SCR: 7:1-Erfolg in einem denkwürdigen Spiel - Bradley neuer Trainer

Riessersee: Rettung in letzter SekundeRiessersee: Rettung in letzter Sekunde
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Wann hat es so etwas bei einem Eishockeyspiel in Deutschland schon einmal gegeben? Fünf Minuten vor Beginn der Zweitligabegegnung zwischen dem SC Riessersee und den Straubing Tigers betrat der Stadionsprecher (Axel Dubelowski) das Eis, erklärte, dass er aus Solidarität mit den protestierenden Fans sein Amt niederlegt und geht. Daraufhin verlassen nahezu alle Zuschauer der Ostkurve das Stadion, sodass die beiden Mannschaften ohne Namensnennung in eine fast menschenleere Eishalle einlaufen. In solch einer ungewohnten Atmosphäre fiel es den Spielern beider Mannschaften sichtlich schwer, die richtige Einstellung zum Eishockey zu finden. So plätscherte das "Geisterspiel" ohne große Höhepunkte vor sich hin und wurde nur in der 6. Minute durch einen kurzen Straubinger Torjubel (Penzkofer) gestört. Als die Garmischer Fans nach rund 10 Minuten wieder in die Halle kamen, kümmerten sie sich immer noch nicht um das Spiel, sondern feierten den beurlaubten Trainer Gailer und schmähten die SCR-Führung. Erst im zweiten Drittel stellte sich so etwas wie normale Eishockeystimmung ein, zumal das Garmischer Team, betreut vom überzähligen Ausländer Rob Cowie, endlich wieder zur normalen Form fand und gleich fünf Treffer erzielte. Unter gütlicher Mithilfe der äußerst schwachen Straubinger trugen sich Guidarelli, Kreitl, Buchwieser, Hölscher und Fox in die Torschützenliste ein. Das letzte Drittel hatte nur noch statistischen Wert (Treffer durch Regan und erneut Kreitl). Alles wartete gespannt, was wohl nach dem Spiel passieren würde.

Wie angekündigt, versammelten sich mehrere Hundert Anhänger vor den Toren der Haupttribüne, um ihrem Unmut gegen Jochen Kress und Ludwig Nominikat freien Lauf zu lassen. Ein massives Aufgebot von Ordnern und Polizei verhinderte jedoch Schlimmeres, sodass es bei verbalen Attacken blieb. Der Geschäftsführer der SCR-Vermarktungs-GmbH, Nominikat, übernahm anschließend die unangenehme Aufgabe, sich den bohrenden Fragen der Journalisten zu stellen. So meinte er zur Beurlaubung des Trainers, dass er selbst voll hinter Gailer gestanden hatte, der neue Mehrheitsgesellschafter Barnes aus Kanada allerdings ultimativ dessen Rausschmiss gefordert habe. Ansonsten würde er, Barnes, sich nicht in Garmisch beteiligen, was unwiderruflich das Ende des SCR bedeutet hätte. Als neuer Trainer wird nächste Woche der Kanadier Doug Bradley vorgestellt, der bereits mehrere Jahre als Co-Trainer in der DEL (München und Frankfurt) gewirkt hatte. Dabei hat er sich zweifellos einen hervorragenden fachlichen Ruf erworben. Ob er allerdings für den "Provinzclub" aus Garmisch der Richtige ist, kann man, nicht zuletzt wegen seiner mangelnden Deutschkenntnisse, wohl bezweifeln. Nicht teilhaben an der zukünftigen "Kanada-Connection" des SCR wird Bernie Johnston, der als sportlicher Leiter vorgesehen war. Barnes selbst wird übrigens ebenfalls in der nächsten Woche in Garmisch zurück erwartet. Nach Angaben seines Anwaltes, Dr. Samstag, hat er das dringend benötigte Geld bereits überwiesen, sodass die Spieler berechtigte Hoffnung haben, endlich ihre rückständigen Gehälter zu bekommen. Dies wird möglicherweise auch die Revisoren der ESBG gütlich stimmen, die am kommenden Mittwoch eine Sonderprüfung der Finanzen der SCR-GmbH durchzuführen gedenken. Sollten dort allerdings neue Ungereimtheiten ans Licht kommen, so drohen den Verantwortlichen drakonische Strafen, was Ludwig Nominikat allerdings nicht sonderlich beunruhigt: "Davor habe ich die geringste Angst", meinte er gestern.