Ein Sieg für Moral und SelbstvertrauenDresdner Eislöwen - Kassel Huskies 4:3 n.P.

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Auch nach diesem Spiel stellte man sich wieder die Frage: Einen Punkt verloren oder zwei gewonnen? Und im Gegensatz zur Vorwoche heißt die Antwort hier: Zwei gewonnen. Bis 17 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit (ein Teil der Besucher hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Heimweg gemacht) rannten die Eislöwen einem Rückstand hinterher, den erst Neuzugang Mark Cullen in einer 6 gegen 5 Überzahl egalisieren konnte. Ein gelunges Debüt des 36-Jährigen: natürlich fehlte es dem US-Amerikaner noch ein wenig an Rhythmus und natürlich an Feinabstimmung mit seiner neuen Mannschaft, sein Potential konnte er aber, nicht nur bei seinem Treffer, bereits unter Beweis stellen. Sein Ärger auf der Bank nach verpassten eigenen Chancen lässt zudem auf viel Leidenschaft für seinen Job schließen, also genau das, was jeder Eishockey-Fan sehen will. Jedoch wie auch in der Vorwoche hätte es nicht zum Penaltyschießen kommen müssen. Ließen die Dresdner im ersten Drittel zu viele Chancen liegen, brachten sie die Gäste aus Nauheim im Mittelabschnitt selber besser ins Spiel. Erst in der zweiten Hälfte der letzten zwanzig Minuten und in der Verlängerung konnten die Eislöwen auch das Publikum wirklich begeistern. „Wir hatten schon genug Chancen, um drei Punkte zu holen“, bestätigt Steven Rupprich. „Aber das kommt! Von Kassel bekommt man eben auch keine Geschenke. Die sind läuferisch unheimlich stark, stehen hinten gut und bringen die Scheiben schnell raus. Wir haben über die ganze Zeit an uns geglaubt und dann auch das Tor gemacht. Oft genug passiert das ja auch gegen uns. Aber wir haben, was unser Selbstvertrauen angeht, einen großen Schritt nach vorn gemacht.“ Viel Selbstvertrauen zeigten an diesem Abend Marvin Cüpper und Petr Macholda. Während Cüpper im Penaltyschießen mit stoischer Ruhe alle drei Versuche der Huskies vereitelte, tat Macholda genau das Gegenteil: er verwandelte seine. Wie schon in der letzten Woche sicherte sein Treffer den Zusatzpunkt. Von Druck verspürt der Verteidiger aber nicht: „Ich habe ja eigentlich nichts zu verlieren: treffe ich, haben wir gewonnen. Treffe ich nicht, geht es einfach mit dem nächsten Schützen weiter.“ Nerven hat der Mann…

Aufregend war der Tag auch für Felix Michel. Der 17-Jährige saß das erste Mal in einem DEL2-Spiel bei den Kassel Huskies als Backup auf der Bank. Dabei hatte der Morgen für ihn ganz normal angefangen, nämlich in der Schule: „Ich saß gerade im Englischunterricht, als ich ständig angerufen wurde. Irgendwann hab ich dann mal geschaut, wer es eigentlich ist. Da bin ich dann natürlich sofort raus.“ Verpasst hat er zwei Stunden Physik und Mathematik. „Da wurde ich entschuldigt, soweit ich weiß. Aber ich glaube, meine Lehrer werden es verstehen.“ Michel kommt sonst vorzugsweise in der DNL2 Mannschaft der Hessen zum Einsatz, von daher war der Tag schon etwas Besonderes:„Es war schon alles sehr aufregend. Die ersten Schüsse beim Aufwärmen waren schon etwas Besonderes, auch mit der Profimannschaft auf der Bank zu sitzen.“ Ungewohnt natürlich auch die Kulisse: „Das war definitiv etwas anderes. Bei uns in der DNL2 sind ja nicht so viele Zuschauer da, das sah definitiv besser aus.“ Einsatzzeit bekam er nicht, der ganz große Sprung ins kalte Wasser blieb ihm erspart. Aber was, wenn nicht? „Ich hätte versucht, mein Spiel zu machen und mich nicht von der ganzen Atmosphäre ablenken zu lassen.“

Hochemotional wurde es allerdings vor Spielbeginn: Hugo Boisvert, der die letzten fünf Jahre für die Dresdner Eislöwen auflief, diese die beiden letzten Spielzeiten als Kapitän aufs Eis führte und seine aktive Karriere hier beendete, wurde von der Geschäftsführung offiziell verabschiedet. Der 39-Jährige steht nun als Co-Trainer der Kassel Huskies hinter der Bande seines ehemaligen Vereins und wurde von den Dresdner Fans noch einmal enthusiastisch gefeiert. Vergessen hatte man ihn zuvor in Kassel nicht und danach sieht es auch in Dresden nicht aus. Wer es schafft, bei den Fans mehrerer Vereine so einen Eindruck zu hinterlassen, der muss als Spieler und als Mensch alles richtig gemacht haben.