Youngstar Stephan Tramm und Top-Torhüter Jerry Kuhn, welcher mit Leon Hungerecker wieder eines der Top Duos der DEL2 bildet. Dagegen wiegen die Abgänge von Richie Mueller, welcher seine Karriere beendet und vor allem von Eigengewächs und Langzeit-Kapitän Alexander Heinrich schwer. Auch der Abgang von Alexander Karachun muss adäquat ersetzt werden. Der Weißrusse mit deutschem Pass war mit 27 Treffern der erfolgreichste Schütze im Team und hinterlässt eine große Lücke im Sturm. Spannend bleibt auch die Frage, was mit den Kontingent-Lizenzen passiert. Während Ben Duffy seine Erwartungen teilweise erfüllen konnte und Topscorer des Teams wurde, blieb vor allem Austin Caroll hinter seinen Erwartungen zurück. Und auch Corey Trevino konnte nicht vollends überzeugen. Zwar wurde er Zweiter der internen Scorerliste, allerdings vermisst man bei ihm Führungsqualitäten und die wichtigen Tore in wichtigen Momenten. Hier bedarf es der Nachbesserung und eines Stürmers, der weiß, wo das Tor steht und in wichtigen und engen Momenten vorangeht.

Es bleibt also spannend ob sich der Aufwärtstrend der Kassel Huskies bestätigt und man ein Wort um den Aufstieg in die DEL 2021 mitreden kann.

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