"Bitterste Niederlage der letzten Jahre"EC Bad Nauheim

Lesedauer: ca. 5 Minuten

Dabei hatte das Team von Trainer Petri Kujala im letzten Abschnitt ausreichend Gelegenheiten (u.a. zwei Pfostenschüsse), um den berühmten Sack vorzeitig zuzumachen, doch die Auswärtsallergie (erst ein Sieg in der Ferne) setzte sich auch heute - wenn auch völligst unverdient - fort. "Wir waren über weite Strecken das bessere Team und dominierten vor allem den letzten Abschnitt. Umso bitterer ist diese Niederlage", sagte EC-Coach Petri Kujala nach dem Schlusspfiff.

Bei den Gästen fehlten neben Dan Ringwald auch die beiden Düsseldorfer Förderlizenzspieler in der Defensive sowie Stammgoalie Jan Guryca, der sich am Freitag beim fünften Steelers-Treffer an der Leiste verletzte. Für ihn stand Domenic Bartels von Beginn an zwischen den Pfosten, als Backup fungierte heute Alexander Wagner, der gestern noch einen Sieg der Regionalliga-Mannschaft der Roten Teufel (5:4 gegen Wiehl) feiern konnte. Das Spiel begann mit einer klassischen Abtastphase zweier Tabellennachbarn, die zunächst ausloteten, wie der Gegner reagieren würde. Als auf beiden Seiten jeweils ein Akteur auf der Strafbank saß, war es Kyle Helms mit einem Pfostenschuss für die Gäste, der den Auftakt zu einem interessanten und spannenden Spiel machte. Zwei Minuten später, als Landshuts Fenton in der Kühlbox verweilte, traf Drew Paris wie schon im Hinspiel von der blauen Linie zur 1:0-Gästeführung. Die Freude währte aber nicht lange, denn auch die Dreihelmestädter kamen durch den Ex-Teufel Ty Morris im Powerplay (Daniel Ketter saß draußen) zum Tor, als der Kanadier einfach mal von der Höhe des Bullypunktes abzog. Die Hessen zeigten sich aber nicht geschockt, sondern traten bei numerisch gleicher Spieleranzahl als das bessere Team auf. Diese Tatsache unterstrich Vitalij Aab in der 13.Minute zur erneuten Führung, nachdem er zunächst Brad Staubitz eiskalt aussteigen ließ und sein eigentlich auf den einschussbereiten Dusan Frosch gedachter Querpass von einem Landshuter Schlittschuh unhaltbar zum 1:2 abgefälscht wurde. Die Kurstädter kontrollierten auch in der Folgezeit das Geschehen, erst in der letzten Minute des ersten Drittels kamen die Bayern urplötzlich noch einmal auf, doch sowohl Bartels wie auch die EC-Abwehr brachten die Führung mit in die Pause.

Eishockey verkehrt dann zu Beginn des Mittelabschnitts: in Unterzahl kreierten beide Teams jeweils ihre besten Chancen, wobei Drew Paris bei den Gästen nach einem Konter in der 24.Minute knapp am langen Pfosten vorbei zirkelte und das dritte Bad Nauheimer Tor damit verpasste. Als Matt Beca in der 29. Minute das Hartgummi bei den Überzahl spielenden Kurstädtern in der neutralen Zone verlor, war es Cody Thornton, der es besser machte und den 2:2-Ausgleich für Landshut besorgte. Die Hausherren wurde nun stärker, was in Strafen gegen die Roten Teufel mündete, die sogar eine Zwei-Mann-Unterzahl Mitte des Spiels überstehen mussten. Die Spielanteile waren auch dadurch bedingt nun auf Seiten der Bayern, die viel Druck ausübten und die Hessen dadurch zu Fehlern zwangen. So auch in der 39.Minute, als erneut die Scheibe verloren ging, so dass die Isarstädter einen Drei-auf-eins-Konter laufen konnten. Gawlik vollendete diesen zur erstmaligen Führung für den EVL. Dusan Frosch hatte Sekunden vor der zweiten Pause zwar noch die große Gelegenheit mit einem Alleingang, doch Eisenhut im Tor der Landshuter entschärfte den Schuss des Deutsch-Tschechen.

Mit Beginn des Schlussabschnitts kamen die Gäste wieder stärker auf und zwangen nach zwei, drei guten Szenen EVL-Trainer Andi Brockmann zu einer frühen Auszeit in der 44.Minute. Die Gäste blieben aber am Drücker und kamen zum verdienten Ausgleich durch Max Campell, der einen Rebound nach einem strammen Paris-Schuss zum 3:3 verwerten konnte. Und es kam noch besser: nur 47 Sekunden später zappelte das Hartgummi in Überzahl nach einer tollen Kombination, die Harry Lange mit seinem ersten Saisontreffer abschließen konnte, zur erneuten EC-Führung im Netz. Die Roten Teufel blieben dran und hatten Chancen auf das fünfte Tor, das vielleicht die Vorentscheidung bedeutet hätte. Aber sowohl Helms wie auch Gerbig scheiterten jeweils an Marco Eisenhut. Und so kam es, wie es kommen musste: Landshut nutzte sein einziges Powerplay im Schlussdrittel zum 4:4 durch Bill Trew, dessen Schuss irgendwie seinen Weg in die Maschen fand. Aber auch nach diesem Treffer blieben die Gäste das bessere Team und hatten Pech bei zwei Pfostenschüssen von Frosch und Helms, zuvor hatten die Wetterauer bereits einige gute Szenen vorzuweisen. Dann die letzte Spielminute: Thornton saß auf der Strafbank, Bad Nauheim drückte auf die Entscheidung. Die Strafe lief ab, Thornton bekommt von der Strafbank einen langen Abstreiter-Pass und macht exakt drei Sekunden vor dem Ende den mehr als glücklichen Siegtreffer für die Bayern.

"Wir sind gut in die Partie gekommen und haben verdient geführt. Im zweiten Drittel waren wir lediglich beim 4:4 etwas unachtsam, aber im letzten Abschnitt bestimmten wir das Spiel", so Petri Kujala. "Das ist eine der bittersten Niederlagen, die ich je gesehen habe", sagte EC-Geschäftsführer Andreas Ortwein nach dem Spiel. "Wir spielen eine unserer besten Auswärtspartien in dieser Saison und werden am Ende nicht belohnt. Das muss ich erstmal lange sacken lassen auf der Rückfahrt nach Bad Nauheim. Nun gilt es aber, Ruhe zu bewahren. Die Liga ist dermaßen eng, mit zwei Siegen bist du oben - und mit zwei Niederlagen wieder unten in der Tabelle. Das Team soll die Köpfe nicht hängen lassen, es war ein gutes Spiel - wenn auch mit dem falschen Resultat", so der Butzbacher.

Die Mannschaft wird nun noch zwei Tage in Bad Nauheim trainieren, und erhält dann aufgrund der Länderspielpause den Rest der Woche frei, was eine gute Zeit ist, um die Köpfe wieder frei zu bekommen und kleinere Verletzungen auszukurieren. Am Montag der übernächsten Woche geht es dann weiter mit den Vorbereitungen auf das Derby zuhause gegen Frankfurt (Freitag, 14.11.2014 um 19.30 Uhr).

EVL Landshut - EC Bad Nauheim 5:4 (1:2, 2:0, 2:2)
Tore:
0:1 (06:46) Paris (Beca) PP1
1:1 (09:26) Morris (Geipel) PP1
1:2 (12:21) Aab (Lange, Frosch)
2:2 (28:13) Thornton SH1
3:2 (28:23) Gawlik (Jarrett, Fenton)
3:3 (48:06) Campbell (Paris, Beca)
3:4 (48:53) Lange (Frosch, Aab) PP1
4:4 (53:11) Trew (Gawlik , Thornton) PP1
5:4 (59:57) Thornton (Abstreiter, Trew)
Strafminuten: EVL 14 / ECN 14
Zuschauer: 3.298


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