Wie ich es sehe… Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

­Da traute ich vorgestern doch kaum meinen Augen. War das nicht etwa einer

der ganz Großen unserer Sport? Ich ging einfach weiter, nach unten, in die

Katakomben der kalten, zugigen, offenen Arena in Dortmund. Ein paar Minuten

später sah ich ihn bewusster und merkte an seinem typischen schiefen Grinsen,

dass ich zuvor mehr oder weniger achtlos an ihm vorbeigelaufen war. Lenz Funk

war aus Oberbayern, genauer gesagt, aus der jetzigen Trainer-Hochburg Bad Tölz

mit dem jungen Team der Isarwinkler angereist, Lenz Funk, der in Gesamt-Berlin

Eishockeygeschichte schrieb, zuerst beim BSC und den Preussen im Westen,

anschließend bei den Eisbären im Osten.

Mit einem Berliner Kollegen, der für die Zeitung mit den vier

Buchstaben arbeitet, die angeblich keiner liest, obwohl jeder weiß, was

drinsteht, unterhielt ich mich noch kürzlich über den „Funkturm“,

wie er ehemals genannt wurde. „Och, der kümmert sich nur noch in seinem

Greiling um seine Tauben. Der hat mit Eishockey nichts mehr am Hut.“ Seit

einigen Tagen ist er wieder richtig dabei, zwar „nur“ in der

dritten Liga, aber immerhin.

„Und, Lenz, schon einmal in der O2 World gewesen?“

„Nein, ich bin in letzter Zeit nur bis Nürnberg gekommen. In Berlin war

ich schon ewig nicht mehr“, wiegelte er ab. „Ich habe damit nichts

mehr am Hut. Es sind ganz andere Leute jetzt da. Da kenne ich ja kaum noch

einen. Doch irgendwann werde ich bestimmt mal gucken.“ Er sagte

tatsächlich „gucken“, weder „schau´n“ noch

„kieken“; ich war platt.

Und noch eins ist vom vorgestrigen Tag in der westfälischen Bierstadt

erwähnenswert, außer dass Lenz´ junge Mannschaft nach einer 2:0-Führung noch

eine 2:4-Niederlage einstecken musste. Mit Bad Tölz kam der geografisch

weiteste Gegner ins Ruhrgebiet. Zusammen mit den anderen Paarungen Rosenheim (wo

Funks ehemaliger Spieler Franz Steer an der Bande steht) gegen Herne sowie

Peiting gegen Bad Nauheim kam es an diesem Tag stets zu Spielen zwischen

Gegnern, die mehr als meilenweit voneinander entfernt waren. Das geschah alles

an einem stinknormalen Montag.

So richtig kann ich den Spielplan der Oberliga nicht verstehen. Sind

denn alle Drittliga-Akteure Vollprofis, die keinen Urlaub bei ihrem Arbeitgeber

nehmen müssen? Ist man in dieser Spielklasse überhaupt nicht auf Fans

angewiesen? Wurde dieser Spieltag „von oben“ bestimmt oder war es

Wunsch der Vereine, wo an diesem Tag sowohl die DEL als auch die zweite Liga

(verständlicherweise) pausierten? Ironisch kommentiert: Es kann ja wohl nicht

an einem Wunsch diverser Fernsehanstalten, analog der Champions- oder einer

anderen League im Fußball, gelegen haben, die Spieltage in der Weihnachts- und

Neujahrszeit soweit zu entzerren, dass auch jede einzelne Partie im TV gezeigt

werden kann. In Dortmund habe ich jedenfalls nur den Videomann des Klubs

gesehen. ­

In der DEL wurde natürlich auch gespielt, und das gar nicht mal so

schlecht. Was mich verwundert, sind die Serien, die einige Vereine hinlegen.

Augsburg ist  d i e  Mannschaft der ersten Wochen und krebst jetzt

auf Platz elf herum. Umgekehrt sind die krisengeschüttelten Hannover Scorpions

Zweiter. Momentan ist die Liga eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Die erste Klasse

besteht aus dem deutschen Meister Eisbären Berlin, Klasse Nummer zwei gehört

den Mannschaften zwischend den Rängen zwei und elf, die lediglich zwölf Zähler

auseinander liegen. Die Holzklasse umfasst ein Quartett, das mit einem Abstand

von noch überschaubaren sechs Punkten nur drei Zähler voneinander entfernt ist.

Besonders traurig für die Hamburg Freezers: Sie haben als Vorletzte vier Spiele

mehr als das punktgleiche Schlusslicht Straubing. Die Hanseaten können also

darauf warten, wann sie wieder das Tabellenende „zieren“.


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