Regensburg: Das Aus sorgt für blankes Entsetzen

Regensburg: Eisbären scheitern an Rostislav HaasRegensburg: Eisbären scheitern an Rostislav Haas
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern gilt in Deutschland als Großstadt. Regensburg gehört zu dieser Kategorie, der kontinuierliche Aufbau einer Profimannschaft in den Massensportbereichen Fußball oder Eishockey scheint dagegen an diesem Standort nicht möglich zu sein.

Den größten Rückschlag seit vielen Jahren musste die Regensburger Sportszene am Dienstagnachmittag hinnehmen, als die Eisbären ihren Rückzug aus der zweiten Eishockey Bundesliga verkündeten.

Dabei schien der Jubel bei den Fans nach der Saison 2000/2001 mit dem Aufstieg in diese Klasse keine Grenzen mehr zu kennen. Es folgten zwei Spielzeiten, in denen die Eisbären eher in den unteren Regionen der 2. Bundesliga herumdümpelten und letztlich sogar als sportlicher Absteiger feststanden. Durch Umstände, die es wohl nur im Eishockeysport gibt, blieben die Eisbären der 2. Bundesliga aber dennoch erhalten und sollten in den nächsten Jahren die Euphorie der Fans auf den Höhepunkt treiben.

Trainer Erich Kühnhackl führte die Eisbären drei Mal in Folge in die Playoffs und auch Geschäftsführer Markus Schrör entwickelte sich zum Synonym für seriöses Arbeiten im kaufmännischen Bereich. Die Rufe nach einem Aufstieg in die DEL wurden immer lauter und vor der Saison 2006/2007 sollten die Verantwortlichen den wohl größten Fehler der Vereinsgeschichte begehen.

Es wurde eine absolute Spitzenmannschaft verpflichtet, wobei jedoch die Spielergehälter den planmäßigen Etat um mehrere Hunderttausend Euro überstiegen, was auf der gestrigen Pressekonferenz bekannt gegeben wurde. Blauäugig hoffte man darauf, diese Finanzlöcher durch weitere Sponsorenengagements während der Saison noch decken zu können, was allerdings niemals geschah.

Auch aus sportlicher Sicht erzielte dieses ominöse Jahr nicht den erhofften Erfolg. Mit viel Glück retteten sich die Regensburger auf den letzten Playoffplatz, strichen gegen die Kassel Huskies aber bereits im Viertelfinale die Segel.

Die Schulden, welche sich vor der Saison auf 225 000 Euro beliefen, stiegen nun auf knapp eine Million Euro an. Doch anstatt die Öffentlichkeit zu informieren, hüllten sich die Verantwortlichen in Schweigen und priesen weiterhin die heile Regensburger Eishockeywelt an. Zwar schien die Stimmung bei den Pressekonferenzen nicht mehr so gelöst zu sein, wie in den Jahren zuvor, das Ausmaß des Übels konnte jedoch nur mitnichten erahnt werden.

So richtig stutzig wurden die Fans, als im Laufe der aktuellen Saison Gerüchte über Rückstände bei Begleichung der Spielergehälter aufkamen. Diese wurden aber umgehend dementiert und blieben erstmal in der Versenkung verschwunden.

Nachdem einige Spieler dieses Thema kurze Zeit später öffentlich machten, reihte sich bei den Eisbären eine Hiobsbotschaft an die Nächste. Sogar die mögliche Einstellung des Spielbetriebs während der Saison stand plötzlich im Raum und Markus Schrör gab die Niederlegung seines Amtes zum 30.03.2008 bekannt.

Die Fans ahnten nun, dass bei den Eisbären wohl Einiges im Argen liegt, genauere Einzelheiten über die tatsächliche Höhe der Verschuldung wurden aber weiterhin nicht veröffentlicht. Erst bei der gestrigen Pressekonferenz legte der kurzfristig zur Finanzprüfung hinzugezogene Wirtschaftsanwalt Bernhard Schmeilzl die konkreten Zahlen auf den Tisch und gab in einem Atemzug die Einstellung des Spielbetriebs bekannt.

Unter den zum Narren gehaltenen Eisbärenfans schlug diese Nachricht wie eine Bombe ein und ligaweit sorgt diese Kunde für Fassungslosigkeit. So wird ein Verein, der nicht als Quereinsteiger in die Liga kam, sondern sich Stück für Stück nach oben arbeitete, von einer Sekunde auf die Andere wohl einfach in Luft aufgelöst.

Ex-Geschäftsführer Markus Schrör steht hierbei im Mittelpunkt der Kritik und wird sich in der Folgezeit vielen Fragen stellen müssen. Auch die Nachverpflichtung von Spielern in der laufenden Saison, als den Eisbären ohnehin das Wasser schon bis zum Hals stand, sorgt vielerorts für Unverständnis.

Das einzige Wunder, durch welches das Regensburger Profieishockey noch gerettet werden könnte, wäre die Aufbringung von knapp einer Million Euro, zur Begleichung der Altschulden. Dass dies in einem Zeitraum von wenigen Tagen nicht zu bewerkstelligen sein dürfte, müssen wohl auch die kühnsten Optimisten einsehen.

So bleibt den Eisbärenfans nur die Landesligamannschaft des EV Regensburg, was angesichts der sportlichen Vergangenheit nur ein schwacher Trost ist. Auch die DEL-taugliche Donau Arena wird somit zukünftig nur durch außersportliche Veranstaltungen vollständig ausgelastet sein.

Zurück bleibt letztlich die nüchterne Erkenntnis, dass dauerhafter, professioneller Eishockeysport in Regensburg scheinbar weiterhin ein hoffnungsloses und immer wieder zum Scheitern verurteiltes Unterfangen bleibt, obwohl der Publikumszuspruch Jahr für Jahr durchaus den Erwartungen einer Großstadt entsprach.

Von Michael Pohl