Köpfe der Clubs: Ralph Bader (SC Riessersee)Hockeyweb hautnah:

Kämpft für das Profieishockey am Riessersee: Ralph Bader bei der Oberligameisterschaft 2011 - Foto: Daniel Fischer - www.stock4press.deKämpft für das Profieishockey am Riessersee: Ralph Bader bei der Oberligameisterschaft 2011 - Foto: Daniel Fischer - www.stock4press.de
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Alle Aufgaben lasten beim personell schmal aufgestellten SCR allein auf seinen breiten Schultern eines gestandenen bayerischen Mannsbilds. Tatsächlich aber ist und bleibt der gebürtige Pfälzer in der für ihre Eigenwilligkeit mittlerweile weltweit bekannten Marktgemeinde stets ein ‚Zugroaster’. Gleichwohl engagiert er sich auch politisch in seiner neuen Heimat.
Wir stellen Ralph Bader vor und sprechen mit ihm über Probleme und Perspektiven des SCR und sparen auch seine Sicht zur Rolle der Bundesliga nicht aus:

Steckbrief

Alter:              47 Jahre

Geburtsort:   Meisenheim (Rheinland-Pfalz)

Wohnort:      Garmisch-Partenkirchen (seit 37 Jahren)

Familie:          verheiratet, 1 Sohn (14 Jahre)

Beruf:             Bürokaufmann / Freier Journalist

Tätigkeit:       Geschäftsführender (Haupt-) Gesellschafter der SCR Vermarktungs-GmbH

Sonstiges:      Gemeinde- und Kreisrat in Garmisch-Partenkirchen (Christlich-Soziales Bündnis)

Hockeyweb: Herr Bader, was führte Sie nach Garmisch-Partenkirchen und wie kamen Sie zum Eishockey? Haben Sie selbst einmal gespielt?

Bader: „Ich bin schon als Kind nach Garmisch-Partenkirchen gekommen und lebe jetzt bereits seit 37 Jahren hier. Damals war ich ein guter Tennisspieler, aber der Virus Eishockey hier in der Gemeinde hat mich als Zuschauer schnell erfaßt: so wurde ich Fan, Radio-Reporter, der jahrelang alle Spiele des SC Riessersee live aus den Stadien übertrug, dann Stadionsprecher und 2004, nach dem von mir abgewickelten Insolvenzverfahren, schließlich Geschäftsführer sowie zuletzt auch Hauptgesellschafter des SCR. Nun würde ich mir wünschen, daß ich endlich als Einheimischer akzeptiert werde, aber das ist bei dieser Tradition hier fast unmöglich [lacht!].“

Hockeyweb: Diese Nähe zum Sport hat bestimmt auf Ihren Sohn abgefärbt. Sind Sie ein Eishockey-Papa?

Bader: „Nein, er interessiert sich dafür, geht mit seinen Freunden zu den Spielen, lobt und kritisiert und nutzt seine Beziehungen zu ein paar Eintrittskarten für seine Freunde.“

Hockeyweb: Auf wie viele Mitarbeiter stützen sie sich bei Führung und Verwaltung des SCR? Wie ist die Aufgabenverteilung?

Bader: „Club und ‚Profi-GmbH’ sind bei uns strikt getrennt und werden auch völlig getrennt geführt. Der Club hat keine Anteile an der GmbH, die mit ganz kleiner Mannschaft gefahren wird: neben mir gibt es nur noch einen Geschäftsstellenleiter und eine Schreibkraft die beide ehrenamtlich helfen.“

Hockeyweb: Welche Philosophie verfolgen Sie mit dem SC Riessersee und wie sieht seine Entwicklungsperspektive aus?

Bader: „Wir wollen die Eishockeytradition an diesem Ort am Leben erhalten und auf finanziell gesunde Beine stellen. Wir fördern die Nachwuchsarbeit mit einem mittleren fünfstelligen Betrag und geben den Talenten die Perspektive, ihren Sport in der Profimannschaft weiter zu betreiben. Davon lebt Eishockey in Garmisch-Partenkirchen und dafür leisten wir anständige, ehrliche Arbeit. Wir sind ein kleiner Standort, der einen der bekanntesten Namen im Eishockey hat. Wir haben sicherlich viele Nachteile gegenüber anderen, aber wir kämpfen nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis mit Leidenschaft.“

Hockeyweb: Worin besteht denn Ihr größter Kampf, Herr Bader?

Bader: „Mein größter Wunsch ist, daß Eishockey in der Marktgemeinde endlich mal wieder mehr Anerkennung findet. Alle reden über uns, jeder will wissen wie wir gespielt haben, aber nur ein gewisser Stamm geht ins Stadion. Verdient hätte es sich die Mannschaft schon lange, denn sie überrascht immer wieder.“

Hockeyweb: Wo wir eben schon bei den ‚finanziell gesunden Beinen’ waren: mit welchem Etatrahmen und Zuschauerzahlen planen Sie denn für diese Saison?

Bader: „Unser Etat ist mit knapp unter einer Million Euro sicherlich der kleinste der ganzen Liga.. Dafür kalkulieren wir mit 1.550 Zuschauern pro Heimspiel.“

Hockeyweb: Im Sommer waren Sie persönlich hier in Garmisch-Partenkirchen von behördlicher Seite einem Rechtsstreit wegen der im Eishockey gängigen Try-out-Spieler-Praxis ausgesetzt. Wurde darüber bei Ihrem letzten Treffen der Bundesliga-Clubs (ESBG Eishockey Spielbetriebs-GmbH) gesprochen und wie haben Sie sich hierzu positioniert? Wie gehen Sie selbst künftig mit diesem Thema um?

Bader: „Darüber wurde bei der ESBG nicht gesprochen. Das Verfahren wurde eingestellt, mehr möchte ich dazu auch nicht sagen. Wir werden künftig Try-out-Spieler hier am Standort bezahlen müssen, auch wenn sie es gar nicht wollen. Wie wir mit Spielern verfahren, die sich fit halten wollen, müssen wir im nächsten Sommer sehen. Beide Themen werden sicher sehr unterschiedlich in der Praxis behandelt.“

Hockeyweb: Jetzt müssen wir zum Themenkomplex des neuen Kooperationsvertrags zwischen Deutschem Eishockey-Bund (DEB) und Deutscher Eishockey-Liga (DEL) kommen. Da steht die 2. Liga derzeit als großer Verlierer da. - Quo Vadis?

Bader: „Die 2. Eishockey Bundesliga funktioniert, ist ausgeglichen und spannend. Das ist mal das Wichtigste. Wir bieten professionellen Sport mit vielen guten Nachwuchsspielern, vor allem bei den bayerischen Vereinen, sowie guten, professionellen deutschen Spielern. Fast alle Hallen haben einen guten Standard, und bei uns macht es den Reiz aus, wenn Groß gegen Klein spielt. In unserer Liga steht der Sport im Vordergrund und nicht die Vermarktung der Hallen oder Vorgaben von Funktionären, ob es genügend VIP-Plätze, einen Videowürfel oder Sitzplätze gibt.  Wir müssen unser Produkt besser verkaufen, aber der Zuschauer in der 2. Liga hat ein sehr gutes Gespür und ist mit der Liga und seinem Club vor Ort sehr zufrieden.“

Hockeyweb: Wie sehen Sie die Rolle des DEB in diesen Geschehnissen und wie sollte es nun weitergehen?

Bader: „Wir Clubs in der ESBG haben uns Ziele gesetzt, die wir jetzt so schnell wie möglich umsetzten müssen. Dafür gibt es Personen die Ihre Aufgaben abzuarbeiten haben. Hier muss der DEB mit eingebunden werden, denn ohne dessen Zustimmung wird es schwer, gerade in vertraglichen Dingen etwas neu zu strukturieren. Aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.“

Hockeyweb: In welcher der hierfür gebildeten ESBG-Kommissionen arbeiten Sie mit? Sport, Struktur oder Marketing?

Bader: „In der Strukturkommission; da geht es vor allem um vertragliche Dinge wie die Neugestaltung des Gesellschaftervertrages.“

Hockeyweb: Durch die Aufkündigung jedweder Kooperation mit der DEL entfiel nun auch die Förderlizenzregelung für junge Spieler. Das schadet vor allem der Nachwuchsarbeit, sagen Kritiker. Andere sehen dadurch die Wettbewerbsgleichheit gestärkt. Welche Ansicht vertreten Sie?

Bader: „Wenn die DEL wieder gesprächsbereit ist, kann man sicher über eine neue Förderlizenzregelung sprechen. Diese muss aber auch für die 2. Liga lukrativ sein und nicht nur Vorteile für die DEL bringen. Warum sollte es jungen Spielern schaden, wenn sie zuerst den Weg gehen, in der 2. Bundesliga zu spielen anstatt in der Wolldecke in der DEL auf der Bank zu sitzen oder in der Oberliga spielen zu müssen. Ein junger Spieler wird sich überlegen, ob er nur das Geld sieht und in die DEL wechselt oder sich noch sportlich in der 2. Liga weiter entwickelt bevor er wechselt.“

Hockeyweb: Abschließend, wie ist Ihre sportliche Zielsetzung für diese Saison? Wer wird Meister, wer steigt ab?

Bader: „Meister können in dieser Saison alle Mannschaften werden, nur nicht der SC Riessersee. Wir wollen nicht absteigen, und wenn uns das durch einen Play-Off-Einzug gelingt, hätte sich die Mannschaft das mehr als verdient. Ich werde einen Teufel tun und sagen wer meiner Meinung nach absteigt. Nur eines weiß ich genau: wir nicht!“

Hockeyweb: Herr Bader, wir danken Ihnen für das Gespräch!


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