Die Eislöwen auf der Suche nach Identität und sorgenfreien ZeitenSaisonvorschau - Dresden

Die Dresdner Eislöwen bleiben an der Tabellenspitze. (Foto: dpa/picture alliance)Die Dresdner Eislöwen bleiben an der Tabellenspitze. (Foto: dpa/picture alliance)
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Sicher, es gab in Dresden schon wildere Jahre, in denen der Sommer von purer Existenzangst geprägt war. Nach solidierenden Jahren unter Volker Schnabel in der Geschäftsführung stellten sich die Sachsen wieder auf gesunde, wenn zugleich auf dünne Beine. Sein Nachfolger Maik Walsdorf setzt dessen Arbeit nahtlos fort und treibt die Professionalisierung des Standorts weiter voran. Und doch muss nun auch sportlich der nächste Schritt gemacht werden. Viel zu oft sprach man in Dresden von der Meisterschaft, spielte dann aber die größte Zeit der Saison gegen die Teilnahme an den Playdowns. An Arbeit neben und auf dem Eis mangelt es auch vor dem Start in die Spielzeit 2020/21 nicht.

Der erwartet große Umbruch blieb im Sommer aus. Mit Marco Eisenhut, Thomas Pielmeier und Petr Pohl ließ man drei Akteure ziehen – bei Mario Lamoureux, Dale Mitchell und Timo Walther (Wechsel nach Nürnberg) waren die Chancen auf eine Weiterbeschäftigung in Dresden gering. Und Dauerbrenner Sebastian Zauner wollte noch einmal etwas Neues machen. Mit der Ausnahme von Zauner setzt man in der Defensive auf bewährtes Personal: Steve Hanusch und René Kramer gehören inzwischen schon zum Eislöwen-Inventar, dazu konnte man auch Kevin Lavallée und Alexander Dotzler für eine weitere Spielzeit, in Verbindung mit einem Gehaltsverzicht, in Dresden halten. Marco Stichnoth, sportlicher Berater der Eislöwen, setzte alle Hebel in Bewegung und konnte auch Spieler wie Jordan Knackstedt und Nick Huard weiter für Dresden engagieren.

Die beiden Cracks bildeten in den beiden Spielzeiten zuvor ein kongeniales Duo und werden auch in der neuen Saison der Dreh-und-Angelpunkt des Dresdner Spiels sein. Der Lette Elvijs Biezais kehrte im Sommer ebenfalls an die Elbe zurück. In der Schlussphase der Hauptrunde 2019/20 saß dieser zumeist als überzähliger Importspieler auf der Tribüne, damit man mit Helenius auf der Goalie-Position nachbessern konnte. Zuvor war aber auch Biezais ein erheblicher Faktor im Spiel der Sachsen. Die Rolle des Thomas Pielmeier soll Neuzugang Christian Neuert einnehmen, der aus Bayreuth kommt. Gerade in diesem Jahr war Geduld auf dem Transfermarkt gefragt. Insgesamt hat Stichnoth für eine gesunde Mischung gesorgt. Auf der einen Seite erfahrene Spieler oder Spieler, die zuletzt woanders nicht ihr Glück gefunden haben, und auf der anderen Seite junge, talentierte Spieler, die unter Rico Rossi in Dresden den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen sollen. Zuletzt verpflichtete man mit David Miserotti-Böttcher noch einen jungen dritten Goalie. Erik Betzold und Louis Trattner (beide aus Freiburg) sowie Silvan Heiß (SC Riessersee) gelten als die neuen jungen Wilden. Dazu gab man in der Vorbereitung auch Bruno Alexander Riedl aus dem eigenen Nachwuchs die Chance. Dieser zahlte gleich mit einem Treffer im Vorbereitungsspiel in Crimmitschau zurück. Einen neuen Anlauf nehmen unterdessen Dennis Swinnen und Vladislav Vilin, vor allem Vilin wird sich noch einmal für die DEL empfehlen wollen. Findet Swinnen zu seiner alten Stärke zurück, wird er zu einer echten Top-Verstärkung für die Dresdner Eislöwen. Auf der Position zwischen den Pfosten hat man sich durchaus auf eine interessante Zusammenstellung festgelegt. An die Seite des erfahrenen Riku Helenius steht der junge Nick Jordan Vieregge. Der noch 18-jährige Vieregge wird dabei auch auf seine Einsätze in der DEL2 kommen und bestätigte die guten Eindrücke auch in den jüngsten Vorbereitungsspielen.

Im Rückblick auf die vergangene Hauptrunde muss sich bei den Dresdner Eislöwen einiges bessern. Vor allem die Defensive war mit 208 Gegentreffer de facto nicht konkurrenzfähig, dazu gesellten sich immer wieder unnötige Strafzeiten durch Undiszipliniertheiten. Die durchaus produktive Offensive mit 188 Treffern wurde damit oftmals völlig „ausgeglichen“. So reichten teils vier oder fünf eigene Treffer nicht aus um zwei oder drei Punkte einzuheimsen. Rico Rossi muss mit seinem Team die Balance finden, nur stürmen oder nur verteidigen wird nicht gewinnbringend sein. Ein gesunder Mix aus stabiler Defensive und produktiver Offensive ist gesucht, dazu sollte man natürlich auch so oft wie möglich von der Strafbank fernbleiben. Die bisherigen Vorbereitungsspiele kommen in diesem Kontext eher einer kleinen Katastrophe gleich. Spielte man beim eigenen Turnier noch gut auf (8:1 gegen Riessersee und 2:5 gegen München), setzte es in der Folge Niederlagen gegen Crimmitschau, Weißwasser, Rostock und Bayreuth. In Crimmitschau reichte es abermals trotz fünf eigener Treffer nicht zum Sieg. Hinzu gesellt sich eine Flut an Strafzeiten und ein stockendes Überzahlspiel. Während die Fans bereits alarmiert der startenden Saison entgegenblicken, behält Trainer Rossi die Ruhe. Mit Kaufbeuren, Weißwasser und Crimmitschau warten allerdings gleich drei Scharfrichter auf die Sachsen.

Fazit: In Dresden hat sich über die letzten Jahre neben und auf dem Eis einiges getan. Der Standort wächst in kleinen Schritten, Identität und Erfolg fallen nicht vom Himmel - beides muss man sich erarbeiten und sportlich muss nun ebenfalls ein Schritt nach vorn erfolgen. Ansonsten verkommt man an der Elbe doch etwas zur grauen Maus der Liga. Das hätte man in Dresden bei allem Aufwand, den man betreibt und dem durchaus gutem Kader nicht verdient. Doch darauf muss nun die Mannschaft ab dem 6. November auf dem Eis Antworten liefern. Eines ist sicher: Langweilig wird es in Dresden nicht.


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