Erneuter Neustart für die Bietigheim Steelers notwendig – oder: die fetten Jahre sind vorbei?!Hauptrunde endete für die Ellentaler in der Mittelfeld-Tristesse

Ein alter Bekannter an der Steelers-Bande - Daniel Naud (Foto: dpa/picture alliance)Ein alter Bekannter an der Steelers-Bande - Daniel Naud (Foto: dpa/picture alliance)
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Zu Saisonbeginn wackelte bereits der Trainer der Vorsaison: der Kanadier Hugo Boisvert. Ihm wurde seitens der sportlichen Leitung nochmals das Vertrauen ausgesprochen und mit einem durchaus wettbewerbsfähigen Kader ausgestattet. Dennoch wollte man seitens der Führung den Spagat schaffen, mit geringeren Ausgaben die Erfolge aus der Gaudet-Ära zumindest nicht in ganz weite Ferne rücken zu lassen. Doch bereits jetzt mochte man erahnen, dass die Saison etwas holprig werden konnte – die vierte Kontingentstelle blieb (vorerst) unbesetzt und im Tor startete man ungewohnt mit einem Export-Goalie: Stephon Williams kam aus der Slowakei und erlebte eine wechselhafte Saison.

Zwischen starkem Rückhalt und teilweise unsicheren Aktionen, gerade in wichtigen Spielen, war von Allem etwas dabei. Gerade in den Pre-Playoff-Spielen gegen die Joker aus Kaufbeuren machte der Keeper aus Alaska nicht immer den sichersten Eindruck – dennoch eine solide Saison, die nicht mit einem weiteren Vertragsjahr belohnt wurde. Die Steelers vermeldeten bereits den sicheren Abgang.

Ein Spieler für die Zukunft kann hingegen der junge Torhüter Cody Brenner werden: im richtungsweisenden Derby gegen den Nachbarn aus dem Unterland wurde Brenner kurzerhand ins kalte Wasser (oder aufs das kalte Eis) geworfen und sicherte mit einer starken Leistung zunächst den (später wertlosen) Klassenerhalt sowie den Einzug in die Pre-Playoffs.

In die Defensive kehrte mit Tim Schüle ein „local hero“ zurück an alte Wirkungsstätte und zeigte sogleich, wie wichtig er für seine Farben sein kann. Als Identifikationsfigur und Publikumsliebling, genauso als Leader und Powerplay-Spezialist. Gerade nach seiner Verletzung (just im Spiel gegen seine vormaligen Kollegen aus Frankfurt) lief in Überzahl kaum mehr etwas, der Druck von der blauen Linie nahm sukzessive ab und seine Schulterverletzung legte ihn für den Rest der Saison außer Gefecht.

Ein weiterer Kontingentspieler war der frühere „Fuchs“ und Kanadier Chris Owens, der auf beidseitigem Wunsch den Verein noch vor Ende der Hauptrunde verließ. Geschätzt als Kollege, blieb er auf dem Eis die Erwartungen eines Import Spielers oftmals schuldig.

Mit viel Playoff-Erfahrung aus Frankfurt kam der Deutsch-Kanadier Brett Breitkreutz nach Bietigheim, solide 37 Punkte erzielte der Außenstürmer und dennoch hatte man das Gefühl, da ginge noch mehr. Just zu der Zeit, als „seine“ Saison, die Playoffs, sich näherten, war sie auch schon wieder vorbei, die „fünfte“ Jahreszeit – und damit jene Phase im Hockey, in der gerade solche Spielertypen gesucht sind. Mit viel Einsatz, Wille und Emotionen zu spielen, ist genau Breitkreutz seine Stärke, welche in der abgelaufenen Saison nicht so richtig zum Vorschein treten wollte. „Schmutzige“ und einfache Tore fehlten den Ellentälern zu häufig – ebenso alsbald die Ergebnisse, und so wurde der sympathische Franko-Kanadier Hugo Boisvert in seiner ersten Station als Chef-Trainer frühzeitig von seinen Aufgaben nach eineinhalb Jahren entbunden und sein bisheriger Co-Trainer, Marc St. Jean, wurde kurzerhand zum „Übungsleiter“ befördert.

Doch viele Probleme im Bietigheimer Spiel sollten bleiben und ein wirklicher Systemwechsel fand nicht wirklich statt: Überhaupt mochte man sich die Frage stellen, welches Angriffssystem denn nun bevorzugt wird. Einem guten Start sollte die harte Landung auf dem Eis folgen, und entgegen den Worten Vieler, nach derer man nicht nach unten schaue, rückte Platz 11 gegen Saisonende immer näher und ließ die Fans mit Angstschweiß auf der Stirn zurück.

 Ein Verteidiger, der geradewegs von der blauen Linie einfach mal abzieht und ein Stürmer, der die Kelle hinhält: Hockey kann so einfach sein, doch Trainer Marc St. Jean brachte es auf den Punkt und analysierte: „Wir spielen zu kompliziert“. Und da man relativ schnell einsehen musste, dass es mit deren drei Kontingentspieler (Topscorer Matt McKnight blieb den Schwaben erhalten) doch eng würde, legte man zunächst mittels Try-Out – Vertrag nach und es gelang mit der Verpflichtung des französischen Nationalspielers Guillaume Leclerc ein kleiner Coup. Der kleine Flügelflitzer schaffte es zunächst im buchstäblichen Alleingang, die Steelers wieder auf Kurs zu bringen, und belohnte sich mit einer Festanstellung bis Saisonende, doch mit fortlaufender Hauptrunde ging auch dem Franzosen die Torgefahr etwas ab – Zeit, noch einmal aktiv zu werden mit Nummer fünf: dem Kanadier Myles Fitzgerald, welcher bereits kurz zuvor erfolglos bei den Towerstars aus Ravensburg vorspielen durfte. Ein guter Anfang reichte für die Verpflichtung und flugs hatte man statt deren drei nun fünf Kontingentspieler. Wie der DEL2-kundige Fan weiß, das ist einer zu viel und bedeutete das Ende eben jenes Chris Owens.

Die Nachverpflichtungen zeigten derweil die Unausgewogenheit des Kaders. Zunächst, dass man überhaupt nachjustieren musste, und zum anderen hatte man massig Speed im Kader, doch fehlte zu jeder Zeit der Saison der klassische Knipser, der im Slot auf Zuspiele lauert und vor allem eines macht: Tore. Die frühere Angriffsmaschine der Liga, sie stotterte gewaltig. Nur die Roten Teufel aus Bad Nauheim erzielten weniger Tore. Ein mehr als fremdes Bild für das durchaus erfolgsverwöhnte Publikum an Metter und Enz. Und je mehr Pressekonferenzen man im Laufe der Saison verfolgte, desto mehr verfestige sich der Eindruck, dass gerade im Powerplay sich eine gewisse Ratlosigkeit im Angriff offenbewahrte.

Marc St. Jean, der dem glücklosen Hugo Boisvert folgte und vom Co- zum Cheftrainer aufstieg, verglich es derweil unter anderem mal so: „Wir spielen Ketchup – Hockey“, was soviel heißt wie: erst kommt lange nix und dann kommt alles auf einmal. Diesen Eindruck konnte man durchaus gewinnen, denn vom Potenzial des Kaders hätte man durchaus auf einen Platz unter den ersten Vieren schielen dürfen, doch es kam bekanntlich anders. Zunächst fehlten die Tore und dann auch die Ergebnisse. Vieles wirkte zufällig und von Einzelaktionen geprägt: Oftmals waren es Treffer der schnellen Angreifer Norman Hauner oder Alex „Speedy“ Preibisch, die mit ihrer Geschwindigkeit durchaus gegnerische Abwehrreihen vor große Probleme stellen können und genauso schnell verpuffte dieser Effekt wieder, weil man sich zu einfache Gegentreffer fing.

Und das, obwohl die Defensive noch zu den Prunkstücken der Liga gehörte: Mit Max Prommersberger, Eric Stephan und Kapitän Niki Goc hat man defensivstarke Verteidiger im Kader und vielleicht nahezu „eine Bank“, doch ein offensivstarker Verteidiger, der auch mal das Spiel aus der Abwehr heraus eröffnete, der fehlte nach dem Ausfall Schüles merklich. Ebenso schmerzlich vermisst wurden Führungsspieler. Ja, ein großes Wort, doch bedenkt man, welches Erbe der jetzige Kader antreten musste, sind die Fußstapfen auch ziemlich groß. Vor Augen führte man das dem Publikum am spielfreien Wochenende im November, als die „27“ des Kanadiers Justin Kelly mit einem Legendenspiel unter das Hallendach gezogen wurde.

Aus Sicht der Fans mit Sicherheit eines der Highlights der Saison, an welche man gerne einen Haken setzt. Zu Beginn der Saison erbrannte zunächst die Diskussion um erhöhte Ticketpreise bei gleichzeitigem Aderlass des Kaders, abgelöst wurden diese durch Diskussionen um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Standorts sowie andauernde Gesprächsthemen rund um das leidige Thema „Altlasten“.

Ebenso ungut auf die Leistungen wirkte sich der Stimmungsboykott von Teilen der Fans auf die Mannschaft aus, welche die fehlende Unterstützung zu spüren bekam – nach ein paar Spielen fingen Teile der Kurve erneut an, das Team zu unterstützen, doch die geschlossene und lautstarke Unterstützung der „Enztalkurve“, sie fehlte. Dass man zunächst mit dem sprichwörtlichen „blauen Auge“ davonkam und das Schlimmste mit den Playdowns noch verhindern konnte wird auf Dauer nicht der Anspruch sein können, den man dem Schwaben verkaufen kann. So trennte man sich nach Saisonende dann schließlich vom einstigen Co- und schließlich Cheftrainer Marc St.Jean.

Der neue starke Mann hinter der Bande soll ein alter Bekannter sein: der ehemalige Headcoach der Eispiraten aus Crimmitschau, Daniel Naud. Ein Ziel für die kommende Saison ist noch nicht bekannt, doch wird es sicher auf einige Aspekte ankommen müssen wie Kampf, Einsatz und der absolute Wille für die Ellentäler alles geben zu wollen; dies waren auch Nauds ersten Worte gegenüber der lokalen Presse.

Für die Zukunft wird man auch verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen (müssen), denn die lokale Ausbildungsstätte erhielt kürzlich vom DEB die „Fünf Sterne“-Auszeichnung. Talente wie Robert Kneisler oder Fabjon Kuqi waren bereits in der vergangenen Saison Teil des Teams – doch durchgängig mit vier Reihen spielte man zu selten. So bekamen die Youngsters zu wenig der dringend benötigten Eiszeit. Auch junge Talente des Kooperationspartners aus Iserlohn bekam man nie bis äußerst selten zu sehen. Seinen Unmut über die Zusammenarbeit bekannte auch der Geschäftsführer Volker Schoch gegenüber unserer Redaktion (Hockeyweb berichtete) mit den Worten: „Die Kooperation war für uns alles andere als befriedigend. Für die Zukunft müssen wir die Kaderbreite mit eigenen Mitteln sicherstellen“. Für die neue Saison versprach Schoch zugleich „attraktives Eishockey und spannende Spiele“. Mit welchem Personal, insbesondere an Kontingentspieler, dies gelingt, steht aktuell nur bedingt fest.

Man darf also gespannt, wie der einstige Serienfinalist wieder in die Erfolgsspur zurückkommen will, und bis dahin werden sich die Anhänger noch gerne an den Abend Justin Kellys, die Protagonisten der „fetten Jahre“ oder Kevin Gaudet zurückerinnern – oder ist der Umbruch doch näher als viele denken?

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