Dresden verschenkt das Spiel und Kaufbeuren feiert zurecht

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Ein freundlicher Gästetrainer Thomas Popiesch resümierte zwar zunächst, „am besseren Gegner gescheitert“ zu sein, gestand dann aber, daß letztlich „die Strafzeiten Punkte gekostet“ haben, wofür er einzig sein Team verantwortlich machte. Was war geschehen? Bereits in der 5. Spielminute nahm sich Sami Kaartinen durch einen Check gegen Kopf und Nacken fast für den Rest des Drittels selbst aus dem Spiel. Und in der 39. Minute kassierte Patrick Strauch für einen unachtsam hohen Stock mit Verletzungsfolge bei Bernhard Ebner – er mußte mit sieben Stichen am Auge genäht werden und konnte im letzten Drittel weiterspielen - 5 Strafminuten plus Spieldauerstrafe. Zehn Sekunden danach erzielte Daniel Menge den richtungweisenden Treffer zum 1:0.

Ansonsten waren die Eislöwen zumindest in den ersten vierzig Minuten das reifere Team. Mit ihren flüssigen, durchdachten Kombinationen sorgten sie immer wieder für Gefahr vor dem von Stefan Vajs aufopferungsvoll gehüteten Joker-Tor: Zuerst vertändelte Jan Zurek einen Paß von Patrick Jarret in einer 2-1-Kontersituation, dann schaffte er gar das Kunststück, freistehend aus 20 cm den Pfosten zu treffen. Und schließlich nahm sich Kaartinen, vermutlich noch nicht wieder warmgespielt nach seinem langen Strafbankaufenthalt, ein Beispiel an Zurek und vergab ebenfalls ein Jarret-Zuspiel bei einem 2-1-Angriff leichtfertig kurz vor der ersten Drittelpause. Einzig Andrew Mc Pherson konnte Jarret in 3-5-Unterzahl den Puck vom Schläger spitzeln und allein einen Konter fahren, fand aber im wiederum bombensicheren Jordan Parise im Gästetor seinen Meister.

Anfang des zweiten Drittels brannte es oftmals lichterloh vor dem Joker-Gehäuse: Allein Marc St. Jean zielte zweimal am langen Pfosten bei 5-3-Überzahl am leeren Tor vorbei. Gleiches Kunststück schaffte Strauch etwas später. Doch auch Parise, auf der Gegenseite, musste nach Fehler von Bastian Steingroß gegen Brady Leisenring und Rob McFeeters doppelt retten. Ebenso mit zwei sicheren Saves bei Dresdner Unterzahl. Dann kam es zu Strauchs großer Strafe und Menges eher zufälligem Führungstor, als sich der Puck irgendwie den Weg an Parise vorbei bahnte.

In den verbliebenen drei Überzahlminuten zu Beginn des Schlussabschnitts brachten die Joker in einem ganz schwachen Powerplay nicht mehr als einen Schuss aus dem Slot, am Tor vorbei, zustande. Dennoch gelang es ihnen so, Dresden nicht mehr ins Spiel kommen zu lassen und selbst nun zielstrebigere Angriffe vorzutragen. Der schönste Spielzug des Abends, über Christian Grosch, der bereits ab Mitte des Anfangsdrittels für Marco Habermann den zweiten Sturm komplettierte, und McPherson wurde von Mark Soares mit dem Tor zur 2:0-Vorentscheidung veredelt. Zwar steckten die Eislöwen auch danach nicht auf – mehr als der Anschlusstreffer bei 6:4-Überzahl, kurz vor Schluss, sprang aber nicht mehr für sie heraus.

So sahen die Zuschauer ein schnelles, stets spannendes Spiel mit einem glücklichen, aber nicht unverdienten Sieger. Die Elb-Städter haben sich selbst durch ihre großen und persönlichen Strafzeiten sowie das fahrige Auslassen ihrer vielen Torchancen um den Verbleib an der Tabellenspitze gebracht. Ken Lattas bayerische Schwaben zeigten viel Engagement, aber deutliche Schwächen in der Präzision ihres Spiels. So konnten sie die Auseinandersetzung zwar offen gestalten, kamen aber selten zu klaren Chancen.

Am Rande der Bande: Wie lange Back-up-Goalie Stefan Horneber, der durch DNL-Schlussmann Florian Neumann aufgrund einer Virus-Infektion bei den Wertach-Städtern vertreten wurde, ausfallen wird, ist unklar. Sicher aber ist die Absicht der Joker, möglichst schnell einen weiteren Verteidiger zu verpflichten, wie Trainer Latta verriet. Damit soll bereits früh in der Saison eine Fehleinschätzung in der Kaderplanung korrigiert werden, die Hockeyweb bereits im Teamcheck zu Tage brachte: Die Defensive besitzt nicht genügend Tiefe auf Bundesliga-Niveau. Mathias Müller spielt gar nicht, Jannik Woidtke selten. Die DNL-Spieler sind keine Alternative. Trotz nominell 18 Feldspielern brachten die Allgäuer nur 13 Spieler aufs Eis – ein Akteur weniger als die nominell unterlegenen Dresdner. Für den Rest fehlt das Vertrauen.

Tore: 1:0 (39.) Menge (Körner, Leisenring), 2:0 (51.) Soares (Mc Pherson, Grosch), 2:1 (59.) Iberer (Boisvert)

Strafen: Kaufbeuren 16, Dresden 19 + 10 Kaartinen + 20 (Spieldauer) Strauch

SR: Sicorschi, LR: Rohatsch, Schütz


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