„Dafür stehen wir und dafür kämpfen wir“Spendenaktion und Legendentreffen in Kaufbeuren

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ausgehend vom ESVK-Forum wurde eine Seite erstellt, auf der man ein Versprechen abgeben kann, welches im Falle eines Stadionneubaus eingelöst werden sollte. Der User Jadawin spendet 100 Euro, wenn sich weitere 1000 Personen finden, die mit mindestens der selben Summe den Bau unterstützen. Bis zum Mittwochabend 20 Uhr haben bereits 124 Menschen dieses Versprechen abgegeben.

Hier der Link: http://www.pledgebank.com/eisstadionkf

Wie wir schon berichteten, trafen sich Ende des vergangenen Jahres Kaufbeurer Eishockeylegenden, um sich für den Stadionneubau und damit für den Erhalt des Standortes Kaufbeuren als Eishockeystadt mit Tradition auszusprechen. Manfred Kraus aus Kaufbeuren hat dieses Treffen in Worte gefasst:

Heftige Schneefälle haben das Allgäu in eine Winterlandschaft verwandelt und auch auf Kaufbeuren eine dicke weiße Decke gebreitet. Das dichte Gestöber aber hält keinen von ihnen ab und geschlossen folgen sie dem Ruf der Faninitiative Pro Eisstadion Kaufbeuren, die zu einem Gesprächsabend ins Café Maxx geladen hat, um die Situation rund um den Neubau einer zeitgemäßen Eishalle zu erörtern. Die Liste der Anwesenden ist lang und sie liest sich wie das ‘Who is Who‘ des Kaufbeurer Eishockeys. Legendäre olympische Bronzemedaillengewinner, vielfache Nationalspieler, gestandene Bundesligacracks. Kaufbeurer durch und durch. Wolfgang Boos, Stefan Metz, Alfred Lutzenberger, Manfred Hubner, Dieter Medicus, Manfred Schuster, Gerhard Hegen, Jürgen Simon, Beppo Riefler, Heiner Römer, Christoph Dropmann, Maurizio Mansi, Thorsten Rau, Roland Timoschuk, Andreas Kleinheinz, Walter Ille, Christian Augst.

„Der Eissport hat in Kaufbeuren einen sehr hohen Stellenwert“, ergreift Alfred Lutzenberger das Wort, „und er hat Kaufbeuren in ganz Deutschland bekannt gemacht. Wenn man jetzt die Zuschauerkapazität reduziert, dann raubt man ihm die Perspektive und die Zukunft.“ Und dann erzählt der frühere Nationalspieler vom Kleinstschülerturnier des zurückliegenden Wochenendes, von den leuchtenden Kinderaugen und von der Begeisterung: „Es war eine wahre Freude, den Kindern beim Eishockey zuzuschauen. Auch das würde es dann nicht mehr geben.“

„Ja, unsere großartige Nachwuchsarbeit“, pflichtet Thorsten Rau bei, „wir sind schon immer das kleine gallische Dorf gewesen, von dem man überall gesprochen hat, weil dieses kleine Kaufbeuren mit seinen Eigengewächsen den Mannschaften aus den Großstädten seit jeher Paroli bietet.“

Sogleich sind sie zu spüren, die Leidenschaft, die Hingabe, die Passion, die diese Männer noch immer beseelt. Als untadelige Sportsleute haben sie früher ihren Verein und ihre Stadt im ganzen Land würdig vertreten, profunde Kenner und hervorragende Fachleute in Sachen Eissport sind sie noch immer. Vor allem aber sind sie Kaufbeurer mit Leib und Seele, Kaufbeurer mit Herz und Verstand, Kaufbeurer, denen das Wohl ihrer Stadt am Herzen liegt und deren Wort Gewicht besitzt.

„Kaufbeuren genießt in ganz Deutschland einen ausgezeichneten Ruf und den hat es nur durch den Eissport“, weiß Wolfgang Boos zu berichten. Er hat sich acht Autostunden durch den Schnee gekämpft, um seine Verbundenheit zu seiner Heimat zum Ausdruck zu bringen. „Seinen Bekanntheitsgrad verdankt Kaufbeuren dem ESVK, der immer eine herausragende Nachwuchsarbeit geleistet hat. Und dafür braucht man unbedingt ein gescheites Eisstadion für alle. Ich kann das Gerede von einem angeblichen Profistadion nicht mehr hören. Das ist für mich das Unwort des Jahres.“

„Für mich ist das sowieso eine Milchmädchenrechnung, wenn man glaubt, dass ein kleines Stadion entschieden billiger sein wird“, stellt Heiner Römer unmissverständlich klar und Stefan Metz ergänzt treffend: „Ein Stadion mit mindestens 3500 Zuschauern ist die natürlichste Sache der Welt, wenn man konkurrenzfähig sein möchte. Außerdem geht es doch eigentlich um Kaufbeuren. Die Stadt hat selten günstige Schlagzeilen. Kaufbeuren braucht deutlich mehr positive Merkmale.“

„Eine moderne und zeitgemäße Halle wird das Kaufbeurer Eishockey beleben, Zuschauer und Sponsoren anlocken und der Nährboden für den Nachwuchs sein“, ist Thorsten Rau felsenfest überzeugt und die eindringlichen Worte von Manfred Schuster gehen einem durch Mark und Bein: „Uns allen liegt die hervorragende Nachwuchsarbeit zutiefst am Herzen. Wenn sich Kaufbeuren aber gegen das größere Stadion entscheidet, kann der ESVK zusperren. Dann wird es kein Eishockey und keinen Nachwuchs mehr geben.“

Nachwuchs. Immer wieder fällt das Wort Nachwuchs. Die Nachwuchsarbeit ist der zentrale Gedanke in den Überlegungen der Versammelten, die überzeugt sind, dass junge Menschen Vorbilder brauchen und dass hochklassige Nachwuchsarbeit nur gelingen kann, wenn man über ein angemessen großes Eisstadion und die Zugkraft einer starken ersten Mannschaft verfügt.

Dieter Medicus bringt es schließlich auf den Punkt: „Kaufbeuren ist gerade dabei seine beste Geschichte zu verlieren. Wir müssen dies alles aber unbedingt erhalten. Die Tradition, den Nachwuchs, die Kinder. Dafür stehen wir und dafür kämpfen wir. Das neue Eisstadion wird doch wieder Jahrzehnte lang seinen Dienst tun. Nichts kann Menschen so gut verbinden wie der Sport. Es ist nicht auszudenken, wenn das alles kaputt gemacht wird.“

Weitblick, Vernunft und Herz beseelen das Denken der Ehemaligen und ihr Verantwortungsbewusstsein findet schließlich seinen sichtbaren  Ausdruck in der Verabschiedung einer Resolution für ein Eisstadion. Die Namen der früheren Spieler stehen für die große Vergangenheit des Kaufbeurer Eissports, ihre Gedanken für dessen Zukunft. Die Zukunft der Stadt, der Menschen und vor allem der Kinder.

Auch an diesem Abend ist sie wieder eindringlich zu spüren, die warmherzige Kraft, die von der großen Kaufbeurer Eissportfamilie ausgeht. Der traditionsreiche ESVK hält die Stadt an der Wertach zusammen. Seine integrative Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er ist das unersetzliche Bindeglied zwischen den Menschen und den Generationen.

Hoch liegt der Schnee und er knirscht unter meinen Schuhen, als ich sinnend durch die winterlichen Altstadtgassen gehe. Nachdenklich und hoffnungsvoll zugleich mache ich mich auf den Heimweg. Noch immer fallen dicke Flocken vom nächtlichen Dezemberhimmel. Im Autoradio läuft das Lied ‘You’ll never walk alone‘. Das trifft es.

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