„Da müssen die Frauen einfach durch!“Kindertratsch mit David

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Während der letzten Saison konnte Louis Heinis nur 27 Partien für die Heilbronner Falken absolvieren. Eine Verletzung zwang ihn zur Pause. Die neue Saison hat noch nicht begonnen und wieder ist er zum Zuschauen verdammt. Louis Heinis verletzte sich im Training und wird den Falken vorerst fehlen. Unser Nachwuchs-Reporter David traf den jungen Verteidiger dennoch zu einem Interview mit außergewöhnlichen Fragen und Antworten.

Louis, warum schubst und haut ihr euch auf dem Eis? Wir in der Schule dürfen das nicht.

Grundsätzlich würde ich meinen, dass das einfach ein bisschen zu der Eishockeykultur dazu gehört. Die Leute möchten „Action“ sehen und etwas erleben. Das war schon im alten Rom so. Da lief es ganz nach der Devise „Brot und Spiele“. Eishockey ist ja bekanntlich ein körperbetonter Sport, wo es halt auch mal ein bisschen rumpelt. Da passiert es schnell einmal, dass gewisse Meinungsverschiedenheiten auf dem Eis herrschen. Meistens ist das nach dem Spiel aber wieder vergessen. Man schüttelt sich die Hände und die Sache ist erledigt. Dass Ihr euch in der Schule nicht hauen dürft ist auch richtig so! Gewalt hat da nichts verloren.

Wie erkennt ihr, dass ihr bei einem fliegenden Wechsel aufs Eis müsst?

Das sieht für Außenstehende oftmals ein bisschen verwirrend aus. Da steckt allerdings ein System dahinter. Der Trainer teilt die Spieler in sogenannte „Reihen“ (auch genannt „Linien“, oder „Blöcke) ein. Der Trainer sagt dann meistens welche „Reihe“ jetzt aufs Eis geht. Da wird oft nach einem „Match up“ gecoacht. Das heißt, gewisse Spieler spielen immer gegen dieselben (z.B. Ausländer gegen Ausländer, oder erste Reihe gegen die erste Reihe vom Gegner). Oft wird auch einfach durch gewechselt. Die Verteidiger wechseln dann für die Verteidiger und Stürmer für die Stürmer. Da spricht man sich kurz auf der Bank ab, damit es keine Missverständnisse gibt. Allgemein ist Kommunikation in diesem Sport sehr, sehr wichtig.

Ihr seid überall geschützt bloß um den Mund herum nicht. Hast du keine Angst um deine Zähne?

Auch das ist schwer zu erklären. Bis 18 Jahre herrscht ja die sogenannte „Gitter- oder Vollvisierpflicht“. Da sind das Gesicht und somit auch die Zähne geschützt. Danach ist man, auf dem Papier jedenfalls, alt genug und darf selbst entscheiden, ob man dieses Risiko eingehen möchte. Allerdings gehört auch das ein bisschen dazu. Wir Eishockeyspieler kennen ja bekanntlich keine Schmerzen ;-).  Außerdem weiß ich noch genau, dass wir es damals kaum erwarten konnten und diesem Moment entgegen gefiebert haben. Wir hatten das Gefühl, nun erwachsen zu sein. Die Euphorie hat sich dann spätestens gelegt, als mir der Zahnarzt dann meine Schaufel ersetzen musste (lacht).

Was spielst du auf der Spielkonsole lieber: Fußball oder Eishockey? Und warum?

Ich bin kein großer „Gamer“. Oder sagen wir mal: nicht mehr. Ich habe allerdings früher lieber Fußball als Eishockey auf der Spielkonsole gespielt. Heute spiele ich lieber ein bisschen Gitarre als zu „gamen“. Wobei ich gerne wieder eine Nintendo 64, mit den Spielen „Mario Party“, „Mario Kart“ und „James Bond Goldeneye“ hätte. Das waren noch Zeiten.

Ihr könnt ja alle Schlittschuhlaufen, was trainiert ihr dann noch?

Schlittschuhfahren alleine reicht da leider nicht, um Eishockey zu spielen. Wir müssen ja dabei noch den Puck kontrollieren, passen, schießen und so weiter. Außerdem feilen wir ständig an der Taktik und bereiten uns dann dementsprechend, von Spiel zu Spiel, auf die gegnerische Mannschaft vor. Zudem müssen wir körperlich fit sein. Krafttraining, Ausdauertraining, Joga und so weiter gehört da genauso dazu und ist ein absolutes „Muss“.

Sucht man sich die Trikotnummer selber aus oder macht das der Trainer? Nach welchen Kriterien werden die Nummern ausgesucht bzw. vergeben?

Die sucht man sich selbst aus. Da hat jeder Spieler eigentlich seine eigenen Gründe. Glückszahl oder Jahrgang bzw. Geburtsjahr von den Spielern selbst oder eines Elternteils oder sonst irgendjemandem. Oder einfach nur die Nummer des Kindheitsidols. Die Trikotnummern werden also ganz unterschiedlich gewählt und bedeuten für jeden etwas anderes.

Wieso trägst Du die 88?

Damals als ich noch bei den Junioren gespielt habe, gab es einen Spieler, der vom Aussehen her mein großer Bruder hätte sein könnte. Alle haben mich damals nach seinem Namen genannt. Witzig war, als wir Jahre später dann gegeneinander gespielt haben. Das sah aus als würden Zwillingsbrüder gegeneinander spielen. Außerdem gilt die 88 im asiatischen Raum vielerorts als wichtigste Glückszahl.

Spornen euch die Fan–Gesänge an?

Natürlich macht es mehr Spaß in einem vollen, lautem Stadion zu spielen. Da kommen mehr Emotionen auf. Während des Spiels bekommt man das allerdings nicht so mit. Aber vor dem Spiel oder wenn man mal auf der Strafbank sitzt achtet man schon mal ab und zu darauf.

Finden es eure Frauen oder Freundinnen nicht blöd dass ihr euch während der Play-Offs und im Movember nicht rasiert?

(lacht laut) Auch das gehört zur Eishockeykultur dazu. Da müssen die Frauen einfach durch.

Wie feiert ihr nach einem Sieg?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt immer darauf, an wie intensiv die darauf folgenden Tage sind. Oft bleibt gar keine Zeit zum Feiern. Natürlich gönnt man sich ab und zu, zur richtigen Zeit, im richtigen Moment, mit den Jungs mal ein Bierchen. Aber alles im Rahmen. ;)

Was ist dein größtes Karriereziel?

Mein Ziel war es immer, Eishockeyprofi zu werden. Somit habe ich mir mal meinen Kindheitstraum erfüllt. Ganz nach Oben hat es bis jetzt noch nicht gereicht, aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Ich wünsche mir nur Gesundheit. Alles andere wird sich zeigen.

Vielen Dank für Deine Zeit und gute Besserung! Hoffentlich kommst Du schnell wieder auf das Eis zurück!

Sehr gerne und vielen Dank!

Kinderreporter David und Dirk Hausmann