"Mit Glück gewonnen"Heilbronner Falken

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Nach einer ausgeglichen Anfangsphase, in der beide Teams zu Chancen kamen, kam es zu einer viel diskutierten Szene. Der Kaufbeurer Florian Thomas versuchte sich in einem Alleingang, wurde aber von Falken-Verteidiger Louis Heinis gestoppt. Heinis, Thomas und ein weiterer Falken-Spieler kollidierten und Thomas blieb benommen und blutend auf dem Eis liegen. Nach dem Spiel stellte sich heraus, dass er sich in dieser Situation eine Gehirnerschütterung, einen Nasenbeinbruch und mehrere Wunden im Gesicht zuzog. Er wurde noch in der Halle genäht. Der französische Gastschiedsrichter entschied auf Matchstrafe gegen Louis Heinis. Igor Pavlov sagte nach dem Spiel: „Es war kein Check gegen den Kopf. Louis wurde zu Unrecht bestraft.“ Uli Egen, Trainer des ESVK, sah dies anders: „Ohne Sichtung des Videos war es für mich ein Check gegen den Kopf. Florian Thomas wurde an drei Stellen genäht, hat eine schwere Gehirnerschütterung und einen Nasenbeinbruch. Der verletzt sich ja nicht von alleine.“ Es bleibt abzuwarten, wie das Schiedsgericht nach Sichtung aller Videosequenzen entscheiden wird. Eine längere Sperre ist ebenso möglich wie ein Freispruch. Auch über die weitere Leistung des Schiedsrichters waren beide Trainer uneins. Während Pavlov die Schiedsrichterleistung mit „OK“ umschrieb, fand Egen andere, deutliche Worte: „Er war mit unserem Niveau völlig überfordert!“ Auf den Zuschauerrängen waren die Meinungen ebenso geteilt. Manch einer quittierte die Leistung mit Pfiffen, während andere nichts Kritikwürdiges an der Leistung des Unparteiischen sahen.

Sportlich war diese Partie ausgeglichen. Unterstützt durch einige individuelle Fehler auf beiden Seiten konnten sich die Teams Chancen erarbeiten. Philip Lehr im Kasten der Heilbronner konnte sich ebenso auszeichnen wie der Straubinger Förderlizenzspieler Dustin Strahlmeier im Tor der Gäste. Die fünf-minütige Überzahl aufgrund der Strafe gegen Louis Heinis konnten die Allgäuer nicht zu einem Treffer nutzen. Philip Lehr und seine vier verbliebenen Vorderleute entschärften sämtliche Schüsse. Durch einen Treffer von Marcel Kurth in der 16. Minute gingen die Falken jedoch mit einer 1:0 Führung in die erste Pause.

Die erste Überzahlsituation im zweiten Drittel nutzen die Gäste durch den stark spielenden Stefan Loibl zum 1:1-Ausgleich (23.). Als wenig später Max Schmidle auf Seiten der Gäste in die Kühlbox musste, konnten die Falken die neuerliche Führung erzielen. Nach schönem Zuspiel von Marcel Kurth traf der völlig alleingelassene Fabian Krull zum 2:1 (26.). „Bitte nicht wieder direkt den Ausgleich kassieren“, war der Wunsch eines Falken-Fans auf der Tribüne. Daniel Pfaffengut schien dies gehört zu haben, schoss er doch bereits 59 Sekunden später das 2:2. Noch vor der zweiten Pause war es erneut Stefan Loibl, der die erstmalige Führung für die Kaufbeurer erzielte. Nachdem die Heilbronner-Abwehr die Scheibe nicht klären konnte, bekam Loibl den Puck und knallte ihn platziert zum 3:2 für sein Team ins Tor.

„Wir wollten etwas ändern. Wir waren in Rückstand und wir wollten mehr Tempo ins Spiel bringen“, so Igor Pavlov zu seiner veränderten Reihenzusammenstellung im letzten Drittel. Saeftel, Kirchner, Krüger und Palausch erhielten keine Eiszeit mehr. Maginot rückte zu den Janzen-Brüdern, Blank zu Kurth und Ackermann, Cameron zu seinen Landsleuten O´Donnell und Toulmin. Zwar dauerte es bis zum ersten Treffer im Schlussabschnitt, doch die Änderungen der Falken waren von Erfolg gekrönt und die Unterländer konnten nach turbulenten acht Schlussminuten den Sieg einfahren. Mit drei Strafen gegen Kaufbeuren, allesamt in der 52. Spielminute verhängt, kamen die Falken wieder ins Spiel. Binnen 54 Sekunden machten sie durch Tore von Dustin Cameron (53.) und Marcel Kurth (54.) aus dem 2:3 ein 4:3. Eigentlich hatten die Falken sogar noch einen weiteren Treffer durch Dustin Cameron erzielt, doch aufgrund eines vorangegangenen Stockschlags durch Grant Toulmin fand dieser keine Anerkennung. Nach Ablauf der drei Strafen gegen Pfaffengut, Snetsinger und Waddell fanden sich die Gäste in Überzahl wieder und konnten durch Brad Snetsinger den 4:4 Ausgleich in der 55. Minute erzielen. Beide Teams und auch die Zuschauer stellten sich bereits auf die Overtime ein, als Conor O`Donnell doch noch den Siegtreffer erzielte. Den ersten Schuss von Grant Toulmin konnte Dustin Strahlmeier noch abwehren, doch irgendwie gelangte der Puck zu O`Donnell und der traf 32 Sekunden vor dem Ende zum 5:4 Endstand. Die Allgäuer gaben sich nicht auf und kamen in den letzten Sekunden noch zu einer guten Einschußmöglichkeit, doch der Puck ging knapp vorbei.

Stimmen zum Spiel:

Uli Egen / Trainer des ESV Kaufbeuren: „ Es war eine bittere Niederlage für uns, ich kann der Mannschaft absolut keinen Vorwurf machen. Aufgrund der Verletzung von Florian Thomas musste ich noch vor der zehnten Minute umstellen und einen Verteidiger in den Sturm ziehen. Am Ende des Spiels hatten wir kein Glück. Wir hätten mit einem Punkt zufrieden sein können. Wir sind aktuell personell sehr dezimiert. Ich hoffe, dass uns nach der Deutschland-Cup-Pause zwei bis drei Spieler wieder zur Verfügung stehen werden. Meine Jungs sind fit, aber man braucht in unserer Liga vier Sturmreihen und sechs bis acht Verteidiger. Dadurch, dass wir oft unter Druck stehen, können wir nur reagieren und nicht agieren. Dustin Strahlmeier hat uns heute im Spiel gehalten und ein gutes Spiel gemacht. Mit ihm bin ich zufrieden, mit den dummen Strafzeiten nicht.“

Igor Pavlov / Trainer Heilbronner Falken: „Das war ein wichtiger Sieg für uns. Wir haben uns die drei Punkte mit Glück erkämpft. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Powerplay-Tore gemacht. Die Undiszipliniertheit des Gegners hat uns geholfen. Wenn man in der Tabelle ganz unten steht hat man eine große Last auf dem Team und dazu natürlich wenig Selbstvertrauen. Das heutige Spiel ist schwer zu analysieren und schwer zu erklären, aber wir haben bis zum Schluss gekämpft. Zum Schluss standen fünf Leute im Slot und haben die Führung verteidigt. Ich denke wir kommen durch diesen Sieg nun auf die sonnige Seite.“

Tobias Schmitz / Heilbronner Falken: „Ich freue mich immer, wenn ich gewinne. Sicherlich war es heute der erste Sieg mit den Heilbronner Falken, aber bald steht das nächste Spiel an. Ich gehöre zu den Jungadlern, aber immer wenn Herr Pavlov sagt, dass ich spielen soll und darf, gebe ich mein bestes für die Falken.“

Statistik:

1:0         16.          Marcel Kurth (Alexander Ackermann, Dustin Cameron)

1:1         23.          Stefan Loibl (Rob Kwiet, Brad Snetsinger) PP

2:1         26.          Fabian Krull (Dustin Cameron, Marcel Kurth) PP

2:2         27.          Daniel Pfaffengut (Jonas Lautenbacher, Maximilian Hadraschek)

2:3         34.          Stefan Loibl (Brad Snetsinger, Martin Heider)

3:3         53.          Dustin Cameron (T. J. Fast, Grant Toulmin) PP-2

4:3         54.          Marcel Kurth (Alexander Ackermann, T. J. Fast)

4:4         55.          Brad Snetsinger (Rob Kwiet, Daniel Menge) PP

5:4         60.          Conor O´Donnell (Dustin Cameron, Fabian Krull)

Strafen:              Heilbronn: 33 Minuten

                            Kaufbeuren: 14 Minuten

Zuschauer:         1.425


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