Saisonauftakt nach Maß für die Joker

ESVK verpflichtet Max KaltenhauserESVK verpflichtet Max Kaltenhauser
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Wer hätte das gedacht? Gegen die klar favorisierten Schwenninger Wild Wings gelang den Kaufbeurer Jokern vor 2.826 begeisterten Zuschauern, davon etwa 700 Gästefans, mit 4:1 ein toller Auftakt in die 2. Bundesliga.

Bei den Hausherren wirkte der bereits letzte Woche getestete Verteidiger Jakub Körner mit und stabilisierte die Abwehr erheblich. Laut Vorstandsmitglied Christian Demel bestreitet der gebürtige Tscheche am Sonntag ein weiteres "Testspiel", bevor über eine Verpflichtung entschieden wird.

Die hochkarätig zusammengestellte Mannschaft aus Schwenningen dominierte den Beginn dieses Spiels. Jason Pinizzotto stand zwei Mal gefährlich vor dem Kaufbeurer Tor und konnte nahezu unbehelligt abfälschen. Doch das Glück stand den Hausherren in diesen Situationen bei.

Anton Saals Pfostenschuss im Gegenzug sollte den Respekt der Joker verschwinden lassen.

Doch nach gespielten etwas mehr als vier Minuten folgte die kalte Dusche für den Aufsteiger. Die Wild Wings fuhren nach einem Puckverlust der Joker im gegnerischen Drittel einen 2 gegen 1 Konter und Brock Hooton versenkte die Scheibe unhaltbar im Kasten von Thomas Tragust.

Die Gastgeber zeigten sich dadurch keineswegs geschockt. Nur wenige Sekunden nach dem Rückstand zogen die Joker ein schönes Überzahlspiel auf, und nach einem scharfen Pass vors Tor trudelte die Scheibe zum Ausgleich über die Linie, als Jordan Webb wohl angeschossen wurde. Damit hatten die Joker nun endgültig ihre Nervosität besiegt.

Eine Schrecksekunde mussten die zahlreichen Zuschauer schließlich erleben, als ein Puck von der Bande absprang und vor einem Schwenninger landete. Doch der italienische Nationalkeeper in Diensten des ESVK, Thomas Tragust, entschärfte diese Zufallschance. Im Gegenzug tankte sich der bärenstarke Anton Saal mit einer tollen Bewegung gegen einen Schwenninger Verteidiger durch und wurde vor dem Tor unfair gelegt. Schiedsrichter Trainer entschied völlig zurecht auf Penalty für die Joker.

Doch Saal hüpfte bei der Ausführung der Puck etwas vom Schläger, sodass er ihn nicht mehr richtig kontrollieren konnte und schlussendlich an Silverthorn im Schwenninger Kasten scheiterte. Nun wurden die Wild Wings zunehmend unsicherer. Vor allem die Abwehrspieler waren mehrmals nicht auf der Höhe des Geschehens. Einen dieser Fehler hätte beinahe Petr Sikora zum Führungstreffer genutzt, als er einen Aufbaupass noch vor der blauen Linie abfangen konnte, sich allerdings Silverthorn als reaktionsschnell zeigte.

Nach einer Viertelstunde hatte Florian Bindl den Führungstreffer auf dem Schläger, übersah allerdings den wesentlich besser postierten Nebenmann Sikora.

Als die Joker wenig später erneut im Powerplay agieren durften, vollendete "Quaterback" Emil Ekblad eine schöne Kombination über den starken Jordan Webb zum umjubelten Führungstreffer für die Joker. Kurz vor dem Drittelende bewahrte der überragende Thomas Tragust seine Joker vor dem Ausgleich, indem er innerhalb weniger Sekunden gleich zwei Mal gegen Jason Pinizzotto spektakulär klärte.

Im zweiten Drittel starteten die Hausherren gleich durch. Jordan Webb nutzte einen Abpraller von Silverthorn, um die Joker mit 3:1 in Führung zu bringen. Die Gäste agierten zunehmend undisziplinierter und handelten sich einige Strafen ein. Zwar zeigten die Joker mehrmals ein gutes Überzahlspiel, dennoch sollte dies nicht mehr von Erfolg gekrönt sein wie noch im ersten Drittel. Nach einer halben Stunde landete der Puck plötzlich bei Jordan Webb, der, etwas überrascht, allein vor dem Tor die Scheibe nicht unterbringen konnte.

Anschließend nahm Gästetrainer Kammerer eine Auszeit, um seine Mannen noch einmal wachzurütteln. Dies nahm sich seine Mannschaft wohl zu Herzen, denn der Favorit legte einen Zahn zu und erarbeitete sich gute Chancen. Die beste vereitelte erneut der bärenstarke Tragust, als er bei einer tollen Direktabnahme von Pinizzotto mit dem Schoner zur Stelle war. Diese Szene bezeichnete Trainer Ken Latta nach dem Spiel übrigens als "Safe of the match". Latta nahm unmittelbar danach eine Auszeit, um die nervöser werdenden Joker zu beruhigen. Gegen Ende des Mittelabschnitts hatten die Kaufbeurer bange Minuten in Unterzahl zu überstehen. Doch mit vereinten Kräften und einem starken Tragust überstanden die Hausherren auch diese heikle Phase des Spiels.

Im Schlussabschnitt stand den Jokern das Glück des Tüchtigen bei. Nachdem Jason Guerriero mit einem schönen Pass frei gespielt wurde, verzog der Kanadier knapp. Ein Anschlusstreffer zu diesem Zeitpunkt hätte dem Spiel eventuell noch eine Wende geben können.

Doch wenig später machte "Oldie" Petr Sikora alles klar. Nachdem er einem Schwenninger Verteidiger den Puck stibitzen konnte, ließ er sich nicht aufhalten und versenkte eiskalt zum vorentscheidenden 4:1. Die Halle tobte nun und die erste "Welle" verbreitete sich im Stadion. Die restlichen Minuten bis zum Ende agierten die Joker clever und überstanden diese Phase unbeschadet. Auch in Unterzahl wollte der Hexer Thomas Tragust den Gästen einfach keinen Treffer mehr gewähren und erhielt jede Menge Szenenapplaus. Somit blieb es bei einem am Ende verdienten Sieg der Hausherren, die mit "Standing Ovations" und mehreren Ehrenrunden nach dem Spiel gefeiert wurden. Die Zuschauer hatten ein packendes, schnelles Spiel mit vielen Torchancen gesehen und brauchten ihr Kommen sicherlich nicht zu bereuen.

Gleich am kommenden Sonntag bietet sich die Gelegenheit, diesem harmonischen, gut organisiertem Team erneut zuzuschauen.

In der anschließenden Pressekonferenz gratulierte Gästetrainer Axel Kammerer den Kaufbeurern zum verdienten Sieg. Er hatte in einem typischen Eröffnungsspiel eine hektische und temporeiche Begegnung gesehen. Der Unterschied bestand seiner Meinung nach in den Special Teams. Seine Mannschaft habe zu viele dumme Strafzeiten produziert sowie zu eigensinnig agiert.

Ken Latta wirkte beinahe so, als ob er diesen Erfolg erwartet hatte. Für ihn war Thomas Tragust der Schlüssel zum Erfolg. Auf Nachfrage zu Jakub Körner bescheinigte Latta diesem ein gutes Debüt und hoffte natürlich auf eine längerfristige Verpflichtung.