Quo vadis, Jordan Parise?(Ex-) Eislöwen-Torwart

Späte Tore erfreuen den TabellenführerSpäte Tore erfreuen den Tabellenführer
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Parise startete sofort mit einhundert Prozent, war seinem Team ein starker Rückhalt und eroberte mit seinen Paraden auch die Fans. Sein Vertrag endet jedoch am 20. dieses Monats und der Goalie wird sich, so sich kein anderer Verein für ihn findet, wieder ins Flugzeug nach Hause setzen. Das wiederum ist für ihn kein Problem: „Ich wusste von vorne herein, dass meine Zeit hier begrenzt ist“, so Parise. „So ist das Geschäft.“ Und das kennt er von Kindesbeinen an.

Es war einmal…

Mit leuchtenden Augen und Schlittschuhen an den Füßen steht ein Steppke – gerade einmal zwei Jahre alt – an der Bande des Met Centers (Minnesota). Sein Papa trainiert gerade das Team der North Stars, doch gleich darf er zum ersten Mal selbst aufs Eis. Die Rede ist vom kleinen Jordan Parise, Sohn der 69-jährigen NHL-Legende J.P. Parise (976 NHL-Spiele, 652 Punkte) und Bruder des Kapitäns der New Jersey Devils, Zach Parise (27). „Ich bin froh, dass mich mein Vater so früh auf die Eisfläche zerrte. Er nahm mich so oft es ging mit in die Halle“, erzählt der 29-jährige US-Amerikaner. Dass es gerade Eishockey sein sollte, war allerdings trotz der Karriere des Vaters nicht geplant: „Wir hatten als Jungs die Möglichkeit, jeden Sport auszuprobieren – Fußball, Baseball, nur American Football hat uns Vater verboten. Er hatte Angst, wir könnten uns dabei verletzen.“ Doch letztendlich war es die Faszination Eishockey, der sich auch die Söhne nicht entziehen konnten.

Familie Parise – auf und neben dem Eis

Während Vater J.P. und Zach als Stürmer über das Eis flitz(t)en, hütet Jordan das Tor: „Es war eine Fehlentscheidung, die ich mit sieben Jahren traf. Ich habe damals „ja“ gesagt und damit muss ich jetzt leben“, gesteht der Metal-Fan, der privat gerne Gitarre spielt, lächelnd und verzweifelt zugleich. Doch so hatten er und Zach natürlich auch die Möglichkeit, ohne jeglichen Konkurrenzgedanken zusammen zu trainieren. Überhaupt sei das Verhältnis der Geschwister sehr gut. Nicht nur der Sport, sondern auch der gemeinsame Freundeskreis verbindet die beiden. Und so gönnt Jordan seinem zwei Jahre jüngeren Bruder, mit dem er alle paar Tage telefoniert, auch seinen Erfolg: „Zach hat wirklich sehr hart gearbeitet und absolut verdient, was er erreicht hat. Von daher bin ich auch überhaupt nicht neidisch. Er ist ein wesentlich besserer Stürmer als ich, dafür bin ich besser im Tor“, erklärt der Ältere mit einem Augenzwinkern. Nur die Spiele der Devils kann er leider nicht verfolgen: „Wenn ich hier in Europa bin, ist es zeitlich nicht wirklich möglich. Ich lese aber nach dem Aufstehen die Spielberichte und wie Zach gespielt hat“.

Es gab auch eine Zeit, in der die Eishockey-Brüder zusammen in einem Team auf dem Eis standen. Dabei ist es neben der gemeinsamen High-School- und College-Zeit vor allem ein Ereignis, an das Jordan Parise gerne zurückdenkt: „Es war während meiner zwei Jahre in New Jersey. Wir hatten ein Schaulaufen im New Yorker Madison Square Garden, dem besten Ort, an dem man spielen kann. Das war einfach nur cool“, schwärmt der Goalie.

Auch wenn er über seinen Vater spricht, wirkt er sichtlich gerührt: „Ich habe alles von ihm gelernt und er ist alles für mich: Sport, Geschäft, Familie. Auf dem Eis war er ein Kämpfer, aber privat ist er der gelassenste Mensch, den ich kenne“. Doch heute wird nur noch über Eishockey gesprochen, wenn Jordan es auch möchte: „Wir hatten als Kinder – ich war sieben, Zach fünf – ein Spiel vergeigt. Danach war unser Vater so sauer, dass er sagte: Von nun an müsst ihr euren eigenen Weg gehen“ – ein Weg, der Jordan nach Stationen in den Staaten (ECHL, AHL), Österreich und Norwegen nun nach Deutschland führte.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein

Aber die NHL blieb bis heute ein Lebenstraum von „Chicken Parm“ – den Spitznamen erhielt er von seinen ehemaligen Teamkollegen, da er das Huhn-Käse-Gericht immer vor den Spielen gegessen hatte: „Es ist für einen Torhüter unglaublich schwierig, in der NHL Fuß zu fassen. Es gibt einfach zu viele gute Goalies und viele hätten es verdient, dort zu spielen. Du musst einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dazu noch die richtigen Leute kennen“, bedauert Jordan. Dennoch sieht er Europa nicht als Rückschritt: „Wenn du in einer guten Liga spielst, hat Europa viele Vorteile. Vor allem kannst du dich hier in Ruhe verbessern“ – verbessern, um den Sprung in die beste Liga der Welt doch noch zu schaffen? „Tim Thomas von den Boston Bruins hat ein paar Jahre in Schweden und Finnland gespielt. Jetzt hält er den Stanley Cup in den Händen. Ich hoffe, dass ich eines Tages auch noch so eine Chance erhalte“, wünscht sich Parise. Die unteren Ligen Amerikas oder Farmteams machen für ihn aufgrund seines „fortgeschrittenen“ Alters sowohl sportlich wie auch finanziell jedenfalls keinen Sinn mehr.

„Die Stimmung hier macht einfach nur Spaß“

Auch seine Zeit in Deutschland ist in wenigen Tagen zunächst vorüber. In der kurzen Zeit hier hat es Parise geschafft, zum besten Torhüter der 2. Bundesliga zu avancieren. Macht ihn das stolz? „Oh ja“, sagt er und freut sich dabei wie ein kleiner Junge. „Das Gefühl ist schon toll, allerdings zeugt das auch von der guten Arbeit meiner Vorderleute. Wichtig ist, dass wir gewinnen.“ Seine Zeit in Dresden hat ihm gefallen. „Wir sind ein starkes Team, es dürfen nur nicht viele verletzt sein“, meint er. Es ist ein toller Ort zum Eishockeyspielen.“ Bei den Eislöwen hat alles sofort gepasst, der Empfang war herzlich und das hat es ihm leicht gemacht, sich ausschließlich auf sein Spiel zu konzentrieren. Das erste Spiel war ein Derby und das empfand er als besonders aufregend. Vor allem die Fans hier findet er unbeschreiblich: „Sie singen, tanzen und feiern, egal, wie es steht. In Amerika sind die Fans kritischer. Die Stimmung hier macht einfach nur Spaß.“ Für ihn selber heißt es jetzt erst einmal wieder abwarten. Abwarten, dass vielleicht ein Angebot kommt und das kommt im Moment wahrscheinlich nur, dass weiß er selber, wenn sich ein anderer verletzt oder keine Leistung bringt. Aber er hat die Hoffnung, dass er sich durch seinen Einsatz hier wieder ins Gespräch gebracht und für andere vieleicht wieder interessant gemacht hat.

Zum Zeitpunkt des Interviews hatte Jordan Parise kein Angebot vorliegen. Auch das Gerücht, er würde nach Schwenningen wechseln, hat sich mit der Verpflichtung der Wild Wings von Mathias Lange wohl zerschlagen. So ist erst einmal wieder alles offen. Wohin der Weg nun auch immer gehen mag: Gute Reise, Jordan, und viel Glück.


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