Das Ziel der Huskies - die DELSaisonvorschau - Kassel

Jetzt neben dem Eis in Kasseler Diensten - Manuel Klinge (Foto: dpa/picture alliance)Jetzt neben dem Eis in Kasseler Diensten - Manuel Klinge (Foto: dpa/picture alliance)
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Im Kasten bleibt alles beim Alten: Routinier Jerry Kuhn (91,48 % Fangquote Saison 2019/20) gilt nach wie vor als klare Nummer eins vor Youngster Leon Hungerecker (89,81 % Fangquote). Wenn der junge Hungerecker an seine Leistungen aus der Saison 2018/19 anknüpfen kann (Bester Rookie), hat Kassel mit Sicherheit eines der stärksten Torhütergespanne der Liga. In der letzten Saison konnte Hungerecker nicht überzeugen, aber das dürfte den sympathischen Hünen noch mehr anspornen sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, das Talent ist zweifelsohne vorhanden.

Große Veränderungen gibt es im Defensivbereich. Nahezu die halbe Verteidigung wurde ausgetauscht. Die Abgänge von Spencer Humphries (Lillehammer), Mario Scalzo (Crimmitschau) und Alexander Heinrich (Hannover) schmerzen, aber umso mehr freut es Fans und Verantwortliche, dass Spieler wie der frisch verheiratete Denis Shevyrin und Marco Müller gehalten werden konnten. Gerade Shevyrin spielte zuletzt stark auf und hatte zahlreiche, auch höherklassige Angebote, entschied sich aber für den Standort Kassel und das Konzept von Tim Kehler. Ebenso gehalten werden konnte das junge Talent Stefan Tramm, der noch mitten in seiner Entwicklung steckt, den Sprung von der Oberliga in die DEL2 aber mehr als passabel meisterte. An der Seite von Derek Dinger wusste Tramm mit ruhiger Art und Übersicht zu überzeugen und konnte einige Punkte zur erfolgreichen Hauptrunde beitragen. Ergänzt wurde die Defensive mit einer Mischung aus erfahrenen DEL2-Spielern und jungen Wilden: Joel Keussen ist mit seinen 28 Jahren schon ein alter Hase, mit 191 cm und 98 kg kein Kind von Traurigkeit und wird alles dafür tun, die gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung zu bringen - gleichwohl wird der Offensivverteidiger auch im Angriffsspiel Akzente setzen.

Große Erwartungen setzen die Verantwortlichen in den kanadischen Neuzugang Troy Rutkowski, der bereits über nicht weniger als vier Jahre Europaerfahrung verfügt und die letzten zwei Spielzeiten in der EBEL in Linz verbrachte. Geschäftsführer Joe Gibbs sieht den Neuzugang als „großen, spielstarken Verteidiger und Schlüsselspieler“ der Abwehr mit enormem Siegeswillen. Trainer Tim Kehler ist „begeistert“ von dem neuen Offensivverteidiger, der das Aufbau- und Umschaltspiel mit seiner Übersicht, seinen spielerischen Fähigkeiten und seiner Schussgewalt bereichern werde.

Da der Neu-Husky (seine Frau und er erwarten Nachwuchs) erst Ende Oktober zum Team stoßen wird und damit den Großteil der Vorbereitung verpasst, bleibt abzuwarten, wie lange es dauert bis der neue Defensivhoffnungsträger angekommen ist und das Team verstärken kann. An der Seite der erfahrenen Verteidiger sollen Spieler wie Oliver Granz, aus Weißwasser kommend, weiterhin Erfahrung sammeln und das Gerüst einer möglichen Kasseler Aufstiegsmannschaft bilden.

Ein großes Fragezeichen steht nach wie vor hinter Derek Dinger. Der 33-jährige Defensivstratege absolviert die komplette Vorbereitung mit der Mannschaft, hat aber noch keinen Vertrag unterzeichnet. Für einen Platz im Kader empfiehlt sich derzeit der 23-jährige Kristian Blumenstein, der zuletzt vier Jahre als Collegespieler bei Colorado Springs aktiv war. Zudem hat Blumenstein die Perspektive auf einen deutschen Pass. Es bleibt abzuwarten, ob unter den gegeben Umständen bis zum Saisonstart die Verteidigerpärchen feststehen oder ob hier noch mit personellen Änderungen zu rechnen ist.

Die große Unbekannte ist der Angriff. Hier sind die meisten Verluste zu verzeichnen. Namenhaften Abgängen wie Alexander Karachun (Düsseldorfer EG), Justin Kirsch (Heilbronner Falken), Austin Carroll (Karriereende), Ben Duffy (Karriereende) stehen jede Menge Neuzugänge gegenüber. Als einzig verbliebener Kontingentspieler wurde der Kanadier Corey Trivino gehalten. Nicht neu ist, dass es ein großes Wagnis sein kann, zwei neue Importspieler im Angriff zu integrieren. Das mussten die Kasseler Fans bereits das ein oder andere Mal erleben. Dass das diesmal aber gut klappen könnte, hat sich bereits in der Vorbereitung angedeutet: Der 30-jährige Kanadier Brett Cameron, von dem Trainer Kehler glaubt, dass er schnell zum Lieblingsspieler der Fans werden könne, ließ seine Klasse im Umgang mit dem Puck schon aufblitzen und auch aus Kreisen der Mannschaft hört man nur Lob für den europaerfahrenen Kanadier, der in jedem Team, in dem er spielte, zu den Topscorern gehörte. Die zweite neue Kontingentposition im Sturm hat der AHL-erfahrene kanadische Neuzugang Ryan Olsen inne. Auch hier ist ein deutscher Pass zu erwarten, Olsens Großmutter war Deutsche. Es bleibt also spannend und man kann sich sicher sein, dass die Huskies noch eine Ausländerlizenz im Sturm vergeben werden. Olsen, der als starker Bullyspieler gilt, wird die zweite Reihe mit seiner Erfahrung aus über 300 AHL-Spielen führen. Im Zusammenspiel mit Clarke Breitkreuz und Ryan Moser stellen die Huskies eine starke zweite Formation.

Ligainterne Neuzugänge sind Marc Schmidtpeter aus Landshut, mit beachtlichen 23 Punkten in der letzten Saison und seinen 25 Jahren mit dem Potential die Huskies zu verstärken, sowie der ligaerfahrende Routinier Clarke Breitkreuz, der aus Weißwasser kommt. Breitkreuz – ein emotionaler Akteur auf dem Eis - kann ein Team führen, geht keinem Zweikampf aus dem Weg und punktet zudem recht ordentlich, was 237 Punkte aus 311 DEL2 Spielen beweisen. Manch Kasseler Fan wird Breitkreuz an den legendären Greg „Shevy“ Evtushevsky erinnern. Ein echter Leader der den Eishockeysport gelebt hat. Diese Typen kommen an und jeder hat sie gern in seinem Team.

Es bleibt abzuwarten wie sich die jungen Neuzugänge Paul Kranz (DNL, Mannheim) und Joey Luknowsky (DNL, Krefeld) im starken Kasseler Angriff behaupten können. Spielpraxis werden beide beim Kooperationspartner Herford in der Oberliga sammeln können, um sich weiterzuentwickeln - im Laufe der langen Saison werden sie sicherlich auch zu ihren Einsätzen in der DEL2 kommen.

Komplettiert wird der Angriff durch das Kasseler Urgestein Michi Christ, der bereits in seine zehnte Saison in Folge geht, und den jungen Lois Spitzner. Dieser deutete bereits in der vergangenen Saison mehrfach sein Talent im Kassler Sturm an. Hinzu kommen noch der DEL-erfahrenen Eric Valentin und nicht zuletzt auch die jungen Routiniers Ryan Moser & Nathan Burns, die in der vergangenen Saison durchaus zu überzeugen wussten. Kann Corey Trivino sein Scoring der letzten Spielzeiten halten, wird er mit Lois Spitzner und Neuzugang Brett Cameron eine der stärksten ersten Reihen der DEL2 bilden. Gerade von Spitzner darf an der Seite von Trivino und Cameron einiges erwartet werden; in der letzten Saison spielte Spitzner häufiger in der ersten Reihe sowie im Powerplay und dürfte einiges an Selbstbewusstsein mit in seine zweite Saison in Kassel mitnehmen. Die Mischung aus jungen, hungrigen und erfahrenen, vor allem physisch starken Spielern scheint zu stimmen im Kasseler Angriff.

Off-Ice:

Neben den Neuverpflichtungen und Verlängerungen im Kader gibt es auch im Off-Ice-Staff einige Neuigkeiten: Manuel Klinge ist nun offiziell Sportdirektor - ein Gewinn für das Kasseler Eishockey! Der ehemalige Publikumsliebling, der nach einer Knieverletzung leider seine bis zum damaligen Zeitpunkt schon beachtliche Karriere (DEL, Nationalmannschaft, Olympiateilnahme) nicht fortsetzen konnte, zieht nun an der Seite von Joe Gibbs die Strippen, nutzt seine guten Kontakte und hat seine alten Gefährten aus Nationalmannschaftszeiten (Marcel Müller und Moritz Müller), wenn auch nur zur Teilnahme der Vorbereitung, nach Kassel lotsen können. Schon in der letzten Saison war „Manu“ das Bindeglied zwischen der Mannschaft und den Verantwortlichen. Es bleibt spannend, welchen Crack der junge Sportdirektor noch für den Standort Kassel begeistern kann! Neu im Team ist Co-Trainer Casey Fratkin: Erstmals seit dem Wechsel von Hugo Boisvert nach Bietigheim 2018 steht damit wieder offiziell ein Co-Trainer an der Bande der Huskies. Von der kurzen Doppelbesetzung Bobby Carpenter und Tim Kehler mal abgesehen, die Ende 2018 kurzzeitig als gleichberechtigte Coaches auf Rico Rossi folgten. Der 31-Jährige war in den vergangenen drei Jahren an der Okanagan Hockey Akademie in St. Pölten tätig und betreute als Chefcoach die U18 in der höchsten österreichischen Nachwuchsliga. Die Okanagan Akadamie genießt im Eishockey hohes Ansehen mit ihren drei Standorten in Kanada, England und Österreich. Zudem war er für lettische und amerikanische U-Nationalmannschaften bei Weltmeisterschaften im Einsatz. 

Für mehr Professionalität im Bereich der Geschäftsentwicklung, Digitalisierung und dem Marketing konnte Matthias Eisenbach, der als langjähriger Sponsor und Förderer am Standort aktiv war, gewonnen werden. Jason Schade, Sprade-TV Zuschauern als Kommentator bekannt, hat die Position des Pressesprechers übernommen und sorgt auch hier für frischen Wind.

Die Zeichen stehen in allen Bereichen auf Aufstieg - das spürt man. In vielen Bereichen haben sich die Huskies breiter und professioneller aufgestellt, hier wurde die Kritik aus dem Umfeld wahr- und angenommen. Können die Goalies Jerry Kuhn und vor allem Leon Hungerecker ihr Potential dauerhaft abrufen und die Neuzugänge, auf dem Papier sicherlich mit die stärksten der Liga, Fuß fassen, hat die Mannschaft das Potential, um den Aufstieg mitzuspielen.

Die Vorbereitung zumindest offenbarte noch einige Schwächen und fehlende Abstimmung, dies sicherlich begründet durch den unvollständigen Kader und etwaige Verletzungen. Noch bleibt dem Team um Coach Kehler genug Zeit, um pünktlich zum ersten Spiel der DEL 2 Saison 2020/21 bei den Löwen Frankfurt eine schlagkräftige Truppe zu formen und das große Ziel zu erreichen: den Aufstieg ins Eishockey Oberhaus!


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