Jiri Ehrenberger: „Mit dem Schläger ins Bett“Interview mit dem Trainer der Ravensburg Towerstars

Jiri Ehrenberger, Trainer der Ravensburg Towerstars. (Foto: Michael Sender)Jiri Ehrenberger, Trainer der Ravensburg Towerstars. (Foto: Michael Sender)
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Cheftrainer Ehrenberger fühlt sich sehr wohl bei den Towerstars. Hockeyweb-Mitarbeiter Michael Sender unterhielt sich mit dem erfahrenen Mann über seine vielen Arbeitgeber und die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche, über Ratschläge für Nachwuchsspieler und auch über das nahende Weihnachtsfest.

Ravensburg ist Ihre neunte Trainerstation in Deutschland. Wo war es am schönsten?

Es war überall schön. Ich habe von jeder Station etwas Positives mitgenommen – egal ob in der DEL oder unterklassig. In Regensburg zum Beispiel haben wir es von der Regionalliga bis in die Zweite Liga geschafft. Oder die Zeit beim Deutschen Eishockey-Bund als Nachwuchstrainer werde ich nicht vergessen. Die Arbeit dort war sehr abwechslungsreich. Ich war bis 1992 beim DEB tätig. Und auch jetzt in Ravensburg bin ich sehr zufrieden. Die Organisation, das Umfeld, die Fans, wie sie den Eishockeysport aufnehmen – es ist wunderbar. In Deggendorf habe ich schon zweimal gearbeitet, dort leben wir seit über 30 Jahren. Deggendorf ist zu meiner Heimat geworden. Aber von allen Stationen möchte ich keine hervorheben. Jeder Standort ist auf seine Weise speziell. Generell macht es Spaß im deutschen Eishockey mitzuwirken. Es ist eine sehr beliebte Sportart. Die Leute machen meistens gute Stimmung in den Hallen, das motiviert. Ich erinnere mich gerne an die zweigleisige Zweite Liga zurück. Da gab es zahlreiche Derbys – die Stimmung war phänomenal.

Sie waren in den vergangenen Jahren sowohl als Trainer als auch Manager tätig. Welche Aufgabe liegt Ihnen besser?

Ich habe auch jahrelang beides gemacht – in Doppelfunktion. Das war extrem. Das ist sicher nicht die beste Kombination als Trainer und Manager gleichzeitig zu arbeiten. Das würde ich mir, glaube ich, nicht mehr zumuten. Ich ziehe meinen Hut vor den Leuten, die die Doppelfunktion stemmen. Wobei ich sagen muss, dass die Bewältigung aller Aufgaben eigentlich nicht mehr möglich ist. Dafür ist der Eishockeysport zu professionell geworden. Die Aufgaben des Trainers sind überschaubarer. Als Manager musst du viel mehr reden, reden, reden. Als Trainer kannst du mit der Mannschaft auf dem Eis handeln – das macht die Arbeit einfacher. Mir hat die Aufgabe als Manager in Ingolstadt ebenso große Freude bereitet. In der GmbH dort waren exzellente, eishockeyverrückte Leute. Leider konnten wir die Ansprüche nicht erfüllen. Insgesamt ist die Arbeit als Manager komplizierter, man weiß nie, welcher Anruf als nächstes kommt. Beim Trainerjob bleibt keine Arbeit liegen, man kann seine Aufgaben zu Ende führen.

Als Trainer sind Sie eher ein ruhiger Vertreter, oder?

Ja, ich habe eigentlich nie den großen Zirkus gemacht. Ich versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nicht ablenken zu lassen. Ich möchte die Ruhe an die Mannschaft weitergeben, sodass sie sich auf das Wichtige fokussieren kann und nicht zu sehr von den Emotionen lenken lässt. Die Konzentration auf den nächsten Wechsel muss stimmen.

Sie sagten, Deggendorf ist ihre Heimat. Gebürtig kommen Sie aus Brno. Wie sind die Verbindungen nach Tschechien?

Wir sind 1981 aus der Tschechoslowakei geflüchtet. Ich lebe mit meiner Familie seit 36 Jahren in Deutschland. Die Verbindungen im Eishockey sind ungebrochen. Immer wieder organisieren wir Freundschaftsspiele gegen tschechische Mannschaften. Mit Ingolstadt haben wir in der Champions Hockey League gegen tschechische Vertreter gespielt. Da trifft man dann die Leute, die Kontakte sind da. Der eine oder andere Anruf, wenn man Informationen braucht. Aber wir leben in Deutschland und ich fühle mich hier sehr wohl.

Was ist das Besondere an ihrem neuen Arbeitsort Ravensburg?

Ravensburg ist eine absolute Eishockeystadt, das ist bekannt. Wir haben eine weitgehend neue Halle, das ist super für Mannschaft und Fans. Es herrscht eine tolle Atmosphäre. Die Fans sind fachkundig und können unsere Leistungen sehr gut einschätzen. Selbst wenn es mal nicht so läuft, werden wir unterstützt. Das ist wichtig für uns. Ravensburg ist ein guter Eishockeystandort mit großem Potenzial.

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Ravensburg gekommen?

Zwei, drei Stunden nachdem bekannt wurde, dass ich nicht mehr in Ingolstadt weitermache, haben sich die Towerstars gemeldet. Sie haben mich sofort angerufen und das hat mir sehr gefallen. Sie wollten direkt mit mir zusammenarbeiten.

Sie waren jetzt einige Jahre in der DEL tätig. Nun sind sie in der DEL2. Ist das nicht ein Rückschritt?

Ich habe schon früher in der Zweiten Liga gecoacht, es war immer gut. Die Trainingsmöglichkeiten sind eigentlich genauso wie in der DEL. Es sind Profimannschaften mit allem Drum und Dran. In der DEL2 sind mehr jüngere Spieler, die sich entwickeln wollen. Es ist eine Herausforderung den Jungs eine Chance zu geben, sodass sie sich präsentieren können. Ich habe auch viele Jahre als Nachwuchstrainer gearbeitet und mich mit dieser Tätigkeit identifiziert. Das hat mir großen Spaß gemacht, es war eine andere Arbeit. Da habe ich mich immer sehr gefreut, wenn es der eine oder andere nach oben in die DEL oder Nationalmannschaft geschafft hat.

Wie sind Sie eigentlich zum Eishockey gekommen?

In der Tschechoslowakei wollte früher jeder Junge Eishockey spielen, auch ich. Das war damals eine goldene Zeit. Eishockey war und ist die Volkssportart Nummer eins. Ich habe im Verein gespielt, aber nicht in der Topklasse. Nach der Juniorenzeit hatte ich dann die Möglichkeit den Diplom-Trainer für Eishockey zu machen. Ich habe mich dann für das Studium an der Karls-Universität in Prag entschieden.

Welchen Ratschlag können Sie Nachwuchsspielern geben?

Ich kann nur raten, mit dem Eishockeyschläger ins Bett zu gehen. Die Jungs müssen ihre Schläger jeden Tag in die Hände nehmen. Klar ist es schön, wenn das auf dem Eis passiert. Das kann aber genauso draußen im Hof oder drinnen im Wohnzimmer sein. Dribbeln, schießen, spielen, spielen, spielen. So oft es geht zum Schläger greifen und üben. Wenn du oben mitspielen willst, musst du den Schläger beherrschen. Ansonsten ist es auch wichtig sich generell viel zu bewegen. Besonders die ganz Kleinen brauchen Bewegungsvielfalt, dass die auch mit einem Ball umgehen oder einen Purzelbaum rückwärts machen können. Da muss die Freizeit der Kinder gut organisiert sein. 

Wie ist die Nachwuchsarbeit in Ravensburg organisiert? Haben die Jugendspieler Kontakt zur ersten Mannschaft?

Die DNL2-Jungs durften bei uns im Sommer mittrainieren. Wir tauschen uns im Trainerstab gut aus und versuchen die besten Möglichkeiten zu schaffen. Das ist nicht immer einfach, wegen der Ganztagsschule zum Beispiel. Leider haben wir in Ravensburg nur eine Eisfläche, das ist problematisch. Denn die Eisfläche steht ja nicht nur dem Eishockeyverein zur Verfügung. Da gibt es noch den öffentlichen Eislauf und Eiskunstlauf. Das Problem mit den Eiszeiten hat bekanntlich nicht nur Ravensburg. Die GmbH und die Sponsoren wissen wie wichtig die Nachwuchsarbeit ist und wir hoffen in Zukunft noch mehr Spieler aus den eigenen Reihen im Profiteam einbauen zu können. Ich habe immer in Organisationen gearbeitet, wo die Bereitschaft vorhanden war, den jungen Spielern eine Chance zu geben. Das ist auch in Ravensburg der Fall. Wir brauchen Geduld.

Herr Ehrenberger, zum Abschluss noch: Weihnachten steht bald vor der Tür. Wie sieht das Fest bei Ihnen aus?

Wir feiern bei uns zu Hause in Deggendorf. Unsere beiden Kinder kommen zu Besuch, dazu zwei Enkelkinder. Wir werden am 24. zusammen sein. Es kommt Fisch auf den Tisch. Abends werde ich dann noch die 330 km nach Ravensburg fahren. Wenn die Kinder abgereist sind, kommt meine Frau nach Ravensburg. Ich werde am ersten Weihnachtstag mit der Mannschaft trainieren. Am zweiten Weihnachtstag haben wir ein Heimspiel gegen Frankfurt.

Frohes Fest, Herr Ehrenberger, und vielen Dank für das Gespräch.

Michael Sender

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