"Jeder Spieler wächst bei einer solchen Kulisse über sich hinaus"ESV Kaufbeuren

"Jeder Spieler wächst bei einer solchen Kulisse über sich hinaus""Jeder Spieler wächst bei einer solchen Kulisse über sich hinaus"
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Der durchweg mit vier Reihen agierende ESVK erwischte zweifelsohne den besseren Start in dieses Spiel 4, konnte man doch schon nach 34 Sekunden die 1:0-Führung markieren. Aus einer unübersichtlichen Situation vor dem Tor heraus gelang Fröhlich, der am schnellsten schaltete, sein dritter Treffer ins dieser Serie. Der Jubel über dieses Tor war noch nicht verhallt, da tankte sich Tim Richter auf der rechten Seite durch, zog vors Tor und vollendete mit der Rückhand zum 2:0. Auch in der Folge waren die Joker am Drücker, schossen aus allen Lagen und Rohren und hatten mehrmals den dritten Treffer auf dem Schläger – Richter, Thomas und Schmidle scheiterten zwischen der vierten und neunten Spielminute am sonst nicht immer souverän wirkenden Guryca. Ganz dicht dran am 3:0 waren die Kaufbeuren in der ersten Überzahlsituation nach 10 gespielten Minuten, doch in den unübersichtlicheren Situationen behielt die Bad Nauheimer Verteidigung die Übersicht. Nachdem Schmidle in der 13. Minute sich gut in Szene setzte, vor dem Tor allerdings etwas zu lange zögerte, verebbte der Kaufbeurer Angriffswirbel und wie aus dem Nichts gelang Helms in der 14. Minute der Anschlusstreffer. Während der ESVK das erste Unterzahlspiel noch überstehen konnte, war in der 18. Minute Frosch – in Überzahl – zur Stelle, und stellte mit dem 2:2-Ausgleich alles wieder auf Anfang. Sekunden vor der ersten Drittelpause wäre Schütz um ein Haar das Führungstor für Bad Nauheim gelungen, allein der Pfosten verhinderte diesen.

Ganz im Gegensatz zum Beginn des ersten Drittels starteten beide Teams eher verhalten in den Mittelabschnitt, klare Torchancen waren eher Mangelware. Dies lag in erster Linie am deutlich verbesserten Defensivverhalten der Gäste, sodass die Joker sich schwer taten, überhaupt Möglichkeiten herauszuspielen. Nach einem verunglückten Pass an der gegnerischen blauen Linie in der 27. Minute ergab sich für Bad Nauheim eine 3 auf 2 Situation, die Campbell mit einem Schuss über Vajs' Stockhand zur ersten Nauheimer Führung vollendete. Acht Minuten später kamen die Joker bei einer angezeigten Strafe gegen die Gäste schnell in Überzahlformation und spielten das 6 gegen 5 gut aus, im zweiten Anlauf bugsierte Oppolzer die Scheibe über die Linie. Nach einer zweifelhaften Strafzeit gegen Fröhlich kam Bad Nauheim quasi im Gegenzug zu einem Powerplay, wobei in der 38. Minute Schütz zur erneuten Führung traf.

Dann kam das letzte Drittel. Wer am vergangenen Sonntag Spiel 2 gesehen hatte, der wusste, dass die Joker in der Lage sind, ein Spiel in den letzten 20 Minuten zu entscheiden. Denn Auftakt machte die dritte Reihe um Kreitl, Thomas und Hadraschek, die in der 44. Minute nach einem guten Wechsel die Scheibe im Tor unterbrachten. Allerdings war das Spiel an dieser Stelle schon zuvor unterbrochen worden. Keine Zeigerumdrehung später fiel dann doch der erhoffte Ausgleich: die überaus starken Oppolzer und Richter spielten Lunden im Slot frei, der mit seinem Schuss in den Winkel Guryca keine Abwehrchance ließ. Es entwickelte sich ein sehr ansehnliches Spiel, zu dem beide Mannschaften beitrugen, indem sie voll auf Sieg spielten. Die Schlüsselszene in diesem Spiel ereignete sich in der 49. Minute, als Fröhlich einen 2 auf 1 Konter zum vielumjubelten 5:4 abschloss. Die Gäste protestierten bei den Schiedsrichtern vehement gegen dieses Tor, da kurz zuvor ein hoher Stock eines Rot-Gelben gegen einen Nauheimer nicht geahndet wurde und das Spiel weiter lief. Die Joker ließen sich dadurch nicht beirren und drängten auf die Entscheidung, Kreitl (50. Minute) und Lunden (52. Minute) hatten dabei die besten Möglichkeiten. Die größte Chance auf den Ausgleich hatte Aab sechs Minuten vor dem Ende, als er frei vor dem Tor nicht genug Druck auf den Puck bekam und an Vajs scheiterte. Nochmal brenzlig wurde es, als Fröhlich in der 55. Minute auf die Strafbank musste. Das ersehnte Tor erzielten allerdings nicht die in Überzahl spielenden Gäste, sondern der ESVK: Kreitl kam nach einem eigentlich unsauber zu Ende gespielten Konter im Slot zum Schuss, stellte das Ergebnis auf 6:4 und brachte exakt drei Minuten vor Schluss die Kaufbeurer Arena zu kochen. Als Guryca anschließend Platz für einen zusätzlichen Feldspieler machte, schoss Schmidle zum 7:4 Endstand ins leere Tor ein.

Auf der anschließenden Pressekonferenz war ECN-Trainer Petri Kujala mit dem Start in die Begegnung unzufrieden: „Wir wollten bereit sein, da wir wussten, dass Kaufbeuren in den ersten zehn Minuten ‚hart kommen' wird. Trotzdem haben wir Ruhe bewahrt, sind ins Spiel zurückgekommen und haben dann gut gespielt." Vor allem haderte Kujala mit der Schiedsrichterentscheidung unmittelbar vor dem 5:4. Dennoch habe der ESVK verdient gewonnen.

ESVK-Trainer lobte zunächst das Kaufbeurer Publikum, das seine Mannschaft zusätzlich motiviert habe: „Als die Jungs die Kulisse gesehen haben, ist jeder zehn Kilo schwerer und fünf Zentimeter größer geworden." Nach dem guten Start habe man angefangen zu kompliziertes Eishockey zu spielen, wodurch man ins Hintertreffen geraten sei. Besonders zufrieden war Nokelainen mit dem überragenden letzten Drittel seiner Mannschaft. „Für Sonntag nehmen wir uns viel vor – irgendwann müssen wir ja mal in Bad Nauheim gewinnen."

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