Zartes Rosa am dunklen Adler-Himmel?Mannheim besiegt Düsseldorf

Die DEG rutschte in Mannheim aus. (Foto: Imago)Die DEG rutschte in Mannheim aus. (Foto: Imago)
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Fakt ist aber nach dem Erfolg am Freitag gegen die viertplatzierte DEG, dieses Spiel hatte den Charakter der letztjährigen Auftritte: Zu Ende gefahrene Checks, keine Alibi-Zweikämpfe, kein Verantwortungsabgeschiebe defensiv wie offensiv, gegenseitiges Aushelfen, dem Gegner unter die Haut gehen, immer hart an der Grenze (wobei sie mit der DEG in dieser Disziplin gestern einen absolut gleichwertigen Gegner hatten), Kampf über Emotion, Willen zum Erfolg, Unterzahl, Überzahl egal, wir schaffen das.

Dieser Auftritt wirft aber und vor allem Fragen auf: Was hatten die Adler im Getränk oder neudeutsch ausgedrückt: „Was haben die geraucht?“ Hat die Führungsriege endlich Gebrauch von ihrem Recht (Pflicht?) gemacht, zu führen? Wurde den Spielern klar gemacht, dass die Macht in der Kabine nur toleriert wird, solange die Ergebnisse auf dem Eis stimmen? Oder einzelnen Spielern , dass sie sich nicht verstecken dürfen oder das Spielen in Mannheim als Wellness betrachten, alles unter dem Schutzmantel der teammäßig angekratzten Truppe ? Oder hat das „Stellrädchen“ Ron Pasco neben dem eher analytischen als kommunikativen Craig Woodcroft schon nach dem zweiten Spiel Wirkung gezeigt? Zumindest spielten die Adler gestern wie es Ron Pasco in den Jahren 1997/99 und 2000/02 in Mannheim vorgelebt hat.

Jedenfalls haben die Adler gestern bewiesen, dass es nicht an ihrem Können liegt oder sie können, wenn sie wollen. Auf die Aussage, es ging ja auch gegen einen höher platzierten Gegner (was im Moment nicht schwierig ist), sollte man sich nicht versteifen, dazu war das Spiel zu komplett anders vom Aufbau, Spielverständnis und Wollen her.

Und dieses von allem ein bisschen mehr als der Gegner verhalf ihnen auch zum Erfolg. Adler-Keeper Ray Emery fängt mit Zunahme an Spielpraxis an, auch Hundertprozentige zu halten, die Unterzahlformationen, die gestern Schwerstarbeit verrichten mussten (2 + 5 Minuten im ersten Drittel, doppelte Unterzahl im zweiten Drittel, 2 + 5 Minuten im letzten Drittel) steigerten sich von gut (bester Mannschaftsteil in der letzten Zeit) zu überragend.

Schüsseblocker Andrew Joudrey bekam zum Beispiel Mitblocker. Die DEG konnte vor allem zwei Fünf-Minuten-Strafen und dabei auch doppelte Unterzahlsituationen nur zu zwei Treffern (32. 0:1, 48. 1:2) nutzen, die Adler erzielten während der zweiten ihnen gnadenvoll zugestandenen Überzahlmöglichkeit (diese eine reine Konzessionsentscheidung) das 1:1 (37.).

Um mit einer Worthülse weiterzumachen: Als die Adler im letzten Drittel dann der Strafbank fern blieben, bauten sie auch den Druck auf, um bei gegen fünf gegen fünf gegen die eigentlich gute Defensive der DEG und vor allem gegen den ausgezeichneten Düsseldorfer Goalie Mathias Niederberger den Ausgleich (56.) und knapp drei Minuten später den Siegtreffer zu erzielen.

Verschiedenen Andeutungen aus dem Text kann der geneigte Leser entnehmen, dass die Schiedsrichter erneut ein Thema waren. In diesem Spiel wurden 88:4 Strafminuten verhängt. Der eher ruhige und bedachte Adler-Trainer Craig Woodcroft meinte dazu, frei übersetzt: „Die DEL ist ein professionelles Produkt, leider sind nicht alle Protagonisten auf dem gleichen Niveau“. Mal sehen, ob diese Aussage diplomatisch genug ist, einer Strafe durch die DEL zu entgehen. Wirkung an gemeinter Stelle wird sie wohl nicht zeigen.

Besser wird das vielleicht, wenn die DEL beziehungsweise die Clubs mehr Geld für die Ausbildung der Schiedsrichter in die Hand nehmen, ein Anfang wäre, die Strafen für „Beleidigung“ der Offiziellen in einen solchen Finanzierungsstock zu stecken, der über Körpersprache und Neutralität eines Neutralen lehrt. Klarer für die Zuschauer und damit auch entemotionalisierter würde es auch werden, wenn eine Nachschau der Spiele sich nicht nur auf Torschusskonserven beschränkt (NHL) und unter dem Deckmantel des nicht informierenden Deckmantels stattfinden würde. Das würde vielleicht auch mehr dazu beitragen, dass verletzte Spieler nicht ausgepfiffen (Ebner, DEG) oder Körpertreffer bejubelt werden würden, auch wenn es der Schiedsrichter ist. Das sollte sowieso klar sein, aber Eishockeyspieler richten die Dinge auf dem Eis selbst, wenn es der Schiedsrichter nicht tut, der Fan bleibt mit seinem Adrenalin allein, auch wenn er die Sicht durch die Vereinsbrille gerne mal seltsame Formen annimmt.

Tore: 0:1 (31:06) Eduard Lewandowski (Drayson Bowman/5-3), 1:1 (36:32) Christoph Ullmann (Daniel Richmond, Glen Metropolit/5-4), 1:2 (47:09) Drayson Bowman (Alexei Dmitriev, Daniel Kreutzer/5-4), 2:2 (55:49) Jonathan Rheault (Daniel Richmond, Andrew Joudrey), 3:2 (57:20) Sinan Akdag (Daniel Richmond, Martin Buchwieser). Strafen: Mannheim 8 + 5 + Spieldauer (Ronny Arend) + 5 + Spieldauer (Brent Raedeke) + 10 + Spieldauer (Jochen Hecht), Düsseldorf 4. Zuschauer: 13.600.

DEL PlayOffs

Sonntag 24.03.2019
Augsburger Panther Augsburg
4 : 3
Düsseldorfer EG Düsseldorf
Kölner Haie Köln
4 : 2
ERC Ingolstadt Ingolstadt
Adler Mannheim Mannheim
7 : 4
Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg
EHC Red Bull München München
0 : 3
Eisbären Berlin Berlin
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