Landshut entführt drei Punkte vom Pferdeturm

Erster Neuzugang der IndiansErster Neuzugang der Indians
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Die

Hannover Indians unterliegen den Landshut Cannibals deutlich mit 1:5, und sehen

als reale Zielsetzung lediglich ab sofort den Kampf mit den Eispiraten

Crimmitschau um Platz zwölf an.

58

Minuten waren in der gestrigen Zweitligapartie zwischen Hannover und Landshut

gespielt, als es auf der hannoverschen Spielerbank zu einer denkwürdigen Aktion

kam. Indians-Trainer Joe West stauchte bei einer Auszeit seine Mannschaft

zusammen, und verließ wutentbrannt die Trainerbank. „Ich habe gesagt, dass sie

jetzt 58 Minuten lang nicht auf mich gehört haben. Da brauchen sie mich in den

letzten beiden Minuten auch nicht mehr.“ Nach eigenen Angaben bekam er das

fünfte Gegentor durch David Elsner nicht mehr mit. Anschließende Spekulationen,

dass dieser Abgang mit seinem letzten Spiel an der Bande für die Indians

gleichzusetzen sei, wurden später von ihm, sowie vom Indians-Geschäftsführer

Dirk Wroblewski dementiert. Tatsache ist allerdings, dass die Gastgeber von

einigen starken Auftritten in den letzten Wochen sich wieder weit entfernt

hatten und in praktisch allen Mannschaftsteilen erschreckende Defizite aufweisen.

Dabei

konnte Joe West zu Spielbeginn glücklich sein. Nachdem am Freitag Stürmer

Chamberlain wieder ins Spielgeschehen eingriff, stand nun auch der

langzeitverletzte Angreifer Philipps wieder zur Verfügung. Diesem merkte man die

lange Pause zwar an, aber solange die Kraft reichte, wirkten seine Aktionen

durchaus durchdacht. Das dies jedoch nicht reichen würde, war spätestens nach

fünf Minuten klar. Nach verteiltem, engagiertem Beginn, prüfte der Landshuter

Morris Indians-Keeper Ziffzer, der den Puck nur abprallen lassen konnte, und

der sehr agil wirkende David Elsner schob den Puck nach einer akrobatischen

Drehbewegung in das leere Tor. Bevor jedoch die Hausherren angemessen reagieren

konnten, der nächste Schock. Im Powerplay konnten Toomey, Mc Donough und

Abstreiter sich ungehindert den Puck zuschieben, und letzterer bezwang Ziffzer nur

26 Sekunden später aus kurzer Distanz. Wer jetzt einen totalen Einbruch der

Indians erwartet hatte, lag falsch. Obwohl die Gäste eindeutig technisch und

läuferisch überlegen waren, versuchten die Gastgeber mit hartem Körpereinsatz

wieder ins Spiel zu kommen. Schon beim ersten Powerplay spielten sich nach

Möglichkeiten für Doyle und Chamberlain turbulente Szenen vor dem Kasten von Cannibals-Schlussmann

Stefaniszin ab, aber dieser behielt, wie auch im ganzen Spiel die Kontrolle und

hielt sein vorerst Tor sauber. Auch in der Folgezeit sah man einen engagierten

Gastgeber, der allerdings in vielen Szenen hektisch wirkte und der vor allem im

Angriffsspiel ohne zündende Ideen blieb.

Wenn

ein Team überlegen ist, dann macht sich gelegentlich fehlende Konzentration

breit. So geschehen bei den Landshutern, die sich nach sechs Minuten im zweiten

Drittel ein 3-5 Unterzahlspiel erlaubten und damit die Hannoveraner wieder ins

Spiel brachten. 19 Sekunden brauchten der Ex-Landshuter Leisenring sowie

Jelitto um Abwehrchef Atherton an der blauen Linie anzuspielen, und dieser

bedankte sich mit dem Anschlusstor (28.). Jetzt wackelten die Niederbayern bedenklich,

und Stefaniszin hatte mehr Möglichkeiten sich auszuzeichnen als ihm lieb sein

konnte. Aber auch in dieser Zeit hielten die Gäste die Hannoveraner mit technisch

feinem Spiel unter Dauerstress. Innerhalb von wenigen Sekunden kamen Morris und

Fauser trotz Unterzahl zu Schusschancen und beide verfehlten nur knapp das

gegnerische Gehäuse. Kurz vor Drittelende dann der nächste Adrenalinschub für

Cannibals-Trainer Tobias Abstreiter. Nacheinander mussten Morris und Hundhammer

die Strafbank aufsuchen, aber diesmal zeigten sich die zunehmend kraftloser

agierenden ECH-Spieler nicht zielsicher. Es blieb beim 1:2 nach 40 Minuten.

Der

letzte Spielabschnitt zeigte dann die technische Klasse der Gäste. Neben einem

starken Keeper standen die Defensivreihen um Kudelka und Moborg sehr sicher,

und vorne wirbelten die jungen Wilden um Nachwuchsstar Kühnhackl und hielten

mit gekonntem Forechecking die immer nervöser agierenden Gastgeber in Schach.

In der 48. Minute schließlich die Vorentscheidung, als Moborg bei eigenem

Powerplay mit einem Schlagschuss erfolgreich war. Der bis dahin äußerst wenig

beschäftigte Ziffzer war machtlos. Wie man es nicht machen soll, zeigten die

Indians in beeindruckender Weise bei ihrer versuchten Aufholjagd. Fast jeder

Spielaufbau konnte von den Cannibals bereits im Mitteldrittel gestoppt werden

und echte Chancen wurden nicht mehr verzeichnet. Höhepunkt schließlich das 1:4,

als die Landshuter in Unterzahlspiel einen der zahlreichen Fehlpässe abfingen,

einen 2 auf 1 Konter fuhren und Wittmann (56.) schließlich problemlos für die

Entscheidung sorgte. Das letztendlich ECH-Trainer West das schön herausgespielte

1:5 von Elsner (59.) nicht mehr mitbekam, passte in das Gesamtbild des Abends.

2317 Zuschauer, inkl. eines Fans aus Radolfzell, waren angesichts der Magerkost

ihrer Lieblinge sprachlos, und lediglich die 30 mitgereisten niederbayrischen

Fans freuten sich über die drei Punkte.

Stimmen: Joe West

(Hannover): „Wir waren zuletzt auf einem guten Weg, aber jetzt geht es wieder

in eine andere Richtung. Wir haben zu wenige Leute, die Verantwortung

übernehmen wenn es nicht läuft. Und wenn die Mannschaft weder für die Fans noch

für mich kämpft, dann übernehme ich die Verantwortung und gehe.“

Tobias

Abstreiter (Landshut): „Das Ergebnis ist eigentlich zu hoch ausgefallen. Im Mitteldrittel

wurde es bei den beiden 3-5 Unterzahlspielen sehr eng. Dann haben wir unsere

Stärke aus den beiden Situationen gezogen und schließlich verdient gewonnen.“

Statistik: 0:1 (4:01)

Elsner (Kudelka, Morris); 0:2 (4:27) Abstreiter (Mc Donough, Toomey) 5-4; 1:2 (27:51)

Atherton (Leisenring, Jelitto) 5-3; 1:3 (48:00) Moborg (Schwarz, Toomey) 5-4;

1:4 (55:31) Wittmann (Toupal, Morris) 4-5; 1:5 (58:51) Elsner (Mc Donough,

Toomey)

Strafminuten:

Hannover 12 + 10 für Wagner - Landshut 14 + 10 für Forster

Schiedsrichter:

Dahle (Berlin)

Zuschauer:

2317

Manfred

Schneider

 

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