Hoad und Stevens erlösen die Löwen - Klassenerhalt gesichert

Heimpleite gegen BietigheimHeimpleite gegen Bietigheim
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Neue Seite 1

Was vor der Saison niemand für möglich gehalten

hat ist nun vollbracht. Die Tölzer Löwen sichern sich in eindrucksvoller

Manier frühzeitig den Verbleib in der zweiten Eishockey-Bundesliga. Nach dem

erneuten Sieg gegen Heilbronn steht der Nichtabstieg bereits drei Spieltage

vor Ende der Abstiegsrunde fest. Vier Siege aus fünf Begegnungen bedeuten

sogar den tabellarischen Spitzenplatz, punktgleich mit dem ESV

Kaufbeuren. Der Spielverlauf an diesem Abend verlief analog zur Partie am

Freitag. Ein lange Zeit ausgeglichenes Spiel, das die Buam in der Endphase des

Spiels aufgrund von Vorteilen in Sachen Physis und Willen

verdientermaßen zu ihren Gunsten entschieden. Weitere Parallelen gab es bei

den Scorern. Wie schon vor zwei Tagen war es ausschließlich die erste

Sturmreihe um Jeffrey Hoad, Rod Stevens und Sebastian Kottmair, die für die

Treffer sorgte. Knapp 3000 Zuschauer waren nach dem Spiel restlos aus dem Häuschen

und verwandelten die Hacker-Pschorr-Arena in ein Tollhaus.

 

Die knappe Führung der Falken nach dem ersten

Drittel war zweifelsohne glücklich. Zwar war die Mannschaft von

Interimstrainer Wittmann durchaus gewillt, ihre letzte Chance beim Schopf zu

packen, doch hätten die Tölzer nach Pfostentreffern von Derek Mayer und

Jeffrey Hoad ohne Weiteres komfortabel in Front liegen können. So aber

reichte ein Überzahlspiel der Gäste aus, um sich frühzeitig in eine gute

Ausgangsposition zu bringen. Fabio Carciola gab dem Blueliner von Christian Völk

die entscheidende Richtungsänderung.

 

Nach dem Wechsel legten die Löwen noch

einen Zahn zu. Der Wille dieses Spiel zu gewinnen und damit den Druck der

Abstiegsrunde abzuschütteln, war deutlich erkennbar. Morgan Warrens Prüfung

aus spitzem Winkel bestand Mike Rosati im Falken-Gehäuse noch, beim Schuss

von Trevor Demmans wenig später war er machtlos. Demmans profitierte in

dieser Szene von einem Ausrutscher seines Gegenspielers, welcher ihm zum nötigen

Raum für einen präzisen Abschluss verhalf. Jetzt waren die Hausherren im

Spiel und übten den erwarteten Druck auf die Schwaben aus. Stevens scheiterte

knapp im Powerplay, Zeller zwang Rosati zum Spagat. Was in numerischer Überlegenheit

nicht gelang, klappte in Unterzahl. Rod Stevens machte sich über die linke

Seite zu einem Break auf und versenkte die Scheibe flach unter der Fanghand

Rosati´s. Der Ausgleich durch Björn Friedl per Rückhandschlenzer nur zwei

Minuten nach der Tölzer Führung war das Produkt aufkommender Nachlässigkeiten

im gelb-schwarzen Deckungsverbund.

 

Die letzten zwanzig Minuten sollten eine

Belohnung für das treue Publikum der Isarwinkler werden. Sepp Keller aus

aussichtsreicher Position und der wiedererstarkte Demmans im Fallen hätten

bereits für die erneute Führung sorgen können, beide Male zeigte Mike

Rosati jedoch, dass er im hohen Alter durchaus noch zum Kreise der passablen

Fangkünstler gehört. Beim Treffer von Florian Curth war aber auch der

Ex-Mannheimer geschlagen. Eine starke Einzelleistung von Christian Urban

leitete die Aktion ein, die vom jüngeren der beiden Curth-Brüder überlegt

abgeschlossen wurde. Dieses Erfolgserlebnis war dem 29-jährigen zu gönnen,

schließlich sind Tore des kleinen Stürmers mit dem großen Kämpferherz keine

alltägliche Geschichte. Wiederum im Powerplay kam das Tabellenschlusslicht

ein letztes Mal zurück. Eine sehenswerte Vorlage von Shawn Heaphy mit der Rückhand

mündete in einem unhaltbaren Gewaltschuss von Christian Völk. Sebastian

Kottmair war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr mit dabei. Ein Schläger

traf ihn an der Hand, gerade als er seinen Handschuh nicht richtig übergezogen

hatte, was zu einer heftigen Schwellung führte. Die Paradereihe

wurde jeweils abwechselnd durch eine Offensivkraft der anderen

Formationen ergänzt. Nichtsdestotrotz drängten die Hausherren nun vehement

auf die Entscheidung, die exakt fünf Minuten vor Spielende auch tatsächlich

fiel. Trevor Demmans trieb den Puck bei einem schnellen Angriff weit in die

Heilbronner Sektion und hatte das Auge für den hinter ihm mitlaufenden Jeff

Hoad, der wiederum mit einem platzierten Schlenzer für einen Aufschrei der

Erlösung beim eigenen Anhang sorgte. Stevens und Hoad hatten Augenblicke nach

dem 4:3 weitere formidable Gelegenheiten, die Angelegenheit endgültig

abzuschließen. Um wieder zu den anfangs angesprochenen Vergleichen zum

Spiel am Freitag zurückzufinden: Der Versuch mit dem sechsten Feldspieler

anstelle von Rosati ging auch dieses Mal schief, nur ungleich schneller. Neun

Sekunden durften sich die Falken Hoffnungen machen, was zeitlich einem

gewonnenen Bully und dem finalen Konter über Rod Stevens entsprach.

 

Die anschließenden Jubelarien hätten eher auf

einen errungenen Titel schließen lassen, wobei das jetzt Erreichte als nicht

minder sensationell zu bewerten ist. Löwen-Dompteur Hans Rothkirch kam auf

die Eisfläche und bedankte sich beim Publikum für die unglaubliche Unterstützung

in einer sehr harten Saison und wurde vom Tölzer Anhang entsprechend

gefeiert. Gästecoach Wittmann zeigte sich als äußerst fairer Verlierer. Er

strich den Charakter seiner Mannschaft heraus, die sich zuletzt in den

schweren Wochen nicht aufgegeben hat, hatte aber auch Glückwünsche für die

Tölzer Mannschaft und das tolle Stadion übrig. Hans Rothkirch platzte fast

das Gesicht, so strahlte er. Er begründete den Erfolg mit dem unbändigen

Teamgeist seiner "Buam" und verwies stolz auf die Einzigartigkeit im

deutschen Profi-Eishockey, mit 15 einheimischen Spielern anzutreten.

Bemerkenswert am Rande: Bei der Wahl zu den besten Mannschaftsspielern wurde

neben dem Heilbronner Völk das gesamte Löwenteam nominiert. (orab)

 

Tore:

0:1 (04:38) Caricola (Völk, Dunham 5-4)

1:1 (23:42) Demmans (Hoad,Mayer)

2:1 (32:34) Stevens (Demmans  4-5)

2:2 (34:43) Friedl (Draxler)

3:2 (44:47) F.Curth (Urban)

3:3 (50:01) Völk (Heaphy  5-4)

4:3 (55:00) Hoad (Demmans)

5:3 (58:56) Stevens (Hoad, Warren - empty net)

Strafen: Bad Tölz  12  - 

Heilbronn  10

Schiedsrichter: Roland Seckler

(Geretsried), Linesmen: R.Hauber (Apfeldorf), R.Schneider (Füssen)

Zuschauer: 2587