Wie ich es sehe… Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Jetzt ist er endlich in die IIHF-Ruhmeshalle aufgenommen worden, der

Didi! Ich habe es ihm schon lange gegönnt, dass er auch sichtbar zu den Größten

gehört, die jemals unsere Sportart herausgebracht hat. Nur schade, dass er

quasi unter Nr. 160 läuft, denn genau so viele Akteure umfasst die Galerie, die

aus Vertretern von 22 Ländern besteht. Da ist der Didi aus Kaufbeuren nicht

gerade glänzend weggekommen. Zu seiner Glanzzeit wäre der Linksaußen mit der

Nummer 23 in keiner europäischen Mannschaft negativ aufgefallen, vielleicht mit

Ausnahme von ZSKA Moskau, aber nur vielleicht.

An unser erstes Treffen kann ich mich noch gut erinnern. Kaufbeuren

spielte damals in Duisburg, und wir hatten von der Nachwuchsabteilung eine

kleine Feier. Ich hatte Thekendienst. Ein junger stämmiger Bursche verlangte

neben Bier auch einen Schnaps. In Anbetracht der Tatsache, dass er

unzweifelhaft nicht nur zu den ESVK-Cracks gehörte, sondern auch noch verdammt

jung war, beschied ich seine Bitte recht kühl. „Frag doch erst Herrn

Medicus (Vater von Nationalspieler Dieter, der damals so etwas wie ein Chef de

Mission der Allgäuer war). Wenn er einverstanden ist, kannst du den Schnaps

bekommen.“

Ich kam mir ganz schön diplomatisch vor, hatte aber die Rechnung ohne

den jungen Wirt aus dem Allgäu gemacht. „Da brauch´ ich den Fritz nicht

zu fragen. Gib her, oder…!“ Er holte nur mit der Hand aus. Ich

verstand die internationale Zeichensprache, zog es vor, auf weitere

diplomatische Schritte zu verzichten, mich dem Stärkeren und 16 Jahre jüngeren

zu beugen und vor allen Dingen mit aller gebotenen Eile dem recht wild

blickenden Naturburschen das Hochprozentige zu verabreichen. Da war sein

Mannschaftskamerad Vladimir Martinec (Vater des jetzt bei Mannheim spielenden

Tomas) doch wesentlich kulanter. Er verabredete sich gegen Mitternacht für 4.00

Uhr morgens mit einer der weiblichen Bedienungen, kämpfte noch eine kleine

Weile gegen den Schlaf, der ihn anschließend rechtzeitig übermannte und ihn die

Verabredung verpassen ließ.

Klar, dass wir uns noch oft begegnet sind. Einmal saß ich auf der

Tribüne in Duisburg bei einem Zweitligaspiel. Didi Hegen war damals schon ein

ausgewachsener Star, spielte entweder bei Köln oder Düsseldorf, das weiß ich

nicht mehr. Jedenfalls stand sein Bruder Gerhard beim Gegner im Kasten, ich

weiß nicht mehr, bei welchem Verein. Er, dessen Heimspiel wohl schon nachmittags

stattfand, setzte sich neben mich, weil ich so ziemlich der einzige war, den er

aus Duisburg kannte. In der Drittelpause fragten mich einige Fans: „Sach

ma´, is´ dat nich´ der Hegen?“ „Na klar, dat isser!“ Dass

ausgerechnet Dieter Hegen ein mittelgroßes und langjähriges Kapitel in Duisburg

schreiben würde, hat damals wohl kein Mensch vermutet, auch nicht der größte

Optimist unter den Fans. Ich bin nur gespannt, ob er tatsächlich in Hamburg an

der Bande stehen und die Freezers bis zum Ende der laufenden Saison coachen

wird.

Die Vorfälle auf dem Eis in Straubing und Düsseldorf ließen mich an

einen Ausspruch meines Sohnes erinnern, der in den neunziger Jahren in einer

privaten Eishockeyschule in Tschechien als Co-Trainer angeheuert wurde.

„Wenn du sehen würdest, mit wieviel Liebe die Eismeister die Fläche

aufbereiten, würdest du nur staunen.“ Jetzt weiß ich wirklich nicht, ob

es tatsächlich an den Eismeistern lag, dass beide Spiele abgebrochen werden

mussten. Aber immerhn kann ich es mir sehr gut vorstellen.

Das Schicksal meinte es ohnehin nicht gut mit den Schützlingen von

Harold Kreis. Zuerst der Spielausfall beim deutlichen 4:0 nach zwei Dritteln

gegen Ingolstadt (deren Chefcoach Bob Manno sagte grinsend, dass ihm so etwas

in den ganzen 33 Jahren seiner Karriere noch nicht vorgekommen sei), dann die

späte Anreise nach Wolfsburg mit anschließender 1:3-Niederlage. Zeit und

Gelegenheit, in der Tabelle wieder Boden gutzumachen, haben die Rot-Gelben zur

Genüge. Zwar müssen sie in den nächsten Spielen auswärts auftreten, doch im

Januar laufen sie sage und schreibe siebenmal(!) in eigener Halle auf. Wie

heißt es in einem Karneval-Evergreen? „Wer soll das bezahlen?“

Ich hoffe jedenfalls, dass Sie, lieber Leser, alle Weihnachtsgeschenke

bezahlt haben und Sie es sich so langsam in den Feiertagen gemütlich machen.

Ein frohes Fest wünscht Ihnen

Werner Nieleck


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