2:1 Erfolg in Kaufbeuren - Tölzer Löwen nehmen Fahrt auf

Heimpleite gegen BietigheimHeimpleite gegen Bietigheim
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Deutscher Meister! So dürfen sich seit gestern die Junioren des ESV Kaufbeuren nennen. Für die Profimannschaft der Buron Joker ist ein Titel dieser Güte freilich so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. Nach dem gestrigen Spiel sogar noch ein Stückchen mehr. Mit 2:1 (1:1,1:0,0:0) behielten die Tölzer Löwen am Berliner Platz über eine mit spielerischer Armut gesegnete Kaufbeurer Mannschaft die Oberhand. Das knappe Ergebnis täuscht dabei über den wahren Spielverlauf hinweg. Aber wieder einmal versemmelten die Cracks aus dem Isarwinkel - insbesondere im zweiten Abschnitt - allerbeste Möglichkeiten, was ein Zittern bis zum Schluss zur Folge hatte. Morgan Warren glich das frühe Führungstor der Joker von Dominic Auger aus, Sebastian Kottmair gelang vor 2578 Zuschauern der Siegtreffer.

Die Schlusssirene war noch nicht gänzlich verklungen, da ähnelte die Eisfläche einem Kriegsschauplatz. Einige Akteure der Allgäuer konnten ihren Frust nicht ausreichend verarbeiten und zettelten eine handfeste Keilerei an. Mitten drin Alex Henry, dem diese Art von Dialog aus der NHL ausreichend vertraut sein dürfte. Auch Brandon Dietrich mischte fleißig mit und kassierte eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Die blieb den Gästen auch nicht erspart, doch waren die Tölzer Routiniers clever genug, sich dem Geschehen zu entziehen. Stattdessen erblickte man Sebastian Klett an der Faustkampffront, als er seinen Kontrahenten nachhaltig vermöbelte. Sein Fehlen dürfte ungleich weniger ins Gewicht fallen als Dietrichs Zwangspause in Crimmitschau.

Eine stattliche Kulisse hat sich im alten Kaufbeurer Stadion eingefunden, ein Vertrauensvorschuss des Allgäuer Publikums nach dem verheißungsvollen Auftakt in Essen. Flott fanden beide Teams in die Partie. Jeff Hoad traf nach wenigen Sekunden bereits den Pfosten. Einzig Patrick Couture schien mental noch nicht auf dem Eis gewesen zu sein. Anders ist der Führungstreffer von Dominic Auger schwer zu erklären. Ein harmloser Schlenzer von der Seite fand den Weg in den Torwinkel. Doch schon bald zeigte sich, dass die Gastgeber spielerisch wenig zu bieten hatten. In doppelter Überzahl glich Morgan Warren mit einem fulminanten Flachschuss aus. Dass Tim Regan zuvor zweimal aus kürzester Distanz das leere Tor verfehlte, fiel dadurch nicht weiter ins Gewicht. In Unterzahl wäre wenig später Chris St.Croix beinahe das 1:2 gelungen, sein abgefälschter Schuss trudelte hauchdünn am Pfosten vorbei. Die Misere ungenügend abgeschlossener Alleingänge schien indes ihre Fortsetzung zu nehmen. Rod Stevens scheiterte alleine vor Cinibulk am tschechischen Goalie. Früh im zweiten Drittel erlangten die Buam einen wertvollen Vorteil. Eine der zahlreichen Abspielfehler der Joker nutzte Jeff Hoad zu einem Pass auf Sebastian Kottmair, der wiederum Cinibulk per Rückhandschlenzer überwinden konnte. Kaufbeuren wirkte zunehmend ratlos. Spielerisch wirkten nahezu alle Angriffsbemühungen sehr limitiert, was auch Coach Pit Ustorf nach der Partie so sah. Lediglich in Sachen Einsatz und Engagement konnte er seine Mannschaft von Kritik freisprechen. Dass es nach 40 Minuten nur 2:1 aus Sicht der Tölzer Stand war verblüffend. Gerade weil in der Minute vor der zweiten Pause abermals Rod Stevens nach tollem Solo sowie Floppo Zeller in der Folgeaktion die Scheibe nicht hinter Cinibulk unterbrachten. Für Gewöhnlich rächen sich derartige Unzulänglichkeiten, nicht aber an diesem Tag. Für die allenfalls mit Oberliga-Niveau ausgestatteten Joker war selbst dieser eine Treffer Rückstand eine zu hohe Hürde. Auch die Bemühungen zum Ende der Partie hin wirkten planlos und unkoordiniert. Ein Lenker wie Bud Smith es normalerweise ist, war weit und breit nicht zu sehen. Dem US-Boy fehlt nach seiner Verletzung spürbar die Frische und die Bindung zu den Nebenleuten.

Pit Ustorf baute nach der Begegnung gleich vor: "Dieses Spiel hat gezeigt, dass die Heimspiele sehr schwierig werden könnten. Die Mannschaft muss sich entscheiden, ob sie kompakt stehen und auf Konter spielen will, oder das Spiel selbst machen möchte." Der Joker Coach präferiert hierbei die erste Variante. Der Grund war über sechzig Minuten zu sehen. Peter Obresa hingegen fand ein dickes Lob für seine Truppe: " Alle Spieler haben heute ein super Mannschaftsspiel gezeigt, wir haben sehr kompakt gestanden. Allerdings hätten wir im zweiten Drittel mindestens ein, zwei Tore vorlegen müssen." (orab)

Tore:
1:0 (01:32) Auger (Rau, Speckamp), 1:1 (08:26) Warren (Zeller, St.Croix 5-3), 1:2 (23:27) S.Kottmair (Hoad)

Strafen: Kaufbeuren 14 + 5 + Spieldauer (Dietrich) - Bad Tölz 16 + 5 + Spieldauer (Klett)
Schiedsrichter: M.Huber (EC/DC Memmingen) - Hauber, R.Schneider

Zuschauer: 2578

Spieler des Spiels: Rod Stevens