Kämpfen für den Klassenerhalt!EC Bad Nauheims Geschäftsführer Andreas Ortwein im Interview

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Vor dem abschließenden DEL2-Zwischenrunden-Wochenende, bei dem das so wichtige Heimrecht in den Playdowns gesichert werden soll, stand Geschäftsführer Andreas Ortwein der Homepage zu einem ausführlichen Interview zur Verfügung. Der Butzbacher resümierte kurz den bisherigen Saisonverlauf und wagt einen Ausblick auf die kurz- und mittelfristige Zukunft der Roten Teufel sowie der Liga.

Herr Ortwein, haben Sie die Niederlage in Bremerhaven und das endgültige Playoff-Aus schon verdaut?

Ja, aber enttäuscht bin ich natürlich wie jeder Fan auch noch. In Bremerhaven aber kannst du verlieren. Wir haben defensiv gut gestanden und Bremerhaven hat eben die individuelle Klasse, diese ein, zwei Tore zu machen. Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass wir das Rennen um den achten Platz bis zum letzten Wochenende offen halten können. Aber für Enttäuschung und Hadern mit den Gedanken wie "Hätten wir hier und da den Punkt gemacht oder nicht noch verschenkt" - das alles bringt nichts. Wir müssen in die Zukunft schauen, um am kommenden Freitag den Kampf um den Klassenerhalt aufzunehmen.

Glauben Sie, die Ziele waren vor der Saison zu hoch gesteckt?

AO: Nein, das denke ich nicht. Wir analysieren die Saison auch jetzt noch nicht zu Ende. Aber ist man doch mal ehrlich: wir sind Aufsteiger und viele Teams haben Respekt vor unserer ersten Saison. Da tut es weh, dass wir die Playoffs verpasst haben, aber am Ende geht es halt für einen Aufsteiger immer doch nur um den Klassenerhalt. Wir werden sicher aus vielen Dingen unsere Lehren ziehen, aber dafür ist nach der Saison Zeit genug und jetzt gilt es im Club, im Team - und auch mit den Fans und Sponsoren Zusammenhalt zu zeigen vor den wichtigen Spielen. Gegenseitiges Zerfleischen bringt uns nicht weiter. Harte Worte hat es von Daniel als auch mir nach dem Freitag-Spiel genug gegeben. Das Team muss kämpfen und die Fans mit. Dann bin ich 100% überzeugt, dass wir die Klasse halten.

Das Heimrecht für die Playdowns steht am kommenden Wochenende auf dem Spiel. Wie sehen Sie dies?

Wir haben über das Thema intern schon vor 14 Tagen gesprochen. Kaufbeuren ist in überragender Verfassung und Heilbronn hat in den Wochen trotz Hochs und Tiefs immer mal wieder gepunktet. Crimmitschau ist zuhause eine Macht - egal wie es kommt, es wird ein ganz schwerer Gang. Mit Heimrecht wäre das alleine aus wirtschaftlicher Sicht schon sehr gut und wichtig.

Glauben Sie, der Kader war am Ende zu dünn? Hätte man noch stärker auf dem Transfermarkt tätig werden müssen?

Ja und nein. Thomas Owers Verletzung hat uns seit Saisonbeginn natürlich sehr weh getan. Ich glaube, die Ausfälle seit fast drei Monaten von Dan Ringwald und Chris Heid wiegen extrem schwer. Ebenso war Taylor Carnevale kaum auf dem Eis in den letzten sechs bis sieben Wochen. Dazu kamen Verletzungen von Reimer, Ketter und anderen. Das kann man natürlich auf Dauer nicht kompensieren und führt zu einem gewissen Substanzverlust bei anderen Spielern. Aber am Ende müssen wir auch sehen: Das ist unsere erste DEL2-Saison und wir mussten einen erheblichen höheren Etat stemmen, als in den Jahren zuvor und irgendwo sind uns in Bad Nauheim da auch Grenzen gesetzt. Die DEL2 ist nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich eine ganz andere Liga.

Welche Themen sind in der DEL2 deutlich anders als in der Oberliga?

Da gibt es extrem viel. Die gesamten Kosten rund um den Spielbetrieb, wie z.B. das Sicherheitskonzept, die Ausrüstungskosten, Personenvorhaltung im Bereich Catering während der Spiele und so weiter. Da sind viele Dinge, die neben den Personalkosten des Teams erheblich zu Buche schlagen. Alles hier im Einzelnen zu erörtern, würde den Rahmen sprengen. Wir diskutieren die Themen ja auch wöchentlich im Gesellschafter- und Beiratskreis. Ich denke nach der Saison wird man da auch Gelegenheit haben, den Fans dies etwas näher zu bringen, wie umfangreich und schwer es ist Eishockey auf diesem Niveau in Bad Nauheim zu realisieren.

Können Sie trotzdem den Fans schon einen Ausblick geben für die kommende Saison in Sachen Trainer und Spieler?

Wir arbeiten daran schon seit einigen Wochen intensiv. In Sachen Spieler haben wir mit Guryca, Lange und Strauch bereits drei Spieler fix. Hinzu kommt seit dem Monatsende der Vertrag von Daniel Ketter, der sich automatisch um eine weitere Saison verlängert hat. Mit einigen Spielern sind wir in Gesprächen, da ist aber noch nichts fix. Im Moment ist das Team und jeder einzelne auch erstmal in den Playdowns - und wenn nötig in der Endrunde mit den Oberligisten - gefordert, den Klassenerhalt zu sichern. In Sachen Trainer führen wir intensive Gespräche und ich hoffe auf eine baldige Entscheidung. Zeitlich kann ich das aber nicht eingrenzen. Wir müssen die richtige Entscheidung mit 100%iger Überzeugung treffen.

Gibt es auch bereits Planungen für das Personal rund um den Spielbetrieb?

Ja, wir sind in intensiven Gesprächen und haben dort auch bereits konkrete Wege bestritten. Den exakten Fahrplan werden wir bald veröffentlichen. Fakt ist: Trotz weiter ordentlich steigender Berufsgenossenschafts-Beiträgen für das Spielerpersonal werden wir in administratives Personal in diversen Bereichen investieren müssen. Genauso wie wir in der ersten Saison jetzt in Infrastruktur wie Wohnungen, Autos und sonstiges Anlagevermögen nahezu 175.000 EUR investieren mussten. Der Kraftakt mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern ist in dem Umfang keine zweite DEL2-Saison lang möglich. Wenngleich es ohne diese hier in Bad Nauheim kein DEL2-Eishockey geben würde.

Heißt das auch, es ist Ihre letzte Saison als Geschäftsführer? Wie geht es für Sie persönlich weiter?

Im Moment sind so viele Dinge zu tun, dass ich das nicht beantworten kann und will. Es geht eben um den EC Bad Nauheim und nicht um mich. Die Entscheidungen werden dann fallen, wenn Sie fallen müssen. Jetzt gilt es aktuell, jede freie Minute, die ich habe, dem EC zu widmen, um hier den Standort auf den richtigen Weg zu bringen. Dafür benötigen wir Ruhe und Sicherheit, welche am meisten natürlich durch den Klassenerhalt gegeben sein würde.

Wird sich in der Liga etwas ändern? Wie weit sind dort die Planungen?

Ja, es wird sich dort einiges bewegen. Wir hatten in der letzten Woche zwei DEL2-Sitzungen, die uns jeweils ganztags gebunden haben. Die Entscheidung auf die Reduzierung um einen Ausländer auf vier ist gefallen. Ebenso werden die Lizenzen für deutsche Spieler "Ü23" von zwölf auf elf reduziert. Das heißt im Umkehrschluss, dass die Positionen unter 23 Jahre von fünf auf sieben angehoben werden. Es wird wohl im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich Pre-Play-Offs geben wie in der DEL. Und der Ligastart soll bereits am 12.09.2014 gemeinsam mit dem Start der DEL erfolgen - was uns natürlich speziell in Bad Nauheim wieder vor eine große wirtschaftliche und logistische Herausforderung stellt in der Vorbereitung.

Zuletzt gab es vor allem in Online-Medien und sozialen Netzwerken sehr viel Kritik auch an Ihnen sowie an Daniel Heinrizi. Wie gehen Sie damit um?

Ja, Kritik gehört einfach zum Geschäft dazu. Die DEL2-Tabelle schauen wir uns halt jetzt nicht mehr von oben aus an - wie wir das in der Oberliga Jahre lang getan haben. Aber ich glaube, wir wollten alle in die DEL2 - jetzt haben wir sie und jetzt müssen wir auch gemeinsam um sie kämpfen. Wir alle haben trotz des nicht gewollten Tabellenplatzes doch schon viele tolle sportliche Momente dieses Jahr im CKS erlebt. Jetzt können wir beweisen, dass wir zu Recht die Wahl zu den besten Fans der Liga gewonnen haben. Nochmal: Ich verstehe Kritik - solange sie im Rahmen ist. Schädlich für den Club ist es allerdings, wenn einige den Rahmen wirklich sprengen und mich selbst andere Clubmanager fragen, was eigentlich bei uns los sei, denn wir würden als Aufsteiger doch sehr gut mithalten im Gegensatz zu vielen anderen, die hoch kamen. Wir müssen jetzt gemeinsam einfach lernen und akzeptieren, dass der Nicht-Abstieg in dieser starken Liga für Bad Nauheim in diesem Jahr ein Erfolg ist. Auch wenn der Wunsch nach
mehr natürlich verständlich ist.

Möchten Sie abschließend noch eine Botschaft an die Fans senden?

Ja, sehr gerne. Zuerst möchte ich mich auch im Namen der Gesellschafter und Beiräte bei allen Fans und Sponsoren für die Treue und den überragenden Support in dieser Saison bedanken. Ich glaube, damit haben wir in der Liga ein Ausrufezeichen gesetzt. Und jetzt appelliere ich an jeden Fan und jeden Zuschauer, zu den restlichen Saisonspielen alle ins Stadion zu kommen und gemeinsam mit dem Team für den Klassenerhalt zu kämpfen. Egal bei welchem Spielstand, wie schwer es auch ist, Ruhe zu bewahren: Jetzt brauchen wir jeden von Euch im Stadion. Gemeinsam für die DEL2!

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DEL2 PlayOffs

Donnerstag 22.04.2021
Kassel Huskies Kassel
- : -
Heilbronner Falken Heilbronn
Tölzer Löwen Bad Tölz
- : -
Ravensburg Towerstars Ravensburg
Freitag 23.04.2021
EHC Freiburg Freiburg
- : -
ESV Kaufbeuren Kaufbeuren
SC Bietigheim Steelers Bietigheim
- : -
Löwen Frankfurt Frankfurt
Samstag 24.04.2021
Heilbronner Falken Heilbronn
- : -
Kassel Huskies Kassel
Ravensburg Towerstars Ravensburg
- : -
Tölzer Löwen Bad Tölz
Sonntag 25.04.2021
ESV Kaufbeuren Kaufbeuren
- : -
EHC Freiburg Freiburg
Löwen Frankfurt Frankfurt
- : -
SC Bietigheim Steelers Bietigheim
Montag 26.04.2021
Kassel Huskies Kassel
- : -
Heilbronner Falken Heilbronn
Tölzer Löwen Bad Tölz
- : -
Ravensburg Towerstars Ravensburg
Dienstag 27.04.2021
EHC Freiburg Freiburg
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ESV Kaufbeuren Kaufbeuren
SC Bietigheim Steelers Bietigheim
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Löwen Frankfurt Frankfurt
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