Hüttl: „Eine DEB-geführte 2. Bundesliga brächte nur Vorteile“DEB-Vizepräsident Manuel Hüttl im Interview (Teil 1)

Manuel Hüttl, Vizepräsident des DEB. Manuel Hüttl, Vizepräsident des DEB.
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Hockeyweb: Herr Hüttl, der DEB hat gestern das Angebot einer 2. Bundesliga unter seinem Dach an die neun bisherigen Zweitligisten aus Bietigheim, Bremerhaven, Crimmitschau, Dresden, Heilbronn, Landshut, Ravensburg, Rosenheim und Weißwasser sowie den sportlichen Aufsteiger Bad Nauheim erneuert. Was beinhaltet dieses Angebot im einzelnen?

Hüttl: „Wir haben den sportlich für die 2. Liga qualifizierten Clubs einen geordneten Spielbetrieb unter dem Dach des DEB angeboten. Dafür würden die Clubs, das heißt, neben ihren Stammvereinen auch die für den Spielbetrieb in der 2. Liga verantwortlichen Kapitalgesellschaften Mitglieder des Verbandes mit allen Rechten und Pflichten werden. Wir werden in Abstimmung mit den Clubs speziell für die Verwaltung der Liga (Ligenleitung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit) zuständiges Personal anstellen und sofort die Position eines Vize-Präsidenten für die 2. Bundesliga im DEB-Präsidium schaffen. So garantieren wir die Verzahnung nach unten, also zu den Oberligen und würden unverzüglich mit der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) wieder Verhandlungen aufnehmen über die künftige Verzahnung nach oben. Weiterhin erhält der Meister einen garantierten Startplatz im IIHF-Continental-Cup, der DEB-Pokal würde weitergeführt werden, auch zur Förderung des U20-Nationalteams. Zudem erhalten die Clubs, wie bisher in der ESBG (Eishockey Spielbetriebs GmbH) auch, weitgehende Selbstbestimmungsrechte für ihre Durchführungsbestimmungen, also hinsichtlich Ausländerzahl, Förderlizenzregelungen, U23-Spielerzahl etc.“

Hockeyweb: Welche Vorteile hätte diese 2. Bundesliga?

Hüttl: „Nun, vor allen Dingen brächte sie Rechts- und Planungssicherheit für alle Beteiligten: Clubs, Fans, Sponsoren, Investoren und nicht zuletzt auch für die Spieler und Club-Angestellten. Das jährliche Geschachere um Auf- und Abstiege, Organisationsformen und all diese Dinge in zumeist auch öffentlichen Gerichtsverfahren muss endlich ein Ende haben. Diese Struktur unter einem Dach bietet klare und eindeutige Zuständigkeiten sowie Entscheidungswege. Sie führt zu einer Vereinfachung zahlreicher Abläufe und minimiert Reibungsverluste. So können endlich nachhaltige, verlässliche Spielmodi geschaffen werden, die länger als nur ein Jahr Gültigkeit haben. Nur so lässt sich insgesamt die Attraktivität des Eishockeysports in Deutschland für Fans, Sponsoren und Medien mittel- und langfristig wieder erhöhen.“

Hockeyweb: Und welche konkreten Vorteile hätte sie für die Clubs?

Hüttl: „Nun, die 2. Bundesliga könnte den kompletten Verwaltungsapparat des DEB (Buchhaltung, Gerichtsbarkeit, Marketing u.a.) nutzen und damit Synergieeffekte wahrnehmen und Kosten sparen. Alle Clubs hätten nur die einheitlichen Abgaben gemäß DEB-Gebührenordnung zu entrichten und keine zusätzlichen Verwaltungsaufwendungen für eine eigene Gesellschaft zu finanzieren. Vor allem aber erhalten sie durch ihre direkte Mitgliedschaft im DEB auch volle Mitwirkungsrechte im Verband, wie die Teilnahme an Präsidiums- und Schiedsgerichtswahlen, Antragsrecht etc. Und sie könnten sich aktiv und konstruktiv als gleichberechtigte Mitglieder an den Diskussionen und Entscheidungen zur Weiterentwicklung des Eishockeysports in Deutschland beteiligen.“

Hockeyweb: In der öffentlichen Diskussion der letzten Wochen wird oft gemutmaßt, dass dieses Modell schon an der Mitgliedschaft von Kapitalgesellschaften im DEB scheitern und der Verband seine Gemeinnützigkeit verlieren könnte. Ist diese Sorge berechtigt?

Hüttl: „Nein! Diese Konstruktion ist gemäß verbindlicher Auskunft des Finanzamts München für die Gemeinnützigkeit des DEB unschädlich, sofern mit dem Finanzamt abgestimmte Kooperationsverträge zwischen den jeweiligen Stammvereinen am Spielort und den Kapitalgesellschaften geschlossen werden.“

Hockeyweb: Es wird von den Befürwortern einer Abspaltung der 2. Liga in eine DEL2 argumentiert, eine Profi-Liga müsse von Profis in einer professionellen Struktur geführt werden. Ist das nicht plausibel?

Hüttl: „Das ist absurd! Wir haben mit der ESBG doch seit 12 Jahren eine solche "professionelle Struktur“ gehabt. Die Clubs hatten doch die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Selbstverwaltung die Liga "professionell" zu gestalten. Und nun soll eine neue Gesellschaft die Lösung sein? - Die Entwicklung der ESBG stützt dieses "Profis für Profis"-Argument jedenfalls nicht: Weder konnten die Clubs vor Insolvenzen bewahrt, noch Erfolge bei der Vermarktung erzielt werden. Auch in der DEL ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Da erinnere ich nur an die Insolvenzen der Kassel Huskies, der Frankfurt Lions und nun an den Rückzug der Hannover Scorpions allein in den letzten 3 Jahren. Zudem muß ich mich wundern, daß Clubs einer Liga, von denen nicht einmal eine Handvoll positive Zahlen erwirtschaftet und nun mit den Hannover Indians sogar einer der drei Zuschauermagneten zurückziehen muss, für sich alleinige Professionalität in Anspruch nehmen. Im Eishockey gibt es auf allen Ebenen einen wirtschaftlichen Leidensdruck. Doch anstatt alle Kräfte zu bündeln und gemeinsame Lösungsmöglichkeiten zu skizzieren, wird mit solchen Scheinargumenten nur Rebellion und Aufruhr betrieben."

Hockeyweb: Die neun Clubs entgegnen darauf, die ESBG sei vom DEB dominiert gewesen und an ihrer Entwicklung gehindert worden. Deshalb müßten sie sich nun befreien. Können Sie diesen Vorwurf nachvollziehen?

Hüttl: „Im Gegenteil: Dem muss ich vehement widersprechen! Entgegen all diesen Aussagen hat sich der DEB nachweislich – das lässt sich anhand der Sitzungsprotokolle ja lückenlos belegen - stets aus den Entscheidungen der Clubs zur Ligenselbstverwaltung herausgehalten. Selbst bei dem knappen Ablehnungsbeschluss über den Beitritt der ESBG zum aktuellen Kooperationsvertrag von DEB und DEL im Jahre 2011 hat der DEB nicht von seinen mehrheitlichen Stimmen Gebrauch gemacht, sondern sich der Abstimmung enthalten. Auch die daraufhin erfolgte Abschaffung der Förderlizenzregelung und die Weigerungshaltung, Freundschaftsspiele gegen DEL-Clubs zu bestreiten, war keine Anordnung des DEB, sondern die freie Entscheidung der ESBG-Club-Mehrheit.“

Hockeyweb: Genau dieser Kooperationsvertrag gilt als Ursache der jetzigen Konfrontation: die ESBG-Clubs werfen dem DEB, und hier insbesondere seinem Präsidenten Uwe Harnos, „Verrat“ ihrer Interessen vor und bezichtigen ihn der fortgesetzten Lüge. Sie waren bei den Verhandlungen selbst zugegen: Haben diese Clubs Recht?

Hüttl: „Es steht die Aussage von Uwe Harnos im Raum, keinen Kooperationsvertrag ohne eine verbindliche Auf- und Abstiegsregelung mit der DEL auszuhandeln. Damit haben wir als DEB Erwartungen geweckt, die dann in den Verhandlungen mit einem autonomen Partner DEL nicht vollends durchzusetzen waren. Insofern war diese Aussage ein Fehler und Uwe Harnos hat sich dazu bereits mehrfach gegenüber den ESBG-Clubs persönlich erklärt. Die Verhandlungen mit der DEL wurden aber vom gesamten DEB-Präsidium geführt und getragen und wir saßen am Ende zusammen und waren gemeinsam der Meinung, das maximal mögliche Verhandlungsergebnis erzielt zu haben. Insofern trägt nicht ein Einzelner, sondern wir alle gleichermaßen die Verantwortung dafür.“

Hockeyweb: Aber inhaltlich war das Verhandlungsergebnis für die Zweitligisten wohl unannehmbar. Können Sie das nachvollziehen?

Hüttl: „Aus Maximalerwartung: ja, aus realistischer Betrachtung: nein. Das zeigt ja auch das knappe Abstimmungsergebnis von 7:4 Stimmen der Clubs selbst. Erinnern wir uns: Der Auf- und Abstieg wäre jährlich sportlich über eine Relegation von DEL-Letztem und Zweitligameister ausgespielt worden, in diesem Jahr also zwischen Düsseldorf und Bietigheim. Wir hatten sogar eine Reduzierung des Stadion-Punkteplans und eine Umwandlung der DEL-Aufnahmegebühr in eine Art 'Kautionsmodell' erreicht, die nach einem Abstieg zurückgezahlt worden wäre, um den Aufstieg auch infrastrukturell und finanziell praktisch zu erleichtern. Vergessen wir nicht: für dieses Ergebnis war ein einstimmiger Beschluss aller DEL-Clubs notwendig – ich weiß nicht, wann eine solche Chance nächstmals wieder besteht. Das war, zugegeben, nicht die Maximalforderung, doch wir hatten die gewünschte Verzahnung erreicht; eine Relegation wäre ein Anfang gewesen und hätte vor allem auch einen zusätzlichen sportlichen und finanziellen Reiz gehabt.“

Hockeyweb: Es heißt schließlich von den Befürwortern einer DEL2, sie diene der Nachwuchsförderung und damit der Stärkung der Nationalmannschaft. Müssen Sie daran nicht auch interessiert sein?

Hüttl: „Natürlich sind wir daran interessiert. Ich habe bislang jedoch nicht eine Idee zur Nachwuchsförderung gehört, die in einer DEB-geführten 2. Liga nicht umzusetzen wäre, egal ob Ausländerkontingent, Förderlizenzbestimmungen oder Mindestkaderzahlen von jungen Spielern oder dergleichen. - Es gibt de facto keinen schlüssigen Grund, sich gegen das Konzept der 2. Bundesliga unter dem Dach des DEB auszusprechen, aber es gibt viele gute Gründe dafür.“

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Im nächsten Teil des Interviews sprechen wir mit Manuel Hüttl über die anstehende gerichtliche Auseinandersetzung und mögliche Konsequenzen, die Rolle und das Verhältnis zur DEL und andere Strukturfragen des deutschen Eishockeys.

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