Quo vadis Wölfe Freiburg: Weiter Oberliga oder 2. Bundesliga?

Freiburger Rumpftruppe verliert 5:6 in HannoverFreiburger Rumpftruppe verliert 5:6 in Hannover
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Mit großen Erwartungen in Richtung 2. Bundesliga sind die Wölfe Freiburg in die Oberliga-Saison 20072008 gestartet. Trainer Sergej Svetlov konnte sich das Team zusammen stellen und einige der Neuzugänge wiesen sehr gute Statistiken vor. Doch das Statistiken nur ein Teil der Wahrheit im Eishockey sind, zeigte sich schnell. Besonders die Kontingentspieler blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Der Saisonstart misslang gründlich und nach einer peinlichen Heimniederlage gegen Bad Nauheim zogen die Wölfe Gesellschafter Ende Oktober die Notbremse und beurlaubten Trainer Svetlov. Eine Vertrauensbasis mit dem ehemaligen Weltklassestürmer war nach Bekunden der GmbH nicht mehr vorhanden.

Der Nachfolger war eine große Überraschung: Der 32-jährige EHC-Jugendtrainer Peter Salmik. Dem ehemaligen Freiburger Stürmer gelang es die Mannschaft zu stabilisieren. Ebenso war der Transfer des Tschechen Tomas Kucharcik zu den Wölfen ein Glücksgriff von Salmik. Der ehemalige Weltmeister avancierte schnell zur Schaltzentrale der Wölfe. Eine beeidruckende Siegesserie von zwölf Spielen in Folge folgte im November und Dezember. Aber für Salmik war klar, daß für die Playoffs gezielte Verstärkungen verpflichtet werden müssen. Und hier wagte Peter Salmik einiges mit der Verpflichtung von Roman Kadera und Adam Spylo. Beide waren seit zwei Jahren inaktiv und beide standen schon einmal in Freiburg unter Vertrag. Kadera hatte sich mit Ex-Trainer Peter Obresa überworfen und Adam Spylo hatte seine Nerven in der DEL Saison gegenüber dem damaligen Trainer Horst Valasek nicht im Griff. Mit dem selben Resultat: Vorzeitiges Vertragsende. Salmik gelang es jedoch sowohl den exzentrischen Puckzauberer Kadera als auch das Raubein Spylo in die Mannschaft zu integrieren. Auch Robert Hoffmann konnte als Neuzugang in der Abwehr durch seine physische Spielweise der Mannschaft weiterhelfen.

Das Team der Wölfe wurde zunehmend zu einer homogenen Einheit und konnte sich sogar noch den zweiten Tabellenplatz in der Hauptrunde der Südgruppe der Oberliga sichern. Dieser zweite Platz bescherte den Wölfen die Hannover Indians als Viertelfinalgegner. In der Best-of-seven Serie konnten die Wölfe zwar das erste Heimspiel gewinnen, aber dann folgten drei Niederlagen in Folge gegen das Team aus Niedersachsen und das vorzeitige Aus schien unabwendbar. Doch dem Team von Peter Salmik gelang die Wende und in einem an Spannung kaum zu überbietenden siebten Spiel der Einzug in das Halbfinale. Mit diesen Spielen ist auch das Eishockeyfieber nach Jahren der Abstinenz wieder nach Freiburg zurückgekehrt. Im siebten Spiel feuerten über 4000 Fans ihr Team an, soviel wie seit Jahren nicht mehr. Nach dieser harten und intensiven Serie war der Gegner der EC Bad Tölz - das mit Abstands stärkste Team dieser Oberliga Saison. Den Löwen aus dem Isarwinkel gelang gegen die chancenlosen Wölfe ein sogenannter Sweep – ein Erfolg in vier von sieben möglichen Spielen und damit der direkte Aufstieg.

Die erste Saison der Wölfe GmbH fand dennoch ein von vielen nicht erwartetes erfolgreiches Ende. Der direkte sportliche Aufstieg konnte erreicht werden, aber ein Wiedersehen mit den Tölzern in der 2. Bundesliga erscheint indes nicht unwahrscheinlich. Da die Freiburger als bester Halbfinalist als Nachrücker in die höhere ESBG Liga kommen könnten. Hierzu muss der Meister der 2. Bundesliga (Landshut oder Kassel) in die DEL aufgenommen werden. Oder eine weitere Mannschaft die Teilnahme an der 2. Bundesliga absagen. Nach den Insolvenzverfahren von Essen und Regensburg ist auch eine weitere Zweitligazugehörigkeit von Landsberg fraglich. Landsberg konnte die vergangene Saison nur mit größter Mühe wirtschaftlich überstehen und musste zeitweise sogar auf Freiburgs Ersatztorwart Dirksen zurück greifen.

Nun ruhen die Freiburger Hoffnungen nicht mehr auf dem Eis, sondern am grünen Tisch. Und Kenner der schnellsten Mannschaftsportart der Welt in Deutschland wissen, dass im deutschen Eishockey fast nichts unmöglich ist. Die Chancen für die Freiburger stehen zumindest gut und die Wölfe wollen auch ihren Fans nicht ein weiteres Jahr zumuten. Dessen ungeachtet planen die Wölfe im Moment personell zweigleisig für die kommende Saison. Mit Trainer Peter Salmik, Roman Kadera, Tomas Kucharcik und Manuel Neumann wurden die Verträge bereits ligenunabhängig verlängert. Mit weiteren Spielern laufen derzeit Verhandlungen. (Dirk Metzeler)