Löwen Frankfurt beenden unwegsame SaisonÜber Berg und Tal zum möglichst bitteren Ende

Unter Franz Fritzmeier lief es bei den Löwen Frankfurt besser. (Foto: dpa/picture alliance)Unter Franz Fritzmeier lief es bei den Löwen Frankfurt besser. (Foto: dpa/picture alliance)
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Das 2:3 durch Bietigheims Justin Kelly war ein Sinnbild der Löwen-Saison: viel Aufwand für wenig Ertrag. Die abgezocktere Mannschaft schickt die weniger abgezockte Mannschaft in den Sommer. Viele Umschreibungen ließen sich nun hier suchen, die sowohl auf das letzte Spiel der Saison als auch auf die gesamte Saison der Löwen Frankfurt zutreffen würden. Die Diskrepanz des Schussverhältnisses 13:4 für die heimischen Löwen und das nüchterne Ergebnis im Schlussdrittel – nämlich 0:1 und damit gleichbedeutend mit dem Seriensieg der Bietigheimer – spricht dabei Bände.

Wie es in der schnellen Mannschaftssportart Eishockey jedoch üblich ist, folgt die rasche Aufarbeitung der Saison, noch während das Eis in den Hallen abgetaut wird. Direkt nach Spielende und dem folgenden Finaleinzug der Steelers, die indes auf den ebenfalls in sechs Spielen erfolgreichen SC Riessersee treffen, begannen unter Frankfurter Fans Spekulationen und Gerüchte um Verbleibe und Abgänge des spielenden Personals. Dabei kommt auch immer wieder die Frage nach dem Trainer auf.  Klar war, dass Sportdirektor Fritzmeier Feuerwehrmann als Interimslösung bleibt – der diesen Job als solchen bestmöglich ausgefüllt hat. In nur wenigen Stunden nach seiner Übernahme krempelte Fritzmeier quasi über Nacht die Mannschaft um, warf die Huskies in sechs Spielen raus und fokussierte die Mannschaft auf ein Aufeinandertreffen mit der erfahrenen Steelers-Mannschaft. Letztlich spielte diese eben jene Erfahrung aus und steht nun verdient im DEL2-Finale.

Wen der nun in seinen Alltag des Sportdirektors zurückkehrenden Franz Fritzmeier als seinen eigenen Trainer-Nachfolger präsentiert, steht in den Sternen. Unlängst stand fest, dass der während den Playoffs geschasste Paul Gardner kein weiteres Vertragsangebot der Löwen erhalten wird.  Wagt man Blicke in die Glaskugel, ließen sich einige Szenarien denken: Bereits seit längerer Zeit kursierten Gerüchte in der Frankfurter Eissporthalle –  immer wieder angefeuert unter dem Mantra einer Verjüngungskur der Mannschaft zur neuen Saison – dass der neue Trainer allen voran ein Jugendförderer sein soll. Auch altbekannte Namen der jüngeren Löwen-Vergangenheit wurden und werden immer wieder gehandelt. Trocken dürfte die Unterschrift des Trainers auf dem Arbeitspapier der Löwen jedenfalls sein.

Doch noch halten die Verantwortlichen sich bedeckt. Vermutet wird, dem Trainer zwei Co-Trainer an die Seite zu stellen, der nach Vorstellung der sportlichen Leitung unter anderem Patrick Jarrett sein sollte. Jarrett, der dafür vom Eis an die Bande wechseln würde, denkt aber eher daran, seine Spielerkarriere fortzusetzen. Ob dies bei den Löwen sein wird, ist zu bezweifeln.

Im Tor könnte eine komplette Zäsur stattfinden. Der lange ausgefallene Florian Proske wird nicht mehr für die Löwen auslaufen, könnte mit einer Förderlizenz der Adler Mannheim eher in Heilbronn geparkt werden. Hannibal Weitzmanns Leistungen vor seiner Verletzung und auch in den wenigen Play-off-Spielen sprechen zudem eher für einen Backup-Posten bei den Kölner Haien, die ebenfalls eine Verjüngungskur forcieren. Brett Jaeger und Antti Karjalainen sollen kein neues Vertragsangebot erhalten haben, Letzterer kehrt in seine finnische Heimat zurück. Ein Nachfolger für die neue Nummer Eins im Löwen-Tor soll aber bereits feststehen: Goalie Felix Bick wird wohl aus Bad Nauheim an den Main wechseln und das Frankfurter Eigengewächs, Verteidiger Marius Erk, mitbringen.

Schon heute lässt sich sagen, dass der Eishockey-Sommer am Main ein durchaus spannender sein wird. Neben den genannten Ausblicken könnte ein weitaus größerer Umbruch im Löwen-Kader bevorstehen. Bekannt sind die Vertragsverlängerungen von Matt Pistilli und Brett Breitkreutz, der zur neuen Saison womöglich ohne seinen Bruder auskommen muss. Bei Kontingentspieler Wade McLeod, der stark anfing und nach der Olympiapause nie an seine Form anknüpfen konnte, stehen die Zeichen auf Abschied. C.J. Stretchs Verbleib ist auch vom Werben der DEL-Vereine abhängig. Die heiße Phase der Vertragsverhandlungen ist also im vollen Gange.  

Maximilian Haas