Falken ziehen ins Halbfinale ein

Zwei Siege am Wochenende - Entwarnung bei Jason DunhamZwei Siege am Wochenende - Entwarnung bei Jason Dunham
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Der psychologische Vorteil, was ist das für ein schwammiger Begriff, wenn

sich einfach keiner daran hält? Eine Playoff-Serie, in der nur ein Heimspiel

gewonnen wird und Rückstände und Führungen einfach so egalisiert werden? Was

die Heilbronner Falken und die Moskitos Essen ihren Fans boten, hatte

wahrlich Sensationscharakter. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt

war wohl jede Stimmungslage mindestens einmal dabei. Spiel, Spaß und

Spannung, klingt eher nach einem schokoladigen Nahrungsmittel als nach einer

Eishockeypartie und doch, genau diese Worte beschreiben die Serie der beiden

Kontrahenten.

Die Voraussetzungen für die Heilbronner Falken hatten besser nicht sein

können: als Aufsteiger in der ersten Bundesligasaison gleich auf

Tabellenplatz drei zu landen und sich in den Playoffs das Heimrecht zu

sichern, das hätte kaum einer erwartet. So starteten die Käthchenstädter in

die erste Partie am Gründonnerstag und wurden hart auf den Boden der

Tatsachen zurückgeholt. Die Moskitos schlugen eiskalt zu und fertigten die

Falken auf eigenem Eis mit 6:2 ab. Der psychologische Vorteil lag somit bei

den Moskitos.

Es sah im zweiten Spiel auch zunächst so aus, als ob sie diesen nutzen

würden, führten die Stechmücken doch nach dem zweiten Drittel schon mit 3:1,

doch sie hatten die Rechnung ohne die Falken gemacht. Diese erzielten im

Schlussabschnitt den Ausgleich und setzten sich im Penaltyschießen durch.

Psychologischer Vorteil: Heilbronn.

Die dritte Partie wird wohl ewig im Gedächtnis der Heilbronner und Essener

Fans bleiben. Die Falken dominierten die Partie, ließen Essen kaum eine

Chance und führten nach 57 Minuten und 36 Sekunden mit 6:2. Was dann

geschah, kann man wohl nur mit einem Blackout der Heilbronner erklären.

Innerhalb von zwei Minuten erzielten die Moskitos den Ausgleich. Der Treffer

zum 6:6 fiel zwei Sekunden vor Drittelende. In der Verlängerung konnten die

Mannen von Trainer Jari Pasanen gar den Siegtreffer erzielen. Die Falken

waren am Boden und die Moskitos oben auf.

So auch in der vierten Partie, in der jeder Vorteil bei den heimischen

Moskitos lag. Wäre da nicht diese 3:1-Führung gewesen, die der ESC

herausschoss. Aus irgendeinem nicht erklärbaren Grund bedeutete dieses

Ergebnis für die Falken den Sieg, sie drehten auf, erzielten den Ausgleich

und entschieden das Penaltyschießen für sich. In der Serie stand es nun also

2:2 und noch keine Mannschaft konnte ein Heimspiel für sich entscheiden.

Auch im fünften Spiel sah es zunächst nicht danach aus, dass die Falken

endlich ihren Heimvorteil nutzen sollten, doch ein Schelm wer Böses dachte,

denn nach dem ersten Drittel stand es 3:1 - für die Moskitos. Und wieder

schafften es die Falken den Rückstand zu drehen. 6:3 stand es im letzten

Drittel aus Sicht der Falken, das Zittern begann. Die Angst vom kuriosen

Montagsspiel saß vielen noch im Nacken, doch diesmal konnten die Heilbronner

die Führung verteidigen und so blieb es beim ersten Heimsieg der Serie.

Am gestrigen Sonntag stieg nun das sechste Duell der Serie in Essen. Die

Falken lagen 3:2 in Führung und hatten somit die Möglichkeit den Sack

zuzumachen.

Zunächst zog aber jemand anderes die Aufmerksamkeit auf sich.

Hauptschiedsrichter Ulpi Sicorschi hatte wohl beschlossen erst einmal seinen

Standpunkt klar zu machen, tat dies jedoch zunächst recht einseitig, sodass

sich die Falken des Öfteren im Powerplay wiederfanden. Als sie gar zwei Mann

mehr auf dem Eis waren, wurde die Überzahl genutzt. Luigi Calce fälschte

einen Schuss von Kapitän J.-F. Caudron unhaltbar ab (9.). In der Folgezeit

entwickelte sich ein munteres Spielchen, in dem Essen von Minute zu Minute

stärker wurde. Dies gipfelte im Ausgleich, den der Topscorer der Liga Martin

Bartek erzielte (16.). Mit einem verdienten Unentschieden ging es in den

Mittelabschnitt.

Den begannen die Moskitos deutlich druckvoller und kamen immer wieder

gefährlich vor das Heilbronner Gehäuse. Zunächst blieb aber Danny aus den

Birken Sieger. Doch beim abgefälschten Schuss, der bei Carl-Johan Johansson

seinen Ursprung hatte und Dean Beukers Kelle passierte, hatte der junge

Torwart keine Chance (25.). Die Falken waren nun völlig von der Rolle und

nur 29 Sekunden später musste Aus den Birken erneut hinter sich greifen.

Geisberger schoss zum 3:1 ein (26.). 3:1 - richtig, da war doch was! Ein

Ruck ging durch die Falkencracks und vor allem die Reihe um Luigi Calce,

Matt Elich und Marcus Kink sorgte immer wieder für Torgefahr. Zeitweise

konnten sich die Moskitos bei ihrem Torhüter Jochen Reimer bedanken, der ein

ums andere Mal rettete. Die gefährlichste Reihe der Käthchenstädter sorgte

dann auch für den Anschlusstreffer und wieder war der Vollstrecker Luigi

Calce, der gegen seinen Ex-Verein zu Hochtouren auflief.

35 Sekunden waren im letzten Drittel gespielt, als der Italo-Kanadier mit

deutschem Pass erneut in Erscheinung trat und den Ausgleich erzielte. Die

Falken hatten zum vierten Mal in dieser Serie einen 1:3-Rückstand aufgeholt

und das schien die Moskitos zu lähmen. Es lief kaum noch etwas nach vorne

und wenn doch, war entweder die Verteidigung der Falken oder Torwart aus den

Birken zur Stelle. Die Falken versäumten es zunächst trotz einiger Chancen

den Sack zuzumachen und verhalfen den Stechmücken wieder ins Spiel. Essen

machte noch einmal Druck und warf alles nach vorne, doch es sollte nichts

helfen. Bei einem Angriff der Falken gewann Frank Mauer den Puck an der

Bande im Zweikampf, kurvte um das Tor und schoss frei vor Reimer zur

4:3-Führung der Falken ein (52.). Warum Mauer völlig unbedrängt im Drittel

der Moskitos seinen Kreis ziehen durfte, wird wohl ungeklärt bleiben. In den

letzten Minuten war die Spannung greifbar, die Uhr lief runter und die

Falken zogen ins Halbfinale ein.

Eine Serie ging zu Ende, die an Spannung und Kuriositäten kaum zu überbieten

sein dürfte. Wer hätte gedacht, dass das Team mit Heimrecht nur ein

Heimspiel gewinnt und trotzdem weiter kommt? Wer hätte geglaubt, dass eine

Mannschaft, die eine 6:2-Führung innerhalb weniger Minuten verspielt, diesen

Nackenschlag wegsteckt? Wer hätte gedacht, dass eine Mannschaft viermal

hintereinander einen 1:3-Rückstand umbiegt? Manch einem wird diese Serie

noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Auf und neben dem Eis gab es eine

Vielzahl schöner Momente. Bezeichnend dafür, dass die Teams beider

Mannschaften am Ende gemeinsam ihre Mannschaften feierten. Für die Moskitos

geht es nun in die Sommerpause, während die Falken am Freitag die erste

Halbfinalpartie gegen den EV Landshut bestreiten. Heilbronn ist in dieser

Serie klarer Außenseiter, doch mit dem Kampfgeist und Siegeswillen werden es

die Jungs von Rico Rossi auch den Kannibalen nicht einfach machen. (FG)

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