Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Der Kreis hat sich gestern Nachmittag geschlossen. Mit der Vorstellung

des neuen Chefcoaches der Krefeld Pinguine,

dem 54-jährigen Kanadier Rick Adduono, haben die Schwarz-Gelben mit den Kölner

Haien quasi gleichgezogen.

Es war eine parallele Entwicklung, die die beiden rheinischen Rivalen

durchmachten und –litten. Sowohl die Dom- als auch die Seidenstädter

quittieren zu viele Niederlagen, um den hohen Ansprüchen ihres jeweiligen

Umfeldes gerecht zu werden. Bei den Pinguinen erwarteten vor der Saison nicht

wenige einen Vorstoß bis ins Halbfinale. „Die sportliche Leitung wird

daran gemessen“, tat beispielsweise der Krefelder Geschäftsführer

Wolfgang Schäfer seinerzeit kund. „Es liegt fast ausschließlich am

Trainer, ob sich der Erfolg einstellt oder nicht“, lehnte sich

Haie-Chefcoach Igor Pawlow so weit aus dem Fenster, dass man schon eine Erkältung

durch etwaige Zugluft befürchten musste.

Nun, der gebürtige Russe musste offenbar schnell einsehen, dass sein

(Kommando-)Ton nicht überall ankommt und dass Köln ein ganz anderes Pflaster

auf den Straßen hat als Krefeld. Denn normalerweise sind Vereinsführung und

Zuschauer in der Domstadt Siege gewohnt, und das Wort

„Meisterschaft“ kommt ihnen weit leichter über die Lippen als ein

paar Kilometer weiter nördlich. Pawlow hat nicht schnell genug bemerkt, dass

sein Krefelder Strickmuster nicht auf Köln zugeschnitten war und ist.

Der neue Haie-Chefcoach Bill Stewart, der in Mannheim immerhin

dreieinhalb Jahre verantwortlich an der Bande stand und dort mit vielen

Mätzchen für Aufsehen sorgte, hat sich offenbar zum Besseren gewandelt.

Zumindest lässt sich das aus einem Interview mit einer Kölner Tageszeitung

herauslesen. „Ich habe aus meinen Fehlern gelernt“, ließ er vor

einigen Tagen verlauten. Auch er stand bereits in Krefeld an der Bande und

erwarb sich dort als Feuerwehrmann einen Namen. Man kann es drehen und wenden,

wie man will: Die Skandalnudel von einst hat bei den einst erfolgverwöhnten und

mittlerweile –entwöhnten Kölnern bisher ganze Arbeit geleistet. Bis zum

heutigen Match gegen Ingolstadt gewannen Mirko Lüdemann & Co. unter Stewart

sämtliche fünf Partien.

Gut zu sehen, dass im Team doch mehr Potenzial steckt, als zunächst

angenommen. Da bleibt natürlich die Frage offen, ob der geschasste

Sport-Manager Rodion Pauels nicht doch etwa eine gute Mannschaft

zusammengestellt hatte und sich vielleicht „nur“ in der Auswahl des

Trainers irrte.

Bei Krefeld verhielt sich die Sache ein wenig anders. Insider

munkelten, dass sich Pauels´ schwarz-gelber Kollege Jiri Ehrenberger eine

Nürnberg (frühere Arbeitsstätte)/Deggendorfer (Wohnort) Hausmacht aufbauen

wollte. Der gebürtigen Mährer stolperte nicht über zahlreiche Niederlagen (die

ihm wohl angesichts kaum vollzogener Fluktuation im Sommer kaum wegen

Verpflichtung verkehrter Spieler anzulasten waren), sondern über den

Ärztestreit und die Art, wie er sich, in welchem Auftrag auch immer, von den

Medizinern trennte.

„Wir machen keinen Schnellschuss, sondern prüfen in aller Ruhe,

ob der Trainer auch in unser Konzept passt“, ließ vorgenannter Schäfer

nach der Trennung von Chefcoach Martin Jiranek verlauten. Das Konzept hieß

vordringlich „Ausbildung und Förderung junger Spieler, verbunden mit

langfristigen Verträgen. Nun geht dem „Neuen“ nicht gerade der Ruf

voraus, genau dies zu praktizieren. Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner, der

Truppe Motivation zu vermitteln und ansonsten viel Intuition scheinen die

Pluspunkte jenes Mannes zu sein, der in der Saison 2007/08 die Iserlohner auf

einen hervorragenden fünften Rang nach der Punktrunde hievte. Im Viertelfinale

schieden sie gegen Frankfurt nach sieben Spielen aus, genau wie die Krefelder

ein Jahr später gegen Düsseldorf. Einige Akteure schwören jetzt noch Stein und

Bein, dass sie das Halbfinale erreicht hätten, wenn die Jungen weniger Eiszeit

in den Play-offs bekommen hätten. Man darf gespannt sein, ob Adduono (heute

spielfrei) ein gleich guter Start gelingen wird wie seinem Kölner Kollegen.

Das Sprichwort von den neuen Besen bewahrheitete sich in Köln. Fünf

Siege hintereinander wie Stewart, das wäre Balsam auf die Krefelder Wunden.


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