Hüttl: „Vor drei Jahren Rückkehr der ESBG unter das Dach des DEB einstimmig beschlossen“DEB-Vizepräsident Manuel Hüttl im Interview (Teil 2)

Manuel Hüttl, Vizepräsident des DEB.Manuel Hüttl, Vizepräsident des DEB.
Lesedauer: ca. 8 Minuten

Hockeyweb: Nachdem wir gestern über Ihr Angebot einer 2. Bundesliga unter DEB-Dach gesprochen haben, wollen unsere Leser gerne wissen: welche Gründe sprechen für Sie explizit gegen eine DEL 2?

Hüttl: „Vor zwei Jahren waren wir uns mit allen Zweitligisten noch einig, die ESBG möglichst aufzulösen, weil wir keine dritte eigenständige Organisation neben DEB und DEL (Deutsche Eishockey-Liga) wollten. Insbesondere wollten wir keine unter Gesellschaftsrecht konstituierte Organisation, weil dies zu einer schwer handhabbaren Komplexität führt, die wieder eine Reihe von sportfremden Problemen nach sich zieht, wie ja all die Gerichtsverfahren in der jüngsten Vergangenheit gezeigt haben. Dieser Meinung sind wir noch immer. Insbesondere die Ligenselbstverwaltung ist aus unserer Sicht kein geeignetes Modell für nachhaltige und zuverlässige Strukturen. Jedes Jahr ein neuer Spielmodus, Vereine, die sich aussuchen, wo sie spielen – das kann doch beim besten Willen nicht der Wunsch des Eishockeyfans sein. Unsere langfristige Vorstellung, daraus haben wir nie einen Hehl gemacht und dies auch in der 'Agenda 2018' niedergeschrieben, ist, das deutsche Eishockey unter einem Dach zu vereinen, mit 12er-Ligen, ohne autarke Ligenselbstverwaltungen und jeweils einen geregelten Auf- und Abstieg von zwei Clubs durch alle Ligen. Die Gründung einer DEL 2 bringt diese Punkte nicht mit sich, und ein Weg zurück würde sicherlich noch schwerer. Schlussendlich ist es auch eine Frage der künftigen Rollen von DEB und DEL im deutschen Eishockey.“

Hockeyweb: Das ist ja interessant: Sie waren sich mit den Zweitligaclubs einig, die ESBG abzuschaffen?

Hüttl: „Ja, es gibt einen gültigen einstimmigen Beschluss der ESBG-Gesellschafterversammlung, also auch aller Clubs, vom 06.09.10, der am 14.03.11 nochmals bekräftigt wurde, wieder unter das Dach des DEB zurückzukehren und die ESBG aufzulösen. Daraufhin haben wir die Klärung mit dem Finanzamt herbeigeführt, ob und unter welchen Bedingungen Kapitalgesellschaften Mitglied eines gemeinnützigen Verbandes werden können und unsere Satzung entsprechend geändert. Den jetzigen Sinneswandel kann ich mir nur aufgrund der Vorkommnisse im Rahmen der Kooperationsvertragsverhandlungen erklären! Da spielen persönliche Animositäten eben doch eine große Rolle!“

Hockeyweb: Nun scheint eine gerichtliche Entscheidung über die strukturelle Zukunft des deutschen Eishockeys unausweichlich. Bedauern Sie nicht, dass ein öffentliches Gericht anhand von alten Satzungen, Ordnungen und Gesellschaftsrecht statt sachlich-fachliche Zukunftsüberlegungen den künftigen Weg des deutschen Eishockeys bestimmen?

Hüttl: „Es ist für mich völlig unverständlich, dass die erwähnten persönlichen Animositäten [aufgrund des DEB-DEL-Kooperationsvertrages 2011, siehe Teil1] zu diesem Ergebnis führen, und ich habe es nicht für möglich gehalten, dass solche Entscheidungen nicht eishockey-intern in direkten Gesprächen und Diskussionen zu treffen sind. Aber offenbar liegen zudem auch die vielfältigen Partikularinteressen aller Parteien (DEL, Zweitligaclubs, DEB, Landesverbände und anderer Clubs) zu weit auseinander. Der DEB muss als Dachverband aber die Interessen des gesamten deutschen Eishockeys wahren und die basieren auf Satzungen und Ordnungen, um ein geregeltes sportliches und finanzielles Miteinander der Sportler und Clubs aller Ebenen zu gewährleisten. Als Präsidium müssen wir insbesondere die Interessen der DEB-Mitglieder wahren und diese haben sich für unseren Weg stark gemacht.  Deshalb stehen wir nun am Scheideweg für die gesamte Sportart, und sehen hier möglicherweise gar einen Präzedenzfall für andere Sportverbände in Deutschland und darüber hinaus.“

Hockeyweb: Worin sehen Sie die Tragweite der anstehenden Gerichtsentscheidung begründet?

Hüttl: „Es ist die grundsätzliche Frage, ob ein Dachverband noch die Gestaltungshoheit seiner Sportart wahrnehmen und für eine Machtbalance der verschiedenen Interessen all seiner Mitglieder sorgen kann oder ob neun Clubvertreter rechtsverbindliche Verpflichtungen kontinuierlich mit Füßen treten und ihre eigene Suppe kochen dürfen, immer auf der Suche nach einem rechtlichen Schlupfloch. Mit der Stimmrechtsbeschneidung des DEB in der ESBG-Gesellschafterversammlung im vergangenen Juli fing die Auseinandersetzung doch an: die wurde nur vorgenommen, um den sportlichen Absteiger Bremerhaven in der Liga zu halten. So ist die gespielte Abstiegsrunde doch im Nachhinein zur Farce verkommen. Wenn der Sport auf diese Weise bewusst manipuliert wird, muss ein Verband handeln. Dazu sind wir gegenüber unseren Mitgliedern, aber insbesondere auch gegenüber den Fans und Sponsoren verpflichtet. Für die avisierte DEL 2 wird bereits mit Kassel und Frankfurt geplant, obwohl diese Clubs sich sportlich gar nicht für die 2. Liga qualifiziert haben. Damit würde erneut die sportliche Qualifikation ad absurdum geführt. Und schließlich kündigen die Clubs an, selbst im Falle des Unterliegens im selbst angestrengten Gerichtsverfahren eine 'wilde Liga' spielen zu wollen, weil man sich auf keinen Fall irgendwelchen Ordnungen beugen und stattdessen tun und lassen möchte, was man will. - Das macht mir Angst und bereitet mir Sorge. Wer steht dann als nächstes auf und erhebt sich gegen Regelwerke und existente Normen? Damit ist Willkür Tür und Tor geöffnet.“

Hockeyweb: Nun wird aber gerade der DEB von diesen neun Clubs verklagt, weil er sich nicht an die eigene Satzung halte, wonach er mit der ESBG einen Kooperationsvertrag abzuschließen habe. Warum sind Sie so guter Dinge, diesen Prozess zu gewinnen?

Hüttl: „Ich kann mir noch kein Bild über den Ausgang vor Gericht machen – aus meiner Sicht sprechen die Gründe für uns. Und ich bin auch kein Jurist, aber in kurzen Worten: die ESBG hat den Kooperationsvertrag mit dem DEB und den Landesverbänden einseitig gekündigt. Nun kann sie nicht darauf bestehen, dass ein neuer Vertrag, zu eigens definierten Konditionen, mit ihr abgeschlossen wird. Zudem sind wir der Pflicht, einen Spielbetrieb mit dem Angebot einer 2. Bundesliga unter dem Dach des DEB anzubieten, nachgekommen. In diesem Zusammenhang haben wir sogar noch weitere Zugeständnisse gemacht [siehe Teil 1 des Interviews!]. Ich weiß nicht, wieviele inhaltlichen Angebote wir noch machen könnten.

Hockeyweb: Hätte es keine anderen Möglichkeiten gegeben, den Konflikt zu lösen? Die Clubs brachten immer wieder die DEL und den DOSB (Deutscher Olympischer Sport Bund) als Vermittler ins Spiel. Warum hat sich der DEB einer Vermittlung verschlossen?

Hüttl: „Der DEB hat sich keiner echten Vermittlung verschlossen, im Gegenteil. Nur ist die DEL ja selbst Partei in dieser Auseinandersetzung und verfolgt dabei deutlich eigene Interessen. Es liegen 3 Vorschläge von drei unabhängigen Personen vor, die auf unterschiedlichen Wegen (z.B. der Mediation) in der Sache vermitteln wollten. Denen stand der DEB stets aufgeschlossen gegenüber, das ist belegt. Sie wurden aber von den Clubs nicht gewollt. Die Vorstellungen liegen mittlerweile jedoch so sehr auseinander, daß ein direktes Gespräch, das hat ja die letzte gemeinsame Sitzung in Frankfurt am 24.05.13 gezeigt, keine Bewegung bringt, so daß Impulse von außen durchaus hätten hilfreich sein können. Jetzt hoffen wir, daß die Gerichtsverhandlung am kommenden Donnerstag ein reinigendes Gewitter gibt, das allen - und ich betone: allen! - gut tut und die Köpfe wäscht.“

Hockeyweb: Andreas Ortwein [Geschäftsführer der Roten Teufel Bad Nauheim] hat die Überlegung ins Spiel gebracht, ein weiteres Jahr im Rahmen der ESBG zu spielen und die kommende Saison zu nutzen, um langfristige Lösungen der drängenden Strukturfragen des deutschen Eishockeys zu lösen? Warum ist das für Sie kein Weg?

Hüttl: „Eine solche Lösung ist für mich nicht nur vorstellbar, sondern naheliegend. Allerdings sollte die Saison in einer 2. Bundesliga unter dem Dach des DEB gespielt werden, weil sie als einzige die nötige Rechtssicherheit gewährleistet. In der ESBG gibt es einfach zu viele offene Fragen, die jede für sich wieder Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen könnte: Man müsste einen neuen Kooperationsvertrag aushandeln, oder spielt man mit dem Wortlaut des alten weiter? Wieviele Stimmen hat der DEB denn wirklich in der Gesellschafterversammlung? Das ist erheblich, um einen neuen Geschäftsführer und einen neuen Aufsichtsrat berufen zu können, der wiederum die Lizenzierungsunterlagen zu prüfen hätte. Es gibt noch keinen Jahresabschluss. Die Verbandsabgaben der letzten Saison in Höhe von 160.000 Euro sind noch immer nicht gezahlt - warum? (Und lassen Sie mich hier anmerken: dieses Geld geht 1:1 der Nachwuchsförderung in Form von Trainingsmaßnahmen verloren. Man schadet also nicht dem ‚bösen‘ DEB, sondern dem deutschen Eishockeynachwuchs, um den sich die Clubs angeblich so bemühen, wenn die Verbandsabgaben nicht gezahlt werden.) Ist das Geld überhaupt vorhanden? Wenn nicht, ist die ESBG möglicherweise überschuldet? Der bestehende Aufsichtsrat wurde in der Ausübung seiner Pflicht zur Überwachung der Geschäftsführung mit Androhung rechtlicher Schritte zurückgepfiffen. Das sind so viele offene Fragen, die einen geordneten Ablauf und Spielbetrieb unwahrscheinlich erscheinen lassen.

Hockeyweb: Sie betonen so oft die notwendige Gestaltungsmacht des Dachverbandes. Dennoch haben Sie sich vor zwei Jahren in der ESBG Ihrer Stimmen enthalten, als es um den Beitritt der ESBG zum DEB-DEL-Kooperationsvertrag und damit unter anderem auch um die Ihnen und dem Fan so wichtige Regelung eines Auf- und Abstiegs ging. Was ist ein Dachverband wert, der seine Regelungsmacht nicht einsetzt?

Hüttl: „Wie ich hier schon sagte [siehe Teil 1 des Interviews], war und ist es unser Credo, uns konsequent nicht in die Selbstverwatung der Clubs einzumischen. Das haben wir selbst in dieser so wichtigen Frage nicht getan. Sie haben aber Recht: wahrscheinlich hätte es uns viele Sorgen erspart und wir hätten heute Ruhe in der Liga und eine sinnvolle Struktur. Damals haben für uns Konsequenz und Verlässlichkeit in dieser Frage höher gewogen. Heute werden wir dafür geprügelt. Vielleicht hätten sich daraus aber andere Probleme ergeben, hätten einige Clubs damals schon aus anderen Gründen dagegen geklagt. Aus heutiger Sicht muß ich für mich selber sagen, würde ich heute anders entscheiden.“

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Im letzten Teil des Interviews sprechen wir morgen über die Struktur-Probleme des deutschen Eishockeys, die Rolle und das Verhältnis zur DEL und die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes.


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