Regensburg: Eisbären stehen vor richtungsweisender Saison

Regensburg: Eisbären scheitern an Rostislav HaasRegensburg: Eisbären scheitern an Rostislav Haas
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Die Zukunft der Regensburger Eisbären in der zweiten Eishockey Bundesliga stand in den vergangenen Wochen auf des Messers Schneide. Letztendlich konnten die Verantwortlichen zwar die Summe für die Bürgschaft stellen, doch wie sehr die Eisbären tatsächlich in der Krise stecken, konnten die Fans bis dato nur erahnen. Nachdem die finanziellen Vorraussetzungen zumindest für die Lizenzvergabe nun also endgültig bewältigt worden sind, ist es an der Zeit, sich um die sportliche Sicht der Dinge zu kümmern. Die Reduzierung des Mannschaftsetats um knapp eine Million Euro hat natürlich bei der Zusammenstellung des Kaders deutliche Spuren hinterlassen. Vom letztjährigen Ziel des DEL-Aufstiegs spricht in Regensburg keiner mehr. Das Erreichen der Play-offs sollte dagegen durchaus realistisch sein.

Im Tor wird weiterhin Patrick Couture die klare Nummer eins sein. Der Kanadier stieß im Laufe der letzten Saison zum Team und stellte von Beginn an klar, wie wichtig die Position des Torhüters beim Eishockey ist. Jan Guryca konnte dem Druck plötzlich Stammgoalie in der zweiten Bundesliga zu sein, verständlicherweise nur selten standhalten. Markus Janka, eigentlich fest als Nummer eins eingeplant, erholte sich von seiner Verletzung vor Saisonbeginn zu spät, um noch einmal an seine besten Leistungen anknüpfen zu können. Und auch der per Förderlizenz eingesetzte Lukas Lang erwies sich nicht als konstant genug. Patrick Couture gab der Hintermannschaft die dringend benötigte Sicherheit zurück und wird trotz durchwachsenen Play-off-Spielen sicherlich zu den besten Torstehern der Liga gehören. Zu ihm gesellt sich in Daniel Huber ein großes Goalietalent. Huber stand zuletzt im Kader der Passauer Black Hawks und wurde dort zum besten Spieler der Bayernliga gewählt. Bei einer schwereren Verletzung Coutures werden die Verantwortlichen dennoch nicht um die Verpflichtung eines weiteren Torhüters herumkommen.

Die Verteidigung der Oberpfälzer könnte sich auf den ersten Blick dagegen zur möglichen Achillesferse der kommenden Saison entwickeln. Einen erfahrenen Offensivverteidiger der sich für den Spielaufbau verantwortlich zeichnet, sucht man zunächst vergebens. In der vergangen Saison konnte dieser Part mit Abstrichen nur von Josh MacNevin ausgefüllt werden. Der 25-jährige Paul Flache und der 23-jährige Rory Rawlyk sollen`s nun also richten. Zweifelsohne Überseeimporte mit Gardemaß, allerdings auch bis auf ein paar Spiele Rawlyks in Schweden ohne jegliche Europaerfahrung. Rawlyk gilt als der offensivere von beiden, allerdings bleibt abzuwarten, inwieweit er mit 23 Jahren eine Führungsrolle übernehmen kann. Ob beide Spieler in Regensburg die nötige Zeit für die Umstellung bekommen werden muss sich zeigen und hängt hauptsächlich vom Saisonverlauf ab. Dass bekannte Namen nicht immer für gutes Eishockey stehen, mussten die Domstädter im vergangenen Jahr schließlich mit Shayne Wright und Christian Franz schmerzlich erfahren. Während Wright in Regensburg keine Zukunft mehr hat, zog Franz seine Vertragsoption für eine weitere Spielzeit bei den Eisbären. Der ehemalige deutsche Nationalverteidiger ist jetzt in der Pflicht, der GmbH das Vertrauen durch gute Leistungen zurückzuzahlen. Chris Heid und Jan Hemmes gehören sicherlich zu den talentiertesten Defendern der Liga. Während Heid bereits im vergangen Jahr bei den Eisbären überzeugen konnte, spielte Hemmes eine gute Saison in Bremerhaven. Beide sollten der Abwehr die nötige Stabilität geben können. Der erst 19-jährige Max Prommersberger kam, ähnlich wie der nach Düsseldorf abgewanderte Korbinian Holzer, aus Bad Tölz zu den Eisbären. Ob er sich in der zweiten Bundesliga zum Stammverteidiger entwickeln kann, bleibt abzuwarten. Eine Trumpfkarte hat man allerdings auch in diesem Jahr wieder in der Hinterhand. Allrounder Sven Gerike unterschrieb zur Freude der Eisbärenfans wiederum einen neuen Kontrakt. Egal ob im Sturm oder in der Verteidigung, Sven Gerike ist aus Regensburg kaum mehr wegzudenken. Durch seine Erfahrung und die mitreißende Art auf dem Spielfeld ist er zudem ein Kandidat auf das Kapitänsamt.

Ein Amt, welches Jason Miller in der vergangenen Saison scheinbar mehr zu belasten, denn zu beflügeln schien. Der einstige Starcenter erwischte eine rabenschwarze Saison und schien an den eigenen Ansprüchen zu verzweifeln. Der frühere Publikumsliebling avancierte zum Buhmann und wird sicher alles daran setzen, es den Regensburger Fans noch einmal zu beweisen. Auch Miller machte von einer Vertragsoption Gebrauch, die Ihm ein weiteres Jahr in der Domstadt garantierte. Ebenso mit einem Zweijahres-Vertrag ausgestattet war Niklas Hede. Der quirlige Finne kam zunächst nur schwerlich in Tritt, revanchierte sich allerdings im letzten Saisondrittel mit überragenden Leistungen. Hede wird sicherlich trotz seinen inzwischen 38 Jahren zu den Stützen der Mannschaft gehören. Wo wir schon bei geballter Routine sind, darf ein Name nicht fehlen, Ervin Masek. Der Außenstürmer feiert noch vor Saisonbeginn seinen 40. Geburtstag, sollte aber weiterhin die gegnerischen Abwehrreihen gehörig durcheinanderwirbeln können. Ein gebrochener Daumen setzte den Deutsch-Tschechen im Vorjahr für beinahe zwei Monate außer Gefecht. Danach tat sich Masek schwer, wieder zu alter Form zu finden. Bleibt er verletzungsfrei, kann auch seine vierte Saison in Regensburg eigentlich nur erfolgversprechend verlaufen. Zu den eingedeutschten Topstürmer Niklas Hede und Ervin Masek, gesellt sich mit Radek Vit ein weiterer beständiger Puntesammler. Nach einem auch für Vit schlechten Jahr in Dresden, hofft der sympathische Center in Regensburg wieder Spaß am Eishockey zu finden. Die große Unbekannte im neuformierten Eisbärensturm heißt dagegen Mike Wirll. Der Kanadier war zwar Toptorjäger in der ECHL, scheiterte aber bei seiner ersten Station in Europa. Nach zehn Spielen im finnischen Jyvaskyla wurde Wirll nach Hause geschickt. Der 25-jährige wird sicher darauf brennen, in Regensburg sein Können zu beweisen und sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Dennoch wird auch Mike Wirll, ähnlich wie Paul Flache und Rory Rawlyk einige Eingewöhnungszeit brauchen. Für das Potential, welches im Eisbärensturm steckt, stehen auch Alexander Feistl, Axel Hackert, Andreas Driendl und Max Schmidle. Die beiden letztgenannten wurden sogar vom neuen Kooperationsparter der Regensburger, den Hamburg Freezers, mit einer Förderlizenz ausgestattet. Axel Hackert kam während der Saison von den Frankfurt Lions zu den Oberpfälzern und zeigte an der Seite von Brent Gauvreau und Ervin Masek in der zweiten Reihe fast ausschließlich gute Leistungen. Alexander Feistl besticht durch unbändigen Kampfgeist und entwickelte sich so schnell zum Publikumsliebling. Drei Eigengewächse stehen auch im Kader der Regensburger. Zu den aus der Jugend ins erste Glied gerückten Brüdern Daniel und Stefan Huber, gesellt sich der aus Crimmitschau zurückgeholte Andreas Dörfler. Diese drei könnten für eine wichtige Entlastung des doch schon etwas in die Jahre gekommenen Sturms sorgen. Weitere Optionen haben die Oberpfälzer mit Max Lingemann und Marcus Sommerfeld von den Hamburg Freezers. Beide sind durch eine Förderlizenz auch für die Eisbären spielberechtigt.

Auf der Trainerposition warteten die Regensburger mit einer weiteren Überraschung auf. Wayne Hynes wird zukünftig das Ruder in der Hand haben. Der ehemalige deutsche Nationalstürmer beendete im Frühjahr seine aktive Karriere beim Ligakonkurrenten aus Kassel.

Alles in allem scheint Beppo Schlickenrieder, in seiner Funktion als sportlicher Leiter, das Maximum aus dem reduzierten Etat herausgeholt zu haben. Die deutschen Topstürmer und ein Jason Miller früherer Tage könnten letztendlich das Zünglein an der Waage werden. Ob Wayne Hynes schon reif für einen Cheftrainerposten ist, bleibt zunächst abzuwarten. Ein Risiko ist zweifelsohne auch die mangelnde Routine und Europaerfahrung auf drei Kontingentstellen. Dafür spricht natürlich, dass alle Auslandsimporte sicherlich alles daran setzen werden, in Deutschland den Durchbruch zu schaffen. Etwas, was dem Regensburger Publikum nur Recht sein dürfte, zumal bedingungsloses Engagement und Siegeswille im vergangenen Jahr augenscheinlich zu kurz gekommen sind. Im Kampf um die Playoffplätze darf mit den Eisbären also durchaus gerechnet werden.

Von Michael Pohl