SC Riessersee: Der Wirbel nimmt kein Ende

Riessersee: Rettung in letzter SekundeRiessersee: Rettung in letzter Sekunde
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Wer in letzter Zeit ein Heimspiel des Zweitligisten SC Riessersee besucht hat, konnte sich über einen Mangel an Unterhaltung wahrlich nicht beschweren. So war es auch gestern Abend: Bereits eine Stunde vor Spielbeginn zogen mehrere hundert Fans in einem Trauermarsch rund um das Stadion, um ihren geliebten SCR symbolisch zu Grabe zu tragen. Währenddessen beobachtete ein Gerichtsvollzieher mit Argusaugen die Abendkassen, um sich dann darin im Auftrag der Gemeindewerke zu bedienen. Wie es hieß, sei die SCR-GmbH die Stadionmiete schuldig geblieben. Nach Schließung des Kartenverkaufes wurden dann zu allem Überfluss auch noch die Computerkassen abgeholt, die anscheinend ebenfalls nicht bezahlt worden waren.

Das gleichzeitig stattfindende Zweitligaspiel gegen Bietigheim geriet dabei fast zur Nebensache. Die Gäste gewannen in einer schwachen Begegnung mit 2:1. Sie hatten dies in erster Linie ihrer disziplinierten und konsequenten Abwehrarbeit zu verdanken, die selbst bei einer zweimaligen 3:5 Unterzahl kein Gegentor zuließ. Die Garmischer mussten auf drei Leistungsträger verzichten, wobei sich besonders das Fehlen der Stürmer Guidarelli und Buchwieser negativ bemerkbar machte. Außerdem konnte man erkennen, dass das Team, bedingt durch die vielen Querelen im Umfeld, jeglichen Schwung und Spielwitz verloren hat. Ausgerechnet dem Youngster Ulrich Maurer blieb es vorbehalten, für den Ehrentreffer zu sorgen.

In der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Gästetrainer Naud dann über den Sieg sehr erfreut. Die letzten Erfolge hätten seinem Team das nötige Selbstvertrauen gegeben, auch kritische Situationen unbeschadet zu überstehen. Der neue SCR-Trainer Doug Bradley war wegen der Niederlage sehr frustriert. Ausschlaggebend seien die beiden 5:3 Überzahlsituationen gewesen, die seine Mannschaft nicht nutzen konnte. Außerdem macht ihm natürlich auch die ungewisse Situation rund um die GmbH große Sorgen. Er weiß genauso wenig wie fast alle, ob und in welcher Form es mit dem ruhmreichen SC Riessersee weitergeht.

Ganz genau beantworten können diese Frage nur zwei Personen. Ludwig Nominikat, der Geschäftsführer und Alleingesellschafter der GmbH, zog es jedoch vor, nicht im Stadion zu erscheinen. Jochen Kress, Generalbevollmächtigter von Nominikats Gnaden, der auch gestern wieder zum großen Buhmann der Fans wurde, gab dagegen einige Erklärungen zur Lage ab:

So ist, nach seiner Aussage, der Deal mit dem Kanadier Steven Barnes endgültig geplatzt. Während um 19.30 Uhr Maria Barnes in einem Rundfunkinterview nochmals ihre Bereitschaft zu einer Übernahme von 100% der Gesellschaftsanteile bekundete und Nominikat dazu eine endgültige Frist bis Montag setzte, hat dieser anscheinend kalte Füße bekommen. Nominikat würde Barnes maximal 60 % überlassen. Man fürchtet, dass Barnes, ähnlich wie bei der König-Ludwig-Musical-GmbH, die SCR-GmbH in die Insolvenz treiben könnte, um preisgünstig an die Anteile zu gelangen.

Doch die Absage an Barnes ficht Jochen Kress, den hartgesottenen, nicht an: „Wir haben einen neuen Gesellschafter, der nächste Woche einsteigen wird. Am Mittwoch platzt die Bombe“, sagte er wörtlich. Außerdem sei die Zahlung der Oktobergehälter an die Spieler nächste Woche hundertprozentig gesichert. Kress gab dann noch einige Details über die Kündigung von Trainer Gailer sowie die Begleitumstände der Barnes´schen Zahlungen bzw. Nichtzahlungen, Forderungen und Gegenforderungen bekannt, deren Auflistung diesen Rahmen sprengen würden. Auch der Anwalt der Familie Barnes habe alles andere als korrekt gehandelt, sagte Kress. Im Übrigen betrage die Höhe der derzeitigen Verbindlichkeiten der GmbH nicht 500.000,- Euro, wie vielfach behauptet wurde, sondern „nur“ ca. 200.000,- Dies sei dem Geschäftsführer der ESBG, Helmut Bauer, letzte Woche detailliert aufgeschlüsselt worden. Der wiederum meinte zu dem ganzen Wirbel um den SCR, dass die ESBG im Interesse der gesamten Liga in aller Ruhe die weitere Entwicklung abwarte, um dann die nötigen Entscheidungen (Strafen, Lizenzentzug?) zu treffen.

Nicht nur die ESBG, ganz Eishockey-Deutschland ist auf die weitere Entwicklung gespannt. Gelingt es Jochen Kress endlich einmal, seinen vollmundigen Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen, oder ist ein weiterer Traditionsverein in absehbarer Zeit mausetot?


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