Wie ich es sehe... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Die ersten Spiele sind absolviert, die Zuschauer

strömten wie kaum zuvor in die Hallen (mit einer Ausnahme, denn beim heutigen

Spiel in Düsseldorf gegen Wolfsburg passierten lediglich 4.886 Unentwegte die

Drehkreuze des gähnend leeren Dome), Skandale blieben total aus, was man Gott

sei Dank nicht von Überraschungen sagen kann. Denn wer hätte schon gedacht,

dass Augsburg (mit Kühnhackl jun.) in Frankfurt (mit Kühnhackl sen.) gewinnt,

Iserlohn nach ein paar Minuten mit sage und schreibe 3:0 gegen Köln führt und

später das 3:3 hinnehmen muss oder Krefeld, nicht gerade als Ansammlung von

“Hau”degen bekannt, im ersten Match 45 Strafinuten aufgedrückt

bekam. Gegner Wolfsburg dagegen kam mit nur acht Zeigerumdrehungen in der

Kühlbox wesentlich besser weg.

Da las ich doch in einer Kölner Zeitung heute von

einem “Billigteam”, das für die Haie aufläuft und das jetzt nach

soundsovielen Monaten wieder auf einem Play-off-Platz (es sind erst zwei

Spieltage absolviert/Anm.d.Red.) steht. „Wir haben eine billige, aber

heiße Mannschaft“, ließ sich Haie-Chef Thomas Eichin zitieren. Gemach,

gemach, Leute! Eine „Aldi“truppe sind die Schützlinge von Igor

Pawlow bestimmt nicht. Ein Ivan Ciernik, oder ein Jason Jaspers stellen ihre

Dienste keinesfalls für Kartoffelschalen zur Verfügung, von den anderen

“billigen” Cracks mal zu schweigen. Erfreulich ist nur, dass es

Chefcoach Igor Pawlow offensichtlich wieder mit vielen jungen Cracks versucht,

wovon ich mich am Sonntag überzeugen konnte. Schade nur aus meiner Sicht, dass

Stürmer Jerome Flaake zu den Pinguinen nach Bremerhaven in die zweite Liga

abgeschoben wurde.

Und dann fiel mir noch etwas auf. Es handelt sich um

zwei junge Spieler. Der eine tritt gegen die aufgepumpte Schweinsblase, wie

Ex-KEV-Chef Hans-Ulrich Urban das Fußballspielen bezeichnete, der andere geht

unserer Sportart nach. Da wird der Werder-Youngster Mesut Özil, der am

Wochenende gegen die Fußball-”Weltmacht” Südafrika ein

hervorragendes Spiel absolvierte, sofort von einigen Medien als

“Supertalent” bezeichnet, dem “Weltklassefußball”

attestiert wurde. Bei uns war es Tom Kühnhackl, der für Underdog Augsburger

Panther stürmte und wohlweislich nicht für die Frankfurt Lions, wo Vater Erich

einen (mit)verantwortlichen Posten übernommen hat.

Im privaten Bereich wird “der Lange”

sicherlich dafür sorgen, dass “Long Tom” nicht abhebt und mit

seinen Schlittschuhen bzw. Hausschuhen schön brav auf der Glitzerfläche in der

Fuggerstadt bzw. unter dem Tisch im heimischen Landshut bleiben wird. Im

“geschäftlichen” Bereich sind Manager Max Fedra als alter Fuchs und

Chefcoach Larry Mitchell zweifellos diejenigen, die ebenfalls alles tun werden,

damit der Träger des bekanntesten deutschen Eishockeynamens nicht jetzt schon dahin

befördert wird, wohin er erst einmal kommen möchte.

Gerade Ex-Bundesligaspieler Max Fedra, der in München

und Hamburg genug sogenannte Stars zu managen hatte, weiß, wie schnell der Ruhm

vergehen kann. Und dass Kühnhackl jun. mit Augsburg auch die richtige Wahl

getroffen hat, ist nicht von der Hand zu weisen. In einem Starensemble wie

Frankfurt, Hamburg, Mannheim oder Düsseldorf wäre er sicherlich fehl am Platze.

Es gibt genug Beispiele von jungen Leuten, die zunächst hochgejubelt und

anschließend schneller fallen gelassen wurden als die berühmte heiße Kartoffel.

Und das sollte doch einem Kühnhackl, der sogar schon

als Jahrhunderttalent (wir schreiben erst das Jahr 2009) bezeichnet wurde,

erspart bleiben.