René Rudorisch: DEL2-Zuschauerzahlen verzeichnen deutliche ZuwächseDer Geschäftsführer der DEL2 im Interview – Teil 1

René Rudorisch ist der Geschäftsführer der DEL2. (Foto: DEL2)René Rudorisch ist der Geschäftsführer der DEL2. (Foto: DEL2)
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Hallo Herr Rudorisch, erneut gab es in der DEL2-Saison 2023/24 Rekordzahlen bei den Zuschauern. Wie ist Ihr Fazit, zunächst im wirtschaftlichen Bereich?

Im Moment sind wir noch in der genauen wirtschaftlichen Analyse. Wenn wir einen Blick auf die Liga-Gesellschaft werfen, können wir mit der Saison zufrieden sein. Die Zuschauerzahlen verzeichnen deutliche Zuwächse, was vor allem unserem tollen Sport in der DEL2 geschuldet ist. In der Hauptrunde haben wir einen Zuschauerschnitt von 3.150 erreicht – ein Rekordwert für uns.

Auch während der Playoffs und Playdowns haben wir bislang unerreichte Zuschauerzahlen verzeichnet.  Insgesamt haben wir knapp 1,4 Mio. Fans in den Stadien gelockt, auch das ein neuer Rekord. Damit sind wir erneut die zuschauerstärkste zweite Liga in Europa, und konnten sogar wieder die traditionell starke zweite Liga in Schweden hinter uns lassen.

Sportlich gab es zwei faustdicke Überraschungen, sowohl ganz oben als auch ganz unten. Die Eisbären Regensburg als Meister und die Bietigheim Steelers als Absteiger hatte wohl niemand vor der Saison auf dem Zettel. Die Kassel Huskies scheiterten erneut am Aufstieg in die DEL. Wie haben Sie die Finalrunde gesehen?

Vor Beginn der Saison wurde Regensburg von vielen als potenzieller Abstiegskandidat angesehen, während die Steelers im Mittelfeld oder sogar weiter oben erwartet wurden. Für Bietigheim war es nach dem Abstieg aus der DEL natürlich eine äußerst bittere Saison, in der sie nie richtig in Schwung kamen.

Auf der anderen Seite war die Leistung der Regensburger extrem beeindruckend, sie haben vor allem in den Playoffs ihr Spielkonzept bis zum Ende konsequent durchgezogen. Dieses war schon in der Hauptrunde überzeugend und so konnten sie mit ihrem Scheibenbesitz bis zum Ende, ihrem Spielwitz und ihrer Kombinationsstärke auch Kassel bezwingen. Die Handschrift von Max Kaltenhauser als Trainer war dabei deutlich erkennbar.

Die letzte Saison war sportlich sehr eng. Nach der Hauptrunde lagen zwischen Rang 6 als direkten Playoff-Teilnehmer und Rang 11 als erstem Team in den Playdowns gerade einmal sieben Punkte. Das spricht für die sportliche Qualität. Wie sehen Sie das perspektivisch?

Ich blicke noch gar nicht so intensiv auf die neue Saison. Fakt ist: Die vergangene Spielzeit war außergewöhnlich und aus sportlicher Sicht für die Liga wirklich fantastisch. Es hat sich bestätigt, was sich bereits in den vergangenen Jahren abzeichnete: Die Clubs sind auf Augenhöhe und halten die Saison bis zum Schluss spannend. Das haben wir dieses Jahr extrem erlebt, am Ende waren es, berücksichtigt man auch die 52 Spieltage, nur Nuancen, die zwischen Playoffs und Playdowns lagen. Wir hoffen, dass wir das auch fortsetzen können.

Es wird interessant sein zu sehen, wie die Clubs auf die Kaderzusammenstellung reagieren. Besonders angesichts der durchaus vorhandenen Unterschiede bei den Spieleretats ist es nicht selbstverständlich, dass die Liga so ausgeglichen ist.

Die Etats bewegen sich zwischen ca. 1,2 Mio. und 2,5 Mio. Euro, doch in dieser Saison war das kaum spürbar. Das spricht vor allem für die Clubs, die trotz geringerer Etats Spieler gefunden haben, die auf diesem Level bestehen konnten

Was waren in Bietigheim schlussendlich die Gründe für den zweiten Abstieg in Folge?

Es ist schwierig, das von außen zu beurteilen. Wirtschaftlich lief die Lizenzprüfung sehr gut, auch durch die 800.000 Euro Entschädigungszahlung für den Abstieg aus der DEL. Allerdings stellten der Umbruch in den Strukturen und die Veränderungen hinter den Kulissen, insbesondere auf der Geschäftsführerebene und im Aufsichtsrat, eine große Herausforderung dar. Es gab sicherlich nicht immer harmonische Zustände.

Besonders leid tut es mir für den neuen Geschäftsführer Gregor Rustige, der mit seiner jungen und dynamischen Art zunächst den Verein und dann den Profibereich leitete. Ich schätze ihn und seine Arbeit sehr, da er sehr gute Ansätze hatte. Hinzu kam für die Steelers der schwere Start in die Saison mit einem kleinen Kader.

Letztendlich gab es wohl zu viele Baustellen und viele Spieler, die individuell betrachtet durchaus konkurrenzfähig in der DEL2 waren, jedoch aus verschiedenen Gründen nie zu einem funktionierenden Team auf dem Eis wurden. Ich hatte stets auf den entscheidenden Impuls gehofft, der den Weg in Richtung Playoffs ebnen würde, jedoch blieb dieser aus.

Mit den Blue Devils Weiden steht der sportliche Aufsteiger aus der Oberliga fest. Ein paar Worte zum neuen DEL2-Mitglied?

Ich freue mich auf die Weidener. Vor ein paar Tagen war ich dort zu Gast, wir haben uns ausgetauscht, auch über die bevorstehende Lizenzprüfung. Es gibt einige Neuigkeiten, die für jeden DEL2-Aufsteiger relevant sind.

Es ist ein wirklich ein interessanter Standort mit sehr begeisterungsfähigen Fans und einer kleinen, aber charmanten Arena. Nun hoffen wir, dass die Devils es auch wirtschaftlich schaffen, aber nach den bereits vorliegenden Unterlagen, Zahlen und Planungen für die neue Saison sieht das auf den ersten Blick ganz vernünftig aus.

Wenn man sich die Aufsteiger der letzten Jahre anschaut, haben sich diese nahezu problemfrei in den Ligabetrieb eingefügt. Das spricht auch für die Oberligen. Bei Spielergehältern gibt es bereits einen Wettbewerb zwischen zweiter und dritter Liga um gute Spieler. Wie hoch ist die Gefahr, dass sich Clubs finanziell übernehmen und hier ein Wettbewerb entsteht, der nicht mehr gesund ist?

Ich sehe die Gefahr durchaus und es ist auch ein Thema in der Lizenzprüfung. Wir schauen vor allem darauf, wie die Spieleretats wirtschaftlich gesichert sind, sowohl mit Blick auf die abgelaufene, aber auch die neue Saison. Wir tun alle gut daran, dort das Kaufmännische in der Beurteilung in den Vordergrund zu stellen.

In der vergangenen Saison haben wir gesehen, dass trotz hoher Investitionen sportliche Erfolge ausbleiben können. Unsere oberste Priorität muss die Wirtschaftlichkeit unserer Clubs sein. In den vergangenen Jahren hatten die DEL2-Clubs insgesamt recht gut gewirtschaftet, auch wenn es Ausnahmen gab.

Wir merken zudem, dass die Etats und die Spielergehälter steigen, aber es ist auch klar, dass wir in einem von Mitbewerbern begrenzten Markt bewegen. Und am Ende sind die Clubs die einzigen, die diesen Markt beeinflussen können. Wenn diese die geforderten hohen Personalkosten, die aufgerufen werden, nicht zahlen, fallen die Preise auch wieder.

Momentan ist es aufgrund der guten Entwicklung im Ticketing und im Sponsoring so, dass mehr Geld ausgegeben wird und dadurch die Märkte nach oben getrieben werden. Wir hoffen, dass die Clubs Vernunft walten lassen und sich nicht übernehmen. Das gilt auch für die Oberliga.

Ein besonderes Ereignis war das Hockey Outdoor Triple in Klingenthal. Sportlich eine Glanzleistung aller Beteiligten, wirtschaftlich aber mit Verlusten im sechsstelligen Bereich aber nicht ganz so optimal. Wie ist das zu erklären?

Sportlich war es für alle Beteiligten das Ergebnis, was wir uns erhofft hatten. Die DEL2 hat sich mit einem wirklich besonderen Event nach außen sehr gut präsentiert. Abgesehen von einigen Schwierigkeiten bei der Anfahrt am Freitag, haben die Spiele vor Ort super funktioniert. Auch die Fernsehübertragungen, besonders am Freitag, waren für uns als Liga und als Sportart Goldwert.

Wirtschaftlich zufrieden kann man bei einem Verlust sicherlich nicht sein. Wir sind sehr dankbar, dass die „Die Sportwerk GmbH“ uns nicht nur bei der Umsetzung unterstützt hat, sondern auch von Anfang an das wirtschaftliche Risiko auf sich genommen hat. Wir betraten mit diesem Event Neuland und haben dabei viel gelernt.

In einigen Bereichen hätte ich mir etwas mehr Unterstützung aus der Region gewünscht. Einerseits gab es seitens des Vogtlandkreises und der Stadt Klingenthal sehr viel emotionalen Support, andererseits gab es sehr wenig direkte Unterstützung vor Ort, z.B. bei Themen wie Anfahrtskonzept und Verkehrsbeschilderung. Das sind Sachen, die woanders einfach da sind oder bereitgestellt werden, hier mussten das alles durch den Veranstalter bezahlt werden. Das waren am Ende Zusatzkosten, die wir so nicht kalkuliert hatten.

Zudem sind wir zu Beginn der Planung von noch höheren Ticketverkäufen ausgegangen. Diese waren am Ende gut, aber nicht so gut wie erhofft. Ich denke auch, dass die „Die Sportwerk GmbH“ auch weitere ähnliche Ambitionen in den nächsten Jahren unterstützen wird, zumal wir alle viel bezüglich der Infrastruktur gelernt haben.

Sie hatten ca. 35.000 Zuschauer, maximal wären 45.000 Tickets im Verkauf gewesen. Die Abweichung ist eigentlich nicht sehr groß. War es von vornherein riskant, auf drei ausverkaufte Tage zu setzen?

Es waren nicht ausschließlich Tickets zum vollen Preis verkauft worden, es gab auch Aktionskarten, die in die Zuschauerzahl einfließen. Am Ende waren es aber die Zusatzkosten, die zum negativen Ergebnis geführt haben. Verkehrsschilder - das klingt erst mal nicht sehr teuer, aber rechnet man die gesamten Kosten inklusive Beantragung, Aufstellung, Abbau und Verwaltungsgebühren, kommen da schnell enorme Summen zusammen.

Auch das Shuttlekonzept haben wir allein bezahlt. Am Ende hat die Region sicher profitiert, es waren mehr Gäste dort als sonst beim Skispringen. Natürlich will ich das alles nicht negativ reden, aber wir hatten am Anfang schon Hoffnungen auf etwas mehr Unterstützung.

Gibt es Planungen für weitere Event-Games und in welcher Saison könnten diese realisiert werden?

Es gab tatsächlich schon erste Anfragen von Clubs, die hierzu Ideen haben. Man sollte die Umsetzung aber nicht zu schnell erwarten. In diesem Jahr macht die DEL ihr Event, aber wir werden innerhalb der Liga besprechen, inwiefern wir in der Saison 2025/26 oder danach wieder eine Ausschreibung planen.

Vielen Dank, Herr Rudorisch, für Ihre Einschätzung der abgelaufenen Saison. Im zweiten Teil unseres Gespräches geht es dann um die neue Spielzeit.


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