Eispiraten entern Kaufbeurer Sparkassen-Arena

In der neuen Saison mit den Bietigheim Steelers in der DEL - Co-Trainer Fabian Dahlem (Foto: Jan Simecek - www.stock4press.de)In der neuen Saison mit den Bietigheim Steelers in der DEL - Co-Trainer Fabian Dahlem (Foto: Jan Simecek - www.stock4press.de)
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Nur 18 Sekunden vergingen, bis Troy Schwab den ersten Treffer setzte: Er vollendete eine mustergültige Kombination über Cameron Keith und Thomas Pielmeier aus vollem Lauf, frei im Slot, für die Gäste – von Kaufbeurer Gegenwehr nichts zu sehen. Es war, als hätte man sie im Schlaf überrascht. Immerhin kamen sie nun schnell an die Waffen und wehrten sich; ein Torschussverhältnis von 15:4 sprang schließlich im ersten Drittel für sie heraus. Besonderer Beliebtheit erfreute sich dabei ein Raum von zwei Quadratmetern vor dem von Vollmer solide gehüteten Sachsen-Tor: In der 15. Spielminute brachten unter anderem Daniel Menge und Brady Leisenring den Puck aus dieser Position nicht im Gehäuse unter. Eine Minute später versuchten sich zwei andere Joker von dort erfolglos und in den Sekunden vor Drittelende wollten weder Rob McFeeters, allein in dieser Position, noch Mark Soares ihren Kameraden zeigen, wie es besser geht.

Im zweiten Drittel schickten sich listige Joker an, die Schlachtführung nun umzudrehen. In einer Dublette des Führungstors vergaben sie aber, Sekunden nach Wiederbeginn. Ein Lattentreffer von Jacub Körner, drei Minuten später, gab Hoffnung, doch den längst fälligen 1:1-Ausgleichstreffer konnte die sonst nur ein Schattendasein fristende 3. Garde für sich verbuchen, im dritten Nachschuss – endlich. Dummerweise besannen sich die Westsachsen nun sofort wieder auf ihren Auftrag: keine Minute später stellte André Schietzold den Vorsprung erneut her. Und Patrick Pohl spielte mit einem technisch feinen Flippass an der blauen Linie, zwischen Bernhard Ebner und Rob Brown hindurch, den herausragenden Finnen Carlo Grünn frei, der sich die Chance wie selbstverständlich nicht entgehen ließ. Die nun folgenden Strafzeiten hätte sich der kleinlich pfeifende Schiedsrichter Krawinkel auch sparen können und seinen Linesmen statt dessen lieber die Abseitsregel erklärt – für den Spielverlauf hatte all dies keine Auswirkungen.

So starteten die Allgäuer ins letzte Spieldrittel fast zwei Minuten lang mit einem 5-3-Powerplay, das sie allerdings für nur einen Torschuss nutzten. Diesem vergeblichen Treiben wollten entschlossene Crimmitschauer nun nicht länger zusehen: in kurzer Folge schraubten sie das Ergebnis mit konsequent geradlinigem Spiel auf 1:6 in die Höhe. Ein Treffer schöner und selbstverständlicher als der andere. Ihre drei Reihen zeichneten sich dabei gleichgewichtig aus. Damit war das Spiel gelaufen und die Eispiraten begannen wohl von der Aufteilung der Beute zu träumen. Anders ist kaum zu erklären, wie Marco Habermann sich von der blauen Linie aus an der Bande entlang durchspielen und mit einem Bauerntrick auch noch „Joey“ Vollmer zum 2:6-Endstand überwinden konnte.

Die Analyse des Spiels lässt für Kaufbeuren nicht viel Gutes erwarten. Trainer Ken Latta legte zwar Wert auf die Feststellung, daß seine Verteidiger das Spiel nicht verloren hätten, musste aber einräumen, dass „die Eiszeit für vier Verteidiger langsam zu viel“ wird, wiewohl Jannik Woidtke heute als fünfter Mann regelmäßig für Entlastung sorgte. Der Einsatz von Körner und Christof Aßner hatte sich nach Fiebererkrankungen erst am Spieltag entschieden. Ein „passender Defenseman“ sei derzeit nirgends auf dem Markt. Der einzige Kandidat, Jared Ross, ist nun bei den Lausitzer Füchsen unter Vertrag. Besonders bedenklich aber ist, dass mit Rob Brown der Verteidiger Nr. 1 heute bei allen Gegentoren auf dem Eis stand, viermal mit Ebner, zweimal mit Woidtke. – Die dünne Personaldecke in diesem Bereich scheint sich also schon früh in der Saison zu rächen.

Gäste-Coach Fabian Dahlem sieht den Sieg als „Resultat der täglichen Arbeit, Stück für Stück besser zu werden“. Er bemängelte jedoch, „zu viele Chancen zugelassen“ zu haben und richtete den Blick entschlossen voraus auf das Sachsen-Derby am kommenden Sonntag: „Da muss einfach nochmal ein Sieg her!“

Tore: 0:1 (1.) Schwab (Keith, Pielmeier), 1:1 (26.) Schäffler (Grosch, Woidtke), 1:2 (27.) Schietzold (Wycisk, Martell), 1:3 (30.) Grünn (Pohl, Martell), 1:4 (46.) Grünn (Hannes Albrecht, Rau), 1:5 (48.) Schütz (Wycisk, Pohl) 5-4, 1:6 (49.) Schwab (Tory, Keith), 2:6 (56.) Habermann

Strafen: Kaufbeuren 10, Crimmitschau 20

SR: Krawinkel, LR: Janssen, Neutzer


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