3:2! Tölzer fanden rechtes Mittel gegen linke Grizzlys

Heimpleite gegen BietigheimHeimpleite gegen Bietigheim
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Mit dem Wintereinbruch fanden die Tölzer Löwen ihren Biss

wieder. Während vor der Hacker-Pschorr-Arena heftiger Schneefall den Winter

nachhaltig ankündigte, war in der Halle von Eiszeit keine Spur. Die Hausherren

stoppten den Negativtrend der letzten Wochen ausgerechnet gegen das Top-Team aus

Wolfsburg, siegten verdient mit 3:2. Vor lediglich 1500 Besuchern erzielte

Jeffrey Hoad bereits zur Mitte des zweiten Spieldrittels den entscheidenden

Treffer. Die Mannschaft von Bob Leslie nahm sich im letzten Abschnitt durch eine

unglaubliche Serie von dummen Strafzeiten jegliche Chance auf eine

Punktausbeute.

Es war keine Überraschung, dass die Gäste von Beginn an technisch

versierteres, kombinationssicheres Eishockey ausübten. Axel Kammerers

Mannschaft – ob der enttäuschenden Heimpleite gegen Bremerhaven – harrte

der Dinge. Die kamen in Form der Wolfsburger Führung. Borzecki saß auf der

Strafbank, Fibiger nutzte das präzise Zuspiel von Sturmkollege Simon. Es sollte

noch bitterer kommen. Sandro Schönberger durfte nach zehn Minuten nicht mehr

mitspielen. Spieldauer wegen hohem Stock. Der verdutzte Gesichtsausdruck des 18jährigen

verriet seine Unschuld. Genze riss beim Bully seinen Schläger hoch, wodurch die

Kelle Schönbergers in sein Gesicht gelangte und Spuren hinterließ.

Nichtsdestotrotz hatten die Hausherren Überzahl, auch zwei Niedersachsen saßen

draußen. Als die Spieluhr vier Mal die Eins zeigte, glich Rod Stevens aus. Adam

Borzecki hatte zum Alleingang angesetzt, Jan Münster konnte nur abtropfen

lassen. Der Rest war Formsache. Sechzig Sekunden später schlug es erneut hinter

Münster ein. Weil der Torhüter der Grizzlys eher suboptimal postiert war und

freilich auch der Kracher von John Kachur von der blauen Linie keine Wünsche in

Sachen Präzision und Wucht offen ließ. Am Ende von Schönbergers fünf Minuten

Strafe war plötzlich Wolfsburg wieder in numerischem Vorteil, was sich zeitnah

im Ausgleich von Xavier Delisle niederschlug. Hoch her ging es noch einmal in

der Schlussminute dieses Drittels. Da scheiterte zunächst Micky Rohner mit

couragiertem Solo an Jan Münster, im Gegenzug Fibiger am bärenstarken Cavallin.

Gleich zu Beginn des Mitteldrittels musste Cavallin erneut die gesamte

Bandbreite seines Könnens aufbieten. Diesmal war Justyn Kurtz der Unterlegene.

Kurtz war es auch, der zusammen mit Wietfeld nur Augenblicke nach seiner Großchance

auf der Strafbank saß. Tölz hatte Platz, Tölz spielte Eishockey. Kachur an

der Blauen zu Schinköthe, der diagonal zu Hoad an den verwaisten Pfosten –

3:2. Wolfsburg intensivierte nun seine Bemühungen, fand aber kein Mittel gegen

Mark Cavallin, der über ein Dutzend Fangarme und übermenschliche Reflexe zu

verfügen schien. Auch die Checkfreudigkeit der jungen Tölzer Garde schien dem

Starensemble der VW-Städter wenig zu behagen. Erste Undiszipliniertheiten waren

festzustellen.

Auf zwei seiner Kräfte musste Bob Leslie in den letzten zwanzig Minuten

verzichten. Preston Callander verletzte sich schwer an der Schulter, Alexander

Genze konnte wegen einer Handverletzung nicht mehr weiter spielen. Weitaus

tragischer für die Gäste wirkten indes andere Ausfälle. Tim Regan ließ sich

in einem Anflug von Rache für einen harten Check zu einem Kopfstoß gegen Peter

Gulda hinreißen und durfte sich mit einer Matchstrafe von seiner alten

Wirkungsstätte verabschieden. 180 Sekunden nach Regans Aktion schlug Todd Simon

Adam Borzecki mit dem Stock zwei Zähne aus, was freilich ebenfalls mit

sofortigem Ausschluss sanktioniert wurde. Es war inzwischen ein frustriertes,

ein schmutziges Hockey, dessen sich der DEL-Absteiger bediente. Den Isarwinklern

war es dennoch recht. So hielt sich der Aufwand in Grenzen, das Ergebnis nach

Hause zu fahren. Jan Schinköthe verpasste eine Minute vor dem Ende sogar die

vorzeitige Entscheidung.

Die Einlassungen von Bob Leslie auf der Pressekonferenz wirkten ein wenig

ratlos. „Wir hatten im zweiten Drittel genügend Chancen, doch Cavallin hat

unglaublich gehalten. Im letzten Drittel haben wir uns durch die Strafen selbst

unserer Chance beraubt.“ Auf die Frage nach den Ursachen für die rüde

Spielweise wich Leslie aus. „Wir wollten einmal wieder ein gutes Spiel machen,

haben auch mehr Geist gezeigt als zuletzt und waren bissiger. Leider mussten wir

so viele Strafen nehmen.“

Diese Sorgen hatte Axel Kammerer freilich nicht. Er hielt den anwesenden Zuhörern

die Realität vor Augen. „Es ist ein Wahnsinn, dass wir mit drei 17 und vier

18jährigen diese hochkarätig besetzte Truppe in die Knie gezwungen haben. Mark

Cavallin hat uns in den entscheidenden Situationen im Spiel gehalten, aber der

Schlüssel war heute die geschlossene Mannschaftsleistung, zu der wir endlich

wieder gefunden haben. Wir haben und viel vorgenommen, meine Mannschaft wirkte

sehr frisch.“

(Oliver Rabuser)

Tore:

0:1 (05:46) Fibiger (Simon. Kurtz, 5-4), 1:1 (11:11) Stevens (Borzecki, Kottmair,

4-3), 2:1 (12:11) Kachur (Kruck), 2:2 (13:02) Delisle (Simon, Brüggemann, 5-4),

3:2 (24:08) Hoad (Schinköthe, Kachur, 5-4)

Strafzeiten:  Bad

Tölz 24 + 10 (Kruck) + 5/Spieldauer (Schönberger) – Wolfsburg 36 + 10 (Brüggemann)

+ 5/Spieldauer (Simon) + 5/Matchstrafe (Regan)

Schiedsrichter: Ulpi Sicorschi (Waldkraiburg) 

-  Sprenger, Velkoski


Zuschauer: 1461


Spieler des Spiels: Mark Cavallin

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