Peter Draisaitl bleibt Dompteur der «Pinguine»

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Eigentlich war es nur ein formaler Akt, als der Trainer der REV Bremerhaven Spielbetriebsgesellschaft mbH, Peter Draisaitl, am

gestrigen  Nachmittag seine Unterschrift unter einen neuen Einjahreskontrakt mit Option für eine weitere Saison beim Oberligameister und Aufsteiger in die 2. Eishockey Bundesliga unterschrieb. Wo anders, als im Schaufenster Fischereihafen, dem Vorzeigeobjekt der Stadt Bremerhaven hätte der Vorzeigetrainer des Bremerhavener Sports sein „Jawort“ geben sollen. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass Geschäftsführer Hans-Werner Busch nach Vertragsunterzeichnung auf der „Line Hinsch“ höchst zufrieden seinen weiteren Tagesgeschäften nachgehen konnte. Busch gegenüber der anwesenden Presse: „Natürlich waren wir uns schon lange einig. Dennoch freue ich mich, dass ich Peters Jawort nun auch schriftlich und damit

unwiderruflich fixiert mit auf die Geschäftsstelle nehmen kann.“ Zufrieden zeigte sich natürlich auch Trainer Peter Draisaitl: „Hier in Bremerhaven habe ich genau das Umfeld gefunden, mit dem ich glaube, meine Eishockey-Philosophie umsetzen zu können. Wenn wir weiter so konsequent und geschlossen unsere Marschrichtung verfolgen, dann werden wir mit der REV Bremerhaven Spielbetriebsgesellschaft noch sehr viele sportliche Erfolge feiern können, wobei ich aber ausdrücklich darauf hinweisen möchte, dass Erfolg auch ein Ergebnis von Geduld ist, die man im Eishockey immer aufbringen muss.“


Totaler Umbruch

Draisaitl der von offizieller Seite alle Befugnisse im sportlichen Bereich besitzt, wird in der neuen Spielzeit mit einer, wie zu hören war, erstaunlich jungen Mannschaft an den Start gehen. „Ich trage die alleinige sportliche Verantwortung und werde daher die Mannschaft auch nach meinen sportlichen

Vorstellungen zusammenstellen,“ begründet der Ex Nationalspieler den totalen Umbruch im Kader des diesjährigen Oberliga Meisters. So werden Marc Pethke, Marco Ahrens, Christian Witthohn, Oliver Freymark, Daniel Sevo, Jarkko Varvio, Alan Reader, Brent Fritz, Tobias Schwab, Stephan Kraft, Patryk Pysz, David Del Monte und Dennis Lütjen in der neuen Spielzeit nicht mehr im Dress der „Pinguine“ auflaufen. Draisaitl weiter: „Die Verhandlungen mit allen Spielern sind noch nicht final abgeschlossen, aber spätestens Ende nächster Woche werden wir endgültige Klarheit haben.“ Mit Sicherheit hätte man auf Seiten der REV Bremerhaven Spielbetriebsgesellschaft den einen oder anderen namen auch in der neuen Spielzeit im Kader gesehen, doch finanziell muss sich auch der Coach des REV an die engen Vorgaben halten. Draisaitl: „Wenn jemand in der Oberliga mehr verdienen kann, dann kann man es ihm nicht verdenken, wenn er wechselt. Ich verspreche aber, dass wir alle Abgänge adäquat ersetzen werden.“


Peter Draisaitl – Glücksfall für das Bremerhavener Eishockey

Peter Draisaitl wurde am 7. Dezember 1965 in Karvina/Tschechien geboren. Im Alter von 14 Jahren kam er nach Peine/Niedersachsen, von wo aus er ein Jahr später nach Mannheim ging. Dort wurde Draisaitl Profi und zugleich auch Inbegriff der unglücklichen Mannheimer Bemühungen in den 90er Jahren. Im Mannheimer Friedrichspark spielte er zunächst bei den Junioren und wurde bald darauf in den Kader der 1. Mannschaft integriert. Er galt immer als das große Talent und die Hoffnung des Mannheimer Eishockeys. Anfang der 90er hatte er eine Klasse erreicht, die Ihn für die damals „großen“ Vereine interessant machte und er wechselte nach Köln. Dort spielte er zwei sehr starke Jahre und stellte persönliche Scorerrekorde auf. In den Spielzeiten 90/91 und 91/92 trug er 92 mal das Trikot der Haie, erzielte 59 Tore, 73 Assists und erreichte insgesamt die stolze Zahl von 132 Scorerpunkten. In der Spielzeit 92/93 konnten die Mannheimer unter größten Anstrengungen ihren Liebling zurück in den Friedrichspark holen. Hier war er nun nicht mehr ein Superstar unter vielen, sondern die gesamte Last der Verantwortung lag auf seinen Schultern. Nach insgesamt 9 Spielzeiten für die „Adler“ ( 358 Spiele, 135 Tore, 182 Assists, 317 Punkten) kehrte er Mannheim zu Beginn der Spielzeit 94/95 erneut den Rücken, um zurück an die Kölner Lentstraße zu wechseln. Während seiner zweiten Egide in Köln durfte er auch seinen sportlichen Höhepunkt feiern, als er 1995 mit den Haien Deutscher Meister wurde. Bevor er 98/99 nach Essen wechselte, hatte er für den KEC in 214 Spielen erneut 105 Tore geschossen, 143 Assists gegeben und damit die unglaubliche Zahl von 248 Scorerpunkten erreicht. Erfolge, die ihm in seinen letzten sportlich aktiven Jahren in Essen und Oberhausen nicht mehr vergönnt waren, da auch die Leistungsfähigkeit der dort auf dem Eis stehenden Kader nicht mit denen in Köln und Mannheim zu vergleichen waren. Trotzdem galt Draisaitl auch in Essen und Oberhausen zu den absoluten Leistungsträgern und zu den Sportlern, die sich des Respekts der Fans und Verantwortlichen sicher sein konnten.


Bei einem Blick auf die sportliche Karriere des Peter Draisaitl dürfen aber unter keinen Umständen auch dessen Verdienste für die Nationalmannschaft zu kurz kommen. Jeder Eishockey Fan hat die Reportagen des bekannten Eishockeyfachmanns Eddi Körper noch im Ohr: „Draisaitl marschiert, Draisaitl führt die Scheibe, Lupzig schießt, - Tor, Tor, Toooor!“ Der Torjäger absolvierte rund 150 Länderspiele, nahm drei Mal an den Olympischen Spielen teil (Nagano 98, Albertvill 92, Clagary 88) und trug bei Weltmeisterschaften sieben Mal das Trikot mit dem Bundesadler. In Erinnerung wird er sicher durch den vergebenen Penalty bei den Olympischen Spielen 92 in Albertville bleiben. Die Scheibe blieb auf der Torlinie liegen und Deutschland schied gegen Kanada aus. Zu unrecht trug er die Last dieses völlig normalen Missgeschicks mit sich herum. Eine innere Erleichterung wurde ihm dann aber 1999 zu teil. Im entscheidenden Spiel um die Deutsche Zweitliga Meisterschaft verwandelte er den Penalty für Essen, welcher den damaligen Aufstieg der Moskitos bedeutete. 


„Peter Draisaitl ist Kult“, befand Helmut Guth, ehemaliger Geschäftsführer der Revierlöwen Oberhausen und beförderte Draisaitl im März 2001 über Nacht ins Traineramt der Revierlöwen. „Der Einstand war damals alles andere als optimal,“ erinnert sich Draisaitl heute, als er nach der 2:4 Niederlage im ersten Play Off Spiel gegen den späteren Meister, die Münchner Barons das Amt von Gunnar Leidborg übernehmen musste. Auch zu Beginn der Saison 2001/2002 stand Draisaitl im Oberhausener Centro hinter der Bande, musste aber nach wenigen Monaten die Erfahrung machen, dass das Amt eines Trainers aber oft dem Ritt auf der bekannten Rasierklinge sehr nahe kommt. Zu Beginn dieser Spielzeit war sich Draisaitl bereits mit den ehemaligen Capitals und heutigen Preußen Berlin einig uns sollte den Klub in der 2. Bundesliga zu neuen Meriten führen. Zusammen mit seinem „Wunsch Assi“ Andreas Brockmann konnte er dieses Ziel jedoch nicht realisieren, da die Berliner aufgrund finanzieller Probleme kurz vor Saisonbeginn ihre Nominierung zurückzogen. Als Kuriosität am Rande darf hier gelten, dass Draisaitl sowohl in Oberhausen als auch in Berlin als direkter Nachfolger von Gunnar Leidborg, den er übrigens sehr schätzt, vorgesehen war. Nach seiner ersten „kompletten“ Saison in Bremerhaven, Draisaitl war zum Ende der letzten Spielzeit bereits an die Unterweser gewechselt, konnte damals aber den Abstieg ebenfalls nicht mehr verhindern, ist man sich in der Bremerhavener Klußmannstraße einig, mit ihm den idealen Partner verpflichtet zu haben. Kompetent, fleißig und vor allen Dingen immer ehrlich geht er seinem Traineramt nach und durfte in dieser Saison erstmals die Lorbeeren für seine Arbeit ernten. Dennoch bleibt man in Bremerhaven bescheiden. Hans Werner Busch: „Für uns zählt in der neuen Saison nur der Klassenerhalt!“ Ein Ziel das für Coach Draisaitl keine große Hürde darstellen sollte.