Heißt von der Schweiz lernen, siegen lernen?Wie sich das Schweizer Eishockey reformierte

Heißt von der Schweiz lernen, siegen lernen?Heißt von der Schweiz lernen, siegen lernen?
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Das „Schweizer Modell“ wird gerne als Schlagwort benutzt. Das „Schweizer Modell light“ wäre sozusagen die Bündelung aller Kräfte unter einem Dach. Das aber ist nur eine der offensichtlichen Veränderungen, die vor fast genau zwei Jahren herbeigeführt wurde – in ihrer Struktur geht es aber darüber hinaus.

Die Swiss Ice Hockey Federation entstand aus einem Zusammenschluss des bisherigen Verbandes (ursprünglich Schweizerischer Eishockeyverband, SEHV; Umbenennung 2001 in Swiss Ice Hockey Association, SIHA) mit der National League und der Regio League. Die NL war und ist zuständig für die Organisation des Spielbetriebs in den beiden höchsten Spielklassen, der NLA und der NLB. Die Regio League ist am ehesten mit den deutschen Oberligen und den sich nach unten anschließenden Ligen der Landesverbände zu vergleichen. Aber Vorsicht, „am ehesten“ heißt natürlich nicht „zu 100 Prozent“.

Schon drei Jahre vor dem Zusammenschluss zur neuen Swiss Ice Hockey Federation gab es Ideen, die in diese Richtung gingen. In der frühen Phase gab es in der Schweiz durchaus Widerstände gegen dieses neue Konstrukt, weil die Clubs befürchteten, an Einfluss zu verlieren. Dennoch wurden 2010 die Weichen gestellt, um das neue, gemeinsame Dach für das Schweizer Eishockey auf den Weg zu bringen.

In der Struktur sieht es so aus, dass nachgeordnet zu einem „General Meeting“, in der deutschen Verbandsstruktur würde man wohl von einer Mitgliederversammlung sprechen, ein Verwaltungs- bzw. Aufsichtsrat existiert, dem wiederum der „CEO“ (Chief Executive Officer), auf Deutsch am ehesten ein Geschäftsführer, untersteht. Verwaltungs-/Aufsichtsrat und CEO obliegt das operative Geschäft, weshalb sie im Rahmen der Statuten mit nicht unerheblichen Gestaltungskompetenzen ausgestattet sind. Danach splittet sich die Struktur wie folgt auf: Dem Bereich Elitesport zum einen gehören die beiden Profi-Spielklassen der National League (also NLA und NLB), die Nationalmannschaft sowie das für die Profiligen zuständige Schiedsrichterwesen an. Die NL bleibt, im Rahmen der SIHF-Statuten, autonom und wurde zur 100-Prozent-Tochter der Swiss Ice Hockey Federation. Dem Geschäftsbereich Ausbildung und Amateursport zum anderen sind seiner Bezeichnung gemäß die Sparten Ausbildung/Entwicklung, die Regio League (Amateurligen) mit dem wiederum dafür zuständigen Schiedsrichterwesen, die Verbandssportgerichtsbarkeit und der Verbandsservice (Verwaltung, Spielertransfer etc.) zugeordnet. Finanz- und Marketingabteilungen wirken übergreifend (siehe Organigramm). 

Die erfolgreich vollzogene Zusammenführung des Schweizer Eishockeys unter dem Dach der Swiss Ice Hockey Federation ging mit der klaren Aufteilung von Zuständigkeiten und Aufgaben einher. Das Bemerkenswerte an dieser Entwicklung: Die Entscheidung, sich in dieser Weise zu organisieren, verlief zwar nicht ohne Widerstände, aber mit deutlich weniger Lärm, als es derzeit im Streit um die Zukunft der zweiten deutschen Spielklasse der Fall ist. Das setzte letztlich die Einsicht aller Beteiligten voraus, für eine Einigung und eine zukünftig konstruktive Zusammenarbeit zum Wohle des Schweizer Eishockeys in seiner Gesamtheit auch eigene Positionen aufzugeben. Tatsächlich war es so, dass die Gesellschafter der National League, also die Clubs, und die Regio League auf Kompetenzen verzichtet haben, um miteinander arbeiten zu können. So hat hat der Profibereich durch die Eingliederung der Nationalmannschaft in die Abteilung „Elitesport“ sowie die Besetzung relevanter Positionen zwar an Einfluss gewonnen, die Regio League, also das regionale Amateureishockey, steht in diesem Konstrukt dennoch im direkten Blick der Swiss Ice Hockey Federation. 

Was bedeutet das für den aktuellen Streit um die zweite deutsche Liga? Erst einmal muss jedem klar sein, der Gefallen am „Schweizer Modell“ findet, dass eine 1:1-Übertragung (!) auf das deutsche Eishockey oder das irgendeines anderen Landes schwer vorstellbar ist, einfach weil die (z.B. die rechtlichen) Gegebenheiten im Vorfeld einer solchen Entwicklung andere sind. Beispielsweise gehörten die NLA und NLB ohnehin zusammen. Eine DEL 2 nach jetzigem vorgeschlagenen Muster durch die Mehrheit der ESBG-Vereine hätte insofern noch nichts mit dem gemein, sondern wäre – wie die ESBG – eine eigenständige Gesellschaft. Und bei allen Absichtserklärungen für eine gemeinsame Handlungsweise mit der DEL wäre ein Bruch jederzeit möglich. Aber auch mit dem DEB-Konzept wären wir nicht bei einem „Schweizer Modell“, da zum einen die DEL als eigenständige Organisation weiterhin existieren würde und der Verband selbst in der Öffentlichkeit nicht gerade mit einer ausgeprägten Reformbereitschaft von sich reden machte. Beide Seiten mögen für sich in ihrem Teile des Schweizer Konzepts (gemeinsame Profistruktur hier – ein Dach, weil ein Akteur in Form der ESBG weniger dort) erkennen, das gleiche ist es deswegen aber noch lange nicht.

Was die Vertreter aller beteiligten Lager am Beispiel des „Schweizer Modells“ allerdings lernen können, ist: Eine Zusammenarbeit aller Bereiche ist denkbar! Es ist machbar, dass alle Belange in vollem Umfang bedacht werden! Es war in der Schweiz umsetzbar, weil man miteinander und nicht übereinander gesprochen hat!

Geboten ist jedoch, ob sich die Vernunft auf Seiten von Verbands- und Clubbossen auch hierzulande durchzusetzen vermag oder nicht, offen zu sagen: Auch das „Schweizer Modell“ ist nicht zu 100 Prozent perfekt. Auch in der Schweiz wird der Aufstieg von der 1. Liga (der Regio League) in die NLB oder von der NLB in die NLA verwährt, wenn gewisse Voraussetzungen (z.B. die Spielstätten betreffend) nicht erfüllt sind. Auch in der Schweiz geraten Clubs noch immer aus den unterschiedlichsten Gründen in finanzielle Probleme – in der Gesamtstruktur aber scheint es seit zwei Jahren recht gut zu laufen.

Über das „Schweizer Modell“ reden heißt nicht, dass es 1:1 übertragbar wäre oder dass es das Wundermittel gegen alle Probleme des deutschen Eishockeysports ist. Das „Schweizer Modell“ ist erst einmal nichts anderes, als der Weg, den die Schweiz beschritten hat, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Für Eishockey-Deutschland bleibt aber dringend zu hoffen, dass möglichst bald von einem „deutschen Modell“ die Rede sein kann, das mindestens genauso zukunftsweisend ist. Und dass die Sommerpause dann auch wirklich wieder das ist: eine Pause, ehe es ab Herbst um Sport geht. Und nur um den Sport! 

Viertelfinalvorschau: Tölzer Löwen – Ravensburg Towerstars
Wird der Favorit aus Oberbayern seiner Rolle gerecht?

​Die Rollen sind klar verteilt – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Viertelfinalserie in der DEL2 zwischen den Tölzer Löwen und den Ravensburg Towerstar...

Nicklas Mannes ist der erste Neuzugang
Vladislav Filin bleibt bei den Dresdner Eislöwen

​Die Dresdner Eislöwen können eine weitere Vertragsverlängerung und den ersten Neuzugang für die Saison 2021/22 vermelden. ...

Stürmer verlängert beim EC Bad Nauheim
Stefan Reiter bleibt ein Roter Teufel

​Beim EC Bad Nauheim schreiten die personellen Planungen voran: Nachdem Keeper Felix Bick vor wenigen Tagen seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag gesetzt hatt...

Trainerduo verlängert
Daniel Naud und Fabian Dahlem bleiben bei den Bietigheim Steelers

​Cheftrainer Daniel Naud und sein Assistent Fabian Dahlem werden auch in der kommenden Saison die sportlichen Geschicke bei den Bietigheim Steelers leiten. In der ab...

Nico Pertuch, Fabian Belendir und Moritz Serikow schaffen es in die Profimannschaft
Ein Nachwuchstrio für die Zukunft des EV Landshut

Die Nachwuchsabteilung ist und bleibt auch in der Zukunft das absolute Herzstück des EV Landshut! In der Talentschmiede, in der auch die NHL-Stars Tom Kühnhackl und ...

Raphael Kapzan und Daniel Heinrizi
Ravensburg Towerstars bestellen neue Geschäftsführer

​Die Ravensburg Towerstars haben die personellen Weichen für die Zukunft gestellt und die Geschäftsführung wie bereits angekündigt auf zwei Geschäftsführer verteilt....

Torhüter verlängert
Felix Bick bleibt beim EC Bad Nauheim

​Die Roten Teufel können eine wichtige Personalentscheidung vermelden: Felix Bick hat seinen Vertrag beim EC Bad Nauheim verlängert. Der 28 Jahre alte Torwart ist ei...

Nächster Schritt in der Personalplanung
Max Forster verlängert beim EV Landshut

Der EV Landshut hat dem Personalpuzzle für die kommende DEL2-Saison ein weiteres, wesentliches Stück hinzugefügt. Stürmer Max Forster hat seinen Vertrag bei den Rot-...

Stürmer kommt vom EC Bad Nauheim
Bayreuth Tigers verpflichten Cason Hohmann

​Vom DEL2-Konkurrenten EC Bad Nauheim wechselt Cason Hohmann zu den Bayreuth Tigers. ...

Jetzt die Hockeyweb-App laden!

DEL2 PlayOffs

Donnerstag 22.04.2021
Kassel Huskies Kassel
- : -
Heilbronner Falken Heilbronn
Tölzer Löwen Bad Tölz
- : -
Ravensburg Towerstars Ravensburg
Freitag 23.04.2021
EHC Freiburg Freiburg
- : -
ESV Kaufbeuren Kaufbeuren
SC Bietigheim Steelers Bietigheim
- : -
Löwen Frankfurt Frankfurt
Samstag 24.04.2021
Heilbronner Falken Heilbronn
- : -
Kassel Huskies Kassel
Ravensburg Towerstars Ravensburg
- : -
Tölzer Löwen Bad Tölz
Sonntag 25.04.2021
ESV Kaufbeuren Kaufbeuren
- : -
EHC Freiburg Freiburg
Löwen Frankfurt Frankfurt
- : -
SC Bietigheim Steelers Bietigheim
Montag 26.04.2021
Kassel Huskies Kassel
- : -
Heilbronner Falken Heilbronn
Tölzer Löwen Bad Tölz
- : -
Ravensburg Towerstars Ravensburg
Dienstag 27.04.2021
EHC Freiburg Freiburg
- : -
ESV Kaufbeuren Kaufbeuren
SC Bietigheim Steelers Bietigheim
- : -
Löwen Frankfurt Frankfurt
Aktuelle Online Eishockey DEL2 Sportwetten News mit Quoten & Tipps. Den besten Eishockey DEL2 Wettbonus suchen & finden
Aktuelle Wettangebote für die DEL2