Lausitzer Füchse sind mit Saison zufriedenDirk Rohrbach zum DEL2-Standort Weißwasser

Dirk Rohrbach, Geschäftsführer der Lausitzer Füchse. (Foto: Jan Neumeister)Dirk Rohrbach, Geschäftsführer der Lausitzer Füchse. (Foto: Jan Neumeister)
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Herr Rohrbach, im Viertelfinale gegen die Kassel Huskies schaffte es Ihr Team bis ins siebte Spiel und lag bis 15 Minuten vor Schluss noch gleichauf. Wie zufrieden waren Sie mit der vergangenen Saison?

Das Ende ist natürlich ein sehr guter Abschluss gewesen mit dem Einzug ins Viertelfinale. Wir haben auch eine sehr beeindruckende Serie gegen Kassel gespielt, in der wir den haushohen Favoriten am Rand einer Niederlage hatten. Allerdings konnten wir wegen vieler Verletzungen nicht mit dem vollen Kader agieren. 

Wenn man sich die gesamte Saison anschaut, waren wir immer im Mittelfeld der Liga. Man hat ja auch dieses Jahr gesehen, wie eng diese zusammengerückt ist. An einem Wochenende ohne Punkte ist man gleich mal drei oder vier Tabellenplätze nach unten gerutscht. Mit sechs Punkten war man entsprechend wieder oben. Und ich denke, bis Ende Dezember hatten wir Stabilität und die Punktzahl, die wir uns vorgenommen hatten, auch erreicht.

Dann gab es einen kleinen Bruch, sicherlich auch durch Verletzungsausfälle, aber manchmal fehlte uns auch das nötige Quäntchen Glück beziehungsweise diese Lockerheit, die eben auch nötig ist. So haben wir Spiele, die wir vorher eng gewonnen haben, dann genauso eng verloren und rutschten in den Kampf um die Pre-Playoff-Plätze. Zum Glück konnten wir dann noch den Hebel umlegen und haben speziell am Derby-Wochenende am vorletzten Spieltag gegen Dresden und Crimmitschau die wichtigen Punkte geholt. Die Begeisterung der Fans war ebenso ein Faktor und eine große Unterstützung.

Auch personell haben wir noch agiert und mit Matthew Galajda einen Torwart geholt, der neben Jonas Stettmer, Nikita Quapp und unserem Backup Tommy Steffen für zusätzliche Stabilität gesorgt hat. Dazu kam Dominik Grafenthin, der sich zum Leistungsträger entwickelt hat und bei uns bleiben wird.

Im Kader steht ein größerer Umbruch an, zehn Spieler verlassen den Club, darunter Ville Järveläinen und Sam Ruopp. Wie läuft aktuell die Kaderplanung?

Wir wussten, dass natürlich nicht alle bei uns bleiben und sich einige Spieler für höhere Aufgaben empfohlen haben. Mit Sam Ruopp, Sam Dove-McFalls und Ville Järveläinen verlassen uns drei Leistungsträger. Wir werden schauen, was möglich ist, da wir auch die wirtschaftliche Balance im Auge haben müssen. Nach Corona ist das Gehaltsniveau insgesamt nach oben gegangen, das betrifft neben der DEL2 auch die Oberliga.

Hinzu kommen die höheren Kosten für den Spielbetrieb. Mit unserem sportlichen Berater Jens Baxmann sind wir schon seit mehreren Monaten dabei, das neue Team aufzustellen. Neben fünf Neuzugängen sind wir noch in Gesprächen mit allen Spielern, die bisher nicht als Abgänge genannt wurden.

Das gilt auch für den Trainer, wo wir auch bis Ende April Planungssicherheit anstreben. Wir wollen gern weiter mit Petteri Väkiparta zusammenarbeiten, müssen aber auch hier die wirtschaftliche Seite betrachten.

 

Am Ende kommt es bei der Zusammenstellung des Kaders auf ein gutes Händchen an. Der Markt an deutschen Spielern ist sehr eng, viele Vereine buhlen um diese.

Im Moment sehen Sie mich noch entspannt. Man muss Geduld haben, der Sommer ist auch noch lang, sodass wir nicht in Hektik verfallen.

Im Tor läuft der Vertrag mit Matthew Galajda weiter, der auch in den Playoffs starke Leistungen gezeigt hat. In den letzten Jahren hatten Sie meist zwei Förderlizenzspieler von den Berliner Eisbären im Tor. Ändern Sie hier das Konzept?

Wir werden nach dem DEL-Finale einen intensiven Austausch mit den Eisbären haben. Die Torwartposition ist für uns besonders wichtig. Wir gehen davon aus, dass wir auch in der neuen Saison, eventuell auch mit Jonas Stettmer, sofern er in Berlin bleibt, ein gutes Duo oder Trio im Tor haben werden. Aber auch über andere Förderlizenzspieler werden wir sprechen. Unsere Kaderplanung richtet sich ebenso danach, welche Spieler punktuell und welche dauerhaft bei uns bleiben können.

Jens Baxmann und André Rankel sind bei uns bzw. in Berlin für die jungen Spieler verantwortlich und haben einen intensiven Austausch.

Wie ist die Saison wirtschaftlich gelaufen, haben Sie bei den Kosten für die Eishalle nun Planungssicherheit? Welche Mehrausgaben haben Sie wegen der demnächst verlangten flexiblen Bande?

Zunächst ist natürlich unsere eigene wirtschaftliche Situation wichtig. Wir haben das große Glück, eine Vielzahl von Sponsoren zu haben. Es ist ein breites Fundament da, wir hoffen, dass wir den selben Etat wie im Vorjahr darstellen können. Aber auch die Finanzen in der Kommune in Bezug auf die sportliche Infrastruktur sind wichtig. Wir sind ein Unternehmen und tragen alle unsere Kosten selbst, ohne Unterstützung der Stadt. Das betrifft auch die Miete der Eishalle, die mittlerweile auch sechsstellig ist. Wir sind zum Beispiel einer der ganz wenigen Clubs, die keine Ausschankrechte in der Halle haben und damit auch nicht an den Einnahmen durch die ca. 90.000 Besucher pro Jahr partizipieren.

Ich kenne auch die Finanzsituation der Kommune, da ich selbst im Stadtrat sitze. Fakt ist, die Stadt ist Eigentümer und Betreiber der Eisarena und wir sind der größte wirtschaftliche Mieter. Wenn es uns nicht geben würde, wäre die Halle zu. Sofern die Flexbande im Jahr 2025 nicht steht, ist uns die Existenzgrundlage entzogen und wir können nicht in der DEL2 spielen. Die Bande selbst kostet zwischen 250.000 und 300.000 Euro, das ist schon eine stolze Summe.

Leider ist der Sport immer noch eine freiwillige Aufgabe der Kommunen. Hier sollten Land und Bund in den nächsten Jahren mal nachdenken, inwieweit auch der Sport zu einer Pflichtaufgabe werden könnte wie z.B. die Kultur. Aber wir sind Hockeytown, wir sind Botschafter für die Stadt und für die Region. Deshalb machen wir uns gemeinsam mit der Stadt Gedanken, wie wir die Flexbande hinbekommen. An anderen Standorten war es auch so, dass der Eigentümer und Betreiber das bezahlt hat.

In der vergangenen Saison wurden die Playdowns erstmals im neuen Modus gespielt. So genügten dem Team auf Rang 11 zwei Siege, dem Team auf Rang 12 drei Siege zum Klassenerhalt. Die Plätze 13 und 14 mussten jeweils viermal gewinnen, um die Serie zu gewinnen. Was halten Sie von dieser Regelung?

Auch ich habe diesem neuen Modus zugestimmt, da ich finde, dass er Reiz hat. Man hat bis zum letzten Spiel gesehen, wie umkämpft und spannend die letzten Spieltage im Kampf gegen die Playdowns waren. Was man nicht bedacht hatte, ist, dass ein mögliches sechstes und entscheidendes finales Spiel dem schlechter platzierten Team einen Heimvorteil einräumt. Wir werden im Sommer in der DEL2-Gesellschafterversammlung die Regelung sicher diskutieren. Ich würde sie mit kleinen Modifikationen beibehalten. Man hat in den vergangenen Spielzeiten schon gesehen, dass sich der Letztplatzierte in den letzten Hauptrundenspielen voll auf die Playdowns konzentriert hat und gar nicht mehr ins Risiko gegangen ist bzw. wichtige Spieler geschont hat.

Ihr Traum ist die Schaffung einer Sportakademie Lausitz, um den Standort weiterzuentwickeln. U. a. sollen eine internationale Schule und eine Mehrzweckarena entstehen. Diese würde auch das Problem lösen, dass derzeit nur eine Eisfläche für alle Profis und Amateure in Weißwasser vorhanden ist. Wie weit sind Sie hier gekommen?

Wir kämpfen gemeinsam mit unserem Oberbürgermeister darum, solch eine Sportakademie hier nach Weißwasser zu holen. Es wäre, mal ganz objektiv betrachtet, eines der nachhaltigsten und zukunftsträchtigsten Projekte im Rahmen des Strukturwandels in der Lausitz. Erstens werden die Rahmenbedingungen nicht nur für den Eissport, sondern für alle Sportvereine besser.  Zweitens eröffnen sich mit einer Multifunktionsarena neue Chancen für den Tourismus.

Wir brauchen den Zuzug von Fachkräften, auch internationalen, in der Lausitz. Die Akademie mit Sportschule und Arena, mit Sportmedizin und Physiotherapie/Reha wäre ein echter Magnet. Gleichzeitig könnten hier auch größere Konzerte und andere Kulturveranstaltungen stattfinden. Wir sollten deshalb größer denken, mit einem kleinkarierten Ansatz kommen wir nicht weiter. Darum sollten wir solche und andere Projekte umsetzen. Mit einer Sportakademie könnten wir zum einen den Eissport sicherstellen, um Nachwuchs zu entwickeln. Wir haben so viele Talente verloren, die jetzt in der DEL oder DEL2 für andere Clubs spielen. Zum anderen würde es die Lebensqualität in der Stadt erhöhen und junge Leute anziehen bzw. zur Rückkehr animieren.

Es geht nicht nur um den Eissport, aber wir wären der Multiplikator und können die Aufmerksamkeit erzeugen. Die gesamte Infrastruktur würde profitieren, zum Beispiel bei Hotels. Wir haben hier nur eines, beim Eishockey-Länderspiel im Mai gegen Frankreich müssen wir schon auf weitere Städte im Umkreis ausweichen, um alle Spieler und Gäste unterzubringen.

Schaut man in den DEB-Ticketstore, scheint das Spiel in Weißwasser das gefragteste aller WM-Vorbereitungsspiele zu sein, es ist seit Wochen ausverkauft. Wie erklären Sie sich diesen Zuspruch?

Das ist eben Hockeytown (lacht). Als die Anfrage vom DEB kam, waren für mich zwei Sachen entscheidend: Zum einen ist es das erste Länderspiel seit 2018 in Weißwasser. Als der Termin klar war, wussten wir aber auch, dass das Team am Tag nach dem Spiel direkt nach Ostrava fährt. Damit spielt der abschließende Kader hier, das bekommt man wahrscheinlich nie wieder geboten.

Das Problem war die deutlich längere Vorhaltung der Eisfläche und die damit verbundenen Kosten. Es war klar, dass das für die Stadt nicht zu machen ist. So haben wir uns selbst um eine Lösung bemüht und sind ins Risiko gegangen. Das entstehende Defizit wird zur Hälfte mit dem Kartenkontingent, welches wir vom DEB bekommen haben, ausgeglichen. Die andere Hälfte übernimmt die LEAG, die wir als Sponsor gewinnen konnten. Aber uns war es wichtig, dieses Event nach Weißwasser zu bekommen, um zu zeigen, dass sich in Hockeytown etwas bewegt.

Und wir sehen die Euphorie, das Spiel ist komplett ausverkauft, wir hätten Anfragen für gut 4.500 Tickets.

Fakt ist auch, dass unsere Halle zu klein ist. In der Saison kommen nach den Dauerkarten noch maximal 250 Sitzplätze in den freien Verkauf, die nach kurzer Zeit komplett vergriffen sind. Wichtige Zielgruppen wie Familien, die vielleicht zwei oder dreimal im Jahr zu uns kommen wollen, fallen damit weg. Deshalb wollen wir auch die Multifunktionsarena als langfristige Lösung. Denn man könnte vielleicht die jetzige Halle für zehn Millionen um 500 Sitzplätze erweitern, aber das steht ja in keinem Verhältnis.

Herr Rohrbach, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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