„Neuanfang mit dem Stammverein! – Jetzt!“Zur Lage in Landshut

Die EVL- Fans standen immer hinter ihrer Mannschaft. - Foto: Imago/EibnerDie EVL- Fans standen immer hinter ihrer Mannschaft. - Foto: Imago/Eibner
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Der Schock saß sowohl in der Dreihelmenstadt als auch in ganz Eishockey-Deutschland tief: Dem EVL Landshut Eishockey wurde die Lizenz und damit die Spielberechtigung in der kommenden DEL2-Saison verwehrt. Der primäre Frust der EVL-Fans richtet sich gegen die eigene Geschäftsführung. Bei einem Protestmarsch zum Stadion am Gutenbergweg war auf einem Plakat zu lesen: "Seit Mitte Mai habt ihr es verschwiegen - Lügen, dass sich die Balken biegen.", genauso wie: „Neuanfang mit dem Stammverein! – JETZT!“ Gesehen oder gehört wurde man von den Verantwortlichen eher nicht. Weder Alleineigentümer Rainer Beck noch Geschäftsführer Christian Donbeck waren zugegen und stellten sich den Fragen der Landshuter Fans. Gab Donbeck noch im April freudig bekannt, dass man in den letzten zwei Jahren so weit gekommen wäre, ohne Finanzspritzen von Gesellschaftern auszukommen, folgte knapp vier Monate später dann das Aus in Form des Lizenzentzugs.

Geschockt sind die Fans des EV Landshut gewiss, aber nicht alle sind überrascht. Manch einer hat wohl schon in der Vergangenheit nach der Veröffentlichung der Zahlen des Geschäftsjahres 2013/14 im Bundesanzeiger Bedenken geäußert und Spielerverpflichtungen, Ablösezahlungen und Vertragslaufzeiten kritisch hinterfragt. 454.000 Euro Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr, dazu ein (verzinstes) Gesellschafterdarlehen über rund 787.000 Euro stehen im Bundesanzeiger zu Buche, auf der anderen Seite lediglich Forderungen und Guthaben von knapp 260.000 Euro. Bereits damals war die Erteilung der Lizenz mit Auflagen verbunden. Diese als Mahnung zu sehen und als Chance zu begreifen, waren die Verantwortlichen nicht bereit. Nun allerdings ist es zu spät. Fans, Sponsoren und Gönner fühlen sich verschaukelt und hinters Licht geführt. Den von Donbeck avisierten 1,6 Millionen Euro Sponsoreneinnahmen stehen hohe Verbindlichkeiten und der Lizenzentzug gegenüber. Kritik an der Handlungsweise der Geschäftsführung wird laut: „Hätten die Verantwortlichen doch nur was gesagt, dann hätten wir helfen können!“, hört man beispielsweise von der Sponsorenfront.

Zwischenzeitlich  hatte Allein-Gesellschafter Rainer Beck zwar eine Patronatserklärung abgegeben, was die Lizenz vielleicht doch noch in den Bereich des Möglichen rückte. DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch machte jedoch beizeiten deutlich, dass dies nur Wunschdenken sein, da sämtliche Fristen verstrichen waren. Eine Haltung, die wir übrigens richtungsweisend für künftige Lizenzierungsverfahren ansehen und unseren Respekt verdient.  Alle Vereine haben sich an Abgabefristen gehalten und Unterlagen eingereicht, die für eine Lizenz notwendig sind. Einzig der EV Landshut benötigte im abgeschlossenen Verfahren eine Nachfrist, erst dann gab es die benötigten Sicherheiten seitens Becks. Warum gab der Gesellschafter erst dann eine Patronatserklärung ab, als das Kind schon im Brunnen lag? Gravierend müssen die Mängel gewesen sein. Im einheitlichen Lizenzierungsverfahren der DEL und DEL2 wurden und werden oftmals Lizenzen mit Auflagen erteilt. So musste beispielsweise die Krefeld Pinguine vor einigen Jahren regelmäßig die Einhaltung des Budgets der Liga nachweisen. Auch in der DEL2 stehen beispielweise die Dresdner Eislöwen besonders unter Beobachtung. Dass selbst diese Möglichkeit beim EVL Landshut keine Anwendung fand, lässt nur einen Schluss zu: Dass aktuell gewiss mehr als ein kleiner Betrag zur Liquidität fehlt und dass die Probleme der Landshuter größer sind, als angenommen und zugegeben. Bezeichnend auch, dass der neuverpflichtete Stürmer Cory Quirk seinen Verein SonderjyskeE schweren Herzens verließ, aber das Angebot der Landshuter war in finanzieller Hinsicht nicht zu toppen. Nun wird er wohl nach Dänemark zurückkehren…Nur, mit Verlaub, wie soll man dann das Verhalten der Geschäftsführung beschreiben: als naiv, unseriös oder dreist? Wenn, wie kolportiert, die Lage seit Mitte Mai bekannt war: Wie konnte man tatsächlich davon ausgehen, die Spielberechtigung zu erhalten? Wie konnte man 600 Dauerkarten verkaufen, deren Preis für nahezu jeden Anhänger eine nicht unbeträchtliche Summe darstellt? Wie konnte man Vorbereitungsspiele terminieren, wenn man diese nicht durchführen kann und die vertraglich gebundenen Gegner auf dem Trockenen sitzen lässt?

Leidtragende sind in erster Linie die Fans, die ihr Team ständig unterstützt haben und nicht umsonst oft als „Sponsor Nummer Eins“ bezeichnet werden. Die Nachwuchsarbeit des EVL hat lange Tradition und ist eine der besten im Land. Um nur zwei Namen zu nennen: Tobias Rieder fasst gerade in der NHL Fuß, auch der aktuelle Bundestrainer Marco Sturm entstammt der Talenteschmiede der Niederbayern. Diese Arbeit ist laut EVL-Vorstand Helmut Barnerssoi finanziell gesichert. Als eine von vier Mannschaften ist der EV Landshut bereits seit 2000 mit einer Nachwuchsmannschaft in der DNL vertreten und wird dies wohl auch weiterhin sein. Was aber wird mit den Spielern, die gerade dem DNL-Alter entwachsen und in der ersten Mannschaft erste Erfahrungen im Profibereich machen sollten?

Wie enttäuscht müssen sich die vertraglich gebundenen Spieler des EVL Landshut fühlen, die zum Teil ihr Leben mit ihren Familien schon in Landshut eingerichtet haben? Vom Arbeitgeber nicht nur hintergangen, sondern auch noch im Stich gelassen, gehen die meisten nun auf eigene Faust auf die Suche nach einem neuen Verein. Allerdings haben sie bislang keine Freigabe bekommen. Mit der Lizenz scheint der Geschäftsführung auch der Anstand gegenüber ihren Arbeitnehmern verloren gegangen zu sein.

Wie geht es nun in mit dem Eishockey in Landshut weiter? Zwar hatte Geschäftsführer Donbeck angegeben, alle rechtlichen Schritte bis zum letzten auszuschöpfen, aber die Erfolgschancen für einen Verbleib in der DEL2 sind sehr gering. Die nächste zuständige Instanz, das DEB-Schiedsgericht, beurteilt ohnehin die Situation, wie sie zum Zeitpunkt der Lizenzsierung war. Hier hat sich an den Fakten nichts geändert. Ob, wie und vor allen Dingen wann zivile Gerichte zu einer Entscheidung kommen würden, ist vollkommen offen.

Am wahrscheinlichsten sieht derzeit ein Start in der Oberliga Süd aus. Aus dieser Liga hatten sich die Heilbronner Falken und der EV Regensburg als Nachrücker in die DEL2 beworben und auch die erforderlichen Unterlagen abgegeben. Regensburg hat die Bewerbung jedoch wieder zurück gezogen. Ein Startplatz wäre also frei, sollte Heilbronn die Spielberechtigung für die zweite Liga erhalten. Eine Übernahme der ersten Mannschaft durch den Stammverein scheint möglich, EVL-Präsident Helmut Barnerssoi zeigte sich grundsätzlich bereit dazu. Dies sagte er im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung des Bau- und Sportsenats gegenüber einer lokalen Zeitung. Dass von den Verantwortlichen der LES GmbH bei dieser Sitzung niemand zugegen war und Interesse zeigte, bezeichnete Barnerssoi jedoch als „äußert kontraproduktiv“. Auch von Seiten der Ligaleitung wurde Bereitschaft signalisiert, dem Unterfangen, der Nachweis aller erforderlichen Auf- und Unterlagen vorausgesetzt, nicht ablehnend gegenüber zu stehen.

Ob Heilbronn in der kommenden Saison in der DEL2 an den Start gehen wird, wird sich zeitnah entscheiden. Sicher hätte auch OL-Vizemeister Füchse Duisburg diesen Schritt gern gewagt, allerdings ist es für einen Oberligisten nahezu unmöglich, den Etat innerhalb kürzester Zeit um fünf- bis siebenhunderttausend Euro aufzustocken. Das hat man nun auch in Regensburg eingesehen. Die Heilbronner Falken hatten da wohl einen leichten Vorteil: Wie auf stimme.de zu lesen war, hatten die überwiegende Zahl der Sponsoren ihr Engagement nicht kurzfristig erhöhen müssen, da es trotz des Abstiegs nicht gekürzt wurde. Da bleibt nur zu sagen: Hier hat der Geschäftsführer seine Hausaufgaben gemacht. Respekt, Herr Eren!

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