Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Das kennen Sie doch bestimmt, lieber Leser! Wenn eine Mannschaft gegen

einen vermeintlichen Außenseiter den Kürzeren zieht, flüchtet sich der Trainer

in der Pressekonferenz oft in die Erklärung bzw. Ausrede, dass die Liga so eng

wäre.

Nun, diese Phrase scheint in dieser Saison jedoch angebracht zu sein. Beim

Tabellenvergleich zwischen der laufenden und der vorigen Saison fiel mir da

einiges auf. Ganze acht Zähler liegen zwischen den Eisbären Berlin (und diese

haben auch noch drei Punkte Vorsprung) als Spitzenreiter und den Straubing

Tigers als Schlusslicht. Vor rund einem Jahr sah es wesentlich anders aus: Auch

da führten die Hauptstädter (damals 15 Zähler, heuer deren 14) die Hitliste an.

Doch im Tabellenkeller sah es wesentlich trüber aus. Da dümpelten in trauter

Eintracht die „Ewigletzten“ Duisburg mit den Kölner Haien, die

beide keinen einzigen Punkt auf ihren Konten aufwiesen.

Erstaunlich auch, dass damals bereits nach sechs Spieltagen neun von

jenen zehn Vereinen fest standen, bei denen die Saison nicht nach den

Punktspielen beendet war. Nur noch die Nürnberger kamen hinzu. Sie steigerten

sich von Rang 12 auf Nummer 5, während Iserlohn von Platz 4 auf den undankbaren

elften Rang abfiel. Ansonsten bildeten Kassel, Straubing, Ingolstadt, Köln und

Duisburg bereits in der Frühphase der Vorsaion das untere Tabellendrittel.

Ist es Zufall, dass sich mit Berlin, Wolfsburg und Kassel genau wie im

Vorjahr drei Teams unter den ersten Vier der erfolgreichsten Überzahlmannschaften

wiederfinden? Offensichtlich scheinen Don Jackson, Toni Krinner und Stéphane

Richer das richtige Händchen bzw. auch die geeignetsten Akteure für das

Powerplay zu haben. Diesmal ist Ingolstadt als vierter Verein dabei, in der

Vorsaison war es Mannheim. Und wie sich die Namen gleichen: Auch jetzt liegt

wieder ein Schneider bei den bösen Buben ganz vorn. Dieses Jahr ist es der

Iserlohner Andy Schneider (33 Strafminuten), im gleichen Zeitraum des Vorjahres

war es der Hannoveraner Eric Schneider, der bereits 37 Zeigerumdrehungen

abbrummen musste.

Was nachdenklich stimmen sollte, sind die Durchschnitts-Zuschauerzahlen.

Liegt es am warmen Spätsommer, der die Leute überall hintreibt, nur nicht in

die meist modernen Arenen? liegt es an der allgemeinen Finanzkrise, oder liegt

es an der endlos langen Doppelrunde? Jedenfalls sind die Minusdifferenzen bei

einigen Klubs ganz schön happig. Düsseldorf hatte im Vorjahr zum gleichen

Zeitpunkt rund 1.800 Besucher mehr, Ingolstadt trauert 1.000 Zuschauern nach,

Hannover und Köln (wo sich schon Erzrivale Düsseldorf vorstellte) kommen

immerhin auf ein Minus von jeweils 500. Erfreulich jedenfalls, dass die Erfolge

der bisherigen Überraschungsmannschaft Augsburg auch von den Fans honoriert

werden. Rund 1.000 Besucher wurden pro Match mehr als zum vergleichbaren

Zeitpunkt des Vorjahres gezählt. Auch die Freezers dürfen sich über ein Plus

von rund 700 freuen.

­

­Zum Schluss denke ich noch an unsere Pechvögel. Der Frankfurter

Angreifer Ilja Worobjew und der Krefelder Verteidiger Benedikt Schopper müssen

sich erneut mit langwierigen 

Verletzungen herumplagen. Beide erlitten schon in der Vorsaison

ernsthafte Blessuren und fielen wochenlang aus. Jetzt gehören sie erneut zu

denjenigen, deren Comeback in absehbarer Zeit in Frage gestellt ist. Und ob

Schoppers 36-jähriger Teamgefährte und Verteidigerkollege Dusan Milo wieder

ganz der Alte sein wird, steht in den Sternen. In Krefeld hofft man, den

Oldtimer noch in dieser Saison wiederzusehen. Ich persönlich habe da meine

Bedenken, ob der Mann aus der slowakischen Eishockeystadt Nitra dort wird

anfangen können, wo er aufgehört hat. Mit Milo ist es wie mit der Gesundheit.

Man schätzt sie erst, wenn sie nicht mehr vorhanden ist. Was der oft

Unterschätzte Wert ist, konnte man am Sonntag beim 2:3 gegen Nürnberg in aller

Deutlichkeit sehen. Ilja, Benny und Dusan, auch von dieser Stelle gute

Besserung!