Wirtschaftliche Vernunft oder Wettbewerbsverzerrung?Schlussverkauf in Schwenningen

Jordan Carón verlässt als einer von vier Spielern vorzeitig die Schwenninger Wild Wings. (dpa / picture-alliance / eibner-pressefoto)Jordan Carón verlässt als einer von vier Spielern vorzeitig die Schwenninger Wild Wings. (dpa / picture-alliance / eibner-pressefoto)
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Die Verantwortlichen in Schwenningen haben die Spielzeit 2019/2020 abgehakt. Mit Jordan Caron, Ilya Sharipov, Matthew Carey und Markus Poukkula haben sie vier Spieler abgegeben, für die Anfragen von anderen Clubs vorlagen. Diesen haben die Wild Wings offenbar gerne entsprochen. Man wolle den Spielern die Chancen, sich in einem neuen Umfeld zu beweisen, nicht nehmen, heißt in solchen Meldungen häufig. Dabei habe „sicher auch eine Rolle gespielt“, dass die Wild Wings in dieser Saison keine sportlichen Ambitionen mehr haben, sondern sich wirtschaftlich für die kommende Saison aufstellen möchten: Gehälter sparen nach einer Saison, die sportlich nicht gut lief – Tabellenplatz 14 mit acht Zählern Rückstand auf den Vorletzten aus Iserlohn – und finanziell, unter anderem mit der Entlassung von Trainer Paul Thompson, auch keinen Anlass gab für Jubelsprünge.

Aus Sicht des Vereins ist dies vollkommen vernünftig und steht in keinem Widerspruch zum Regelwerk der DEL. Die Frage ist aber: Sollte die Liga einschreiten, um einen solchen Ausverkauf – oder auch das Modell „Spielervermietung“, das die Krefeld Pinguine vor einigen Jahren mit Marcel Müller und Daniel Pietta praktiziert haben – zu unterbinden?

Vom unangenehmen Gegner zum Prügelknaben?

Denn von ihren restlichen zehn Saisonspielen werden die Wild Wings wohl nicht viele gewinnen. Waren sie bislang trotz einer unbefriedigenden Saison in der Lage, jedes Team der Liga zu bezwingen, erscheint dies jetzt so unwahrscheinlich wie ein Wechsel von Leon Draisaitl zur DEG. Angesichts einer teils sehr engen Tabelle könnte dies in der Schlussphase der Saison durchaus ein Faktor werden.

Nun könnte man einwenden, dass dieses eine Spiel gegen die Wild Wings nicht entscheidend sein kann: Jedes Team hatte ja 51 andere Gelegenheiten, die nötigen Punkte und Tore einzufahren. Durchaus richtig – das wird aber der Club anders sehen, der gegen die Wild Wings vor der Pause Federn gelassen hat, während der direkte Konkurrent gegen die jetzt dezimierten Schwenninger einen deutlichen Sieg einfährt und genau diese Zähler in der Schlusstabelle mehr auf dem Konto hat.

Umgekehrte Welt ab der kommenden Saison

Die Liga ist daran interessiert, wirtschaftlich stabile Vereine zu haben – und wenn diese nach Abwägung aller Konsequenzen zu dem Ergebnis kommen Spieler abzugeben, um das Budget zu schonen, dann ist das absolut legitim. Umgekehrt können finanzstarke Clubs ja auch nochmal nachlegen, wenn sie ihre Ziele in Gefahr sehen.

Dies wird sich ab der kommenden Saison ohnehin massiv ändern. Denn dann könnten sich gerade Teams in der Situation, wie sie derzeit die Wild Wings erleben, genötigt sehen, „all in“ zu gehen und Spieler nachzuverpflichten. Wenn nämlich der Abstieg in die DEL2 droht, der ab der kommenden Saison nach jahre- oder fast jahrzehntelangem Ringen wieder in der höchsten deutschen Spielklasse eingeführt wird.