Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Da haben wir also den zweiten

Hinauswurf eines Managers in der laufenden Saison! Nach der blamablen

2:4-Heimniederlage gegen Iserlohn, bei welcher Teile des Teams in den

ersten 40 Minuten kaum anwesend waren, trennten sich die Krefeld Pinguine

von ihrem Sportlichen Leiter Jiri Ehrenberger. Dazu trat Wolfgang Schulz

von seinem Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrates zurück. Damit hat

die Entwicklung bei den Linksrheinischen einen brisanten Verlauf genommen.  

Ich lernte Ehrenberger vor

rund 26 Jahren kennen, als er Schülertrainer in Deggendorf war. So

ganz hatten wir uns zwischenzeitlich nie aus den Augen verloren. Seine

Fachkompetenz ist über jeden Verdacht erhaben. In Krefeld durchlief

er eine Blitzkarriere. Mitten in der Saison 2005/06 als Assistenztrainer

von Teal Fowler verpflichtet, war er in der Spielzeit darauf Chefcoach

und Trainer des Jahres, ein weiteres Jahr später zusätzlich Sportlicher

Leiter. In der Vorsaison zum „Nur-Manager“ befördert, holte er

Igor Pawlow an die Bande, mit welchem der Klub Erfolge feierte. 

Doch irgendwie, zumindest schien

es mir so, veränderte sich Ehrenberger in seiner Art. War er früher

mitteilsam und ein Freund klarer Worte, so kamen jetzt seine Informationen

schleppend. Jedes einzelne Zitat musste ihm abgerungen werden. Das alles

wäre vertretbar gewesen, wenn nicht die Sache mit den Ärzten passierte.

Die Art, wie dort von ihm und mit den damaligen Medizinern verfahren

wurde, war schlichtweg geschmack-, niveau- und grundlos. Und selbst

wenn der gebürtige Mährer nicht der spiritus rector der Aktion war,

hätte er sich zu einer solchen hingeben dürfen. Ehrenberger „fuhr

voll auf Schulz ab“, um im heutigen Jargon zu bleiben. Dass einer

der Geschäftsführenden Gesellschafter der damals angestrebten neuen

medizinischen Partner in Deggendorf beheimatet ist, wo auch Ehrenberger

seinen normalen Wohnsitz hat, verlieh der Sache ohnehin ein Geschmäckle,

ob Zufall oder nicht.  

Persönlich wunderte ich mich

über Ehrenbergers Inaktivität in Sachen Herner Spieler. Die Verteidiger

Joel Keussen und Jan-Niklas Pietsch sind bekanntlich im Besitz einer

Förderlizenz und sollen überwiegend beim Drittligisten Herne die vielzitierte

Spielpraxis erhalten. Denkste, denn bis auf sporadische Einsätze tut

sich hier nichts. Die Pinguine, allen voran der Sportliche Leiter, ließen

sich vom dortigen Chefcoach Niklas Sundblad dem Vernehmen nach erklären,

dass diese regelmäßig Eiszeiten erhalten. Rosenheims Coach Franz Steer

wunderte sich nur: „Die sind Erster, die können doch ohne Angst die

Buam einsetzen!“  

Übrigens, mit Ehrenbergers

Weggang hat sich die Informationspolitik des Vereins keineswegs verbessert.

Seit dem besagten Freitag habe ich, wie offenbar die Kollegen auch,

drei Pressemitteilungen erhalten. Die erste besagte, dass für Montag

zu einer Pressekonferenz mit Blick auf das heutige Spiel gegen Nürnberg

eingeladen wird. In der zweiten war von der Vertragsverlängerung Daniel

Piettas die Rede, und heute bekamen wir eine Notiz bezüglich Aktionen

zum Welt Aids Tag rund um die Partie gegen die Eisbären am kommenden

Sonntag. Quintessenzen von Pressekonferenzen (man hat ja nicht immer

Zeit), die Entlassung eines Mannes, der immerhin rund vier Jahre überwiegend

erfolgreiche Arbeit geleistet hat, und letztlich der Rücktritt eines

Verantwortlichen, der jahrelang nicht unerhebliche Mittel dem Verein

zur Verfügung stellt, finden keine schriftliche Darlegung. 

Noch in einer der letzten Pressekonferenzen

bekannte Jiri Ehrenberger, dass Schulz sein „Sportchef“ ist und

er mit ihm alles abstimmt. Daher dürfen wir alle neugierig sein, wie

der neue Manager heißt und an wen er sich anlehnt, so sich denn wieder

ein starker Mann findet.  

Ob sich nach Schulz´ Rücktritt

der Kreis der Gesellschafter tatsächlich erweitert und beispielsweise

die beiden Aspiranten, von denen seit Jahren die Rede ist, tatsächlich

aus ihrer Deckung kommen. Den auch finanziell angeschlagenen Pinguinen

würde dies sicherlich guttun. Und zum Schluss: Wir waren wieder einmal

Zeuge, welche Macht eine Mannschaft ausüben kann.