Wie ich es sehe.... Die Hockeyweb-Kolumne von Werner Nieleck

Lesedauer: ca. 2 Minuten

Preisfrage: Was hat die Autobahn mit unserer Sportart in keiner Weise gemein? Antwort: Zur Ferienzeit werden die Baustellen auf unseren Prachtrouten so gut wie es geht reduziert, im Eishockey erleben sie besonders heuer einen Boom, der seinesgleichen sucht.
 
Da der 16. Verein in unserer Vorzeigeliga nicht aufzutreiben war, sind ihre Allgewaltigen auf die famose Idee gekommen, wieder eine Doppelrunde durchzuführen. Im Klartext: Jeder tritt viermal gegen den anderen an, die Langeweile ist vorprogrammiert, die Verantwortlichen werden erneut den ganzen Blödsinn bis zum Erbrechen schön reden. Und dass man sich auf Mallorca getroffen hat, passt so richtig ins Bild. Was wurde da nicht schon von diversen Kegelklubs, Männergesangsvereinen, Stammtischrunden und anderen illustren Gemeinschaften alles an kaum noch nachzuvollziehendem Vorhaben in mehr oder weniger Sangria seliger Laune beschlossen?
 
Ich bin wirklich gespannt, ob dieser Doppelrunde auch mit allen 15 Teams zu Ende gebracht wird, ohne Wertung, ohne Ausstieg oder andere degoutanten Begleiterscheinungen.
 
In einer Fachzeitschrift las ich heute, dass Kaleu („Kapitänleutnant“, für Leute, die weder bei der Marine dienten, noch den Film „Das Boot“ gesehen haben) a. D. Alfred Prey, sportlicher Leiter in Bremerhaven, die Auflösung der ESBG beantragt. Dass es ausgerechnet der Bayer mit Wohnsitz in Norddeutschland ist, haute mich fast vom Schemel! Denn der wackere Werdenfelser Prey war es, der in vorauseilendem Gehorsam, wie mir scheint, zunächst die Auf- und Abstiegslösung von der 2. Liga in die DEL und umgekehrt euphorisch kommentierte. Dem tapferen Mariner schien dann jedoch die Erleuchtung gekommen sein, dass ein Klub mit fünf Ausländern nicht ganz so stark ist wie der Gegner, der zehn Kontingencracks ins Rennen schicken kann. Und wenn der langjährige und sicherlich pflegeleichte Funktionär Prey die Auflösung der ESBG beantragt, hat diese Stimme noch mehr Gewicht, als würde sie von einem Frischling kommen, der vor „einigen Tagen“ begonnen hat, in den ganzen Betrieb hineinzuriechen.
 
Fakt ist, dass die dritte Spielklasse, Oberliga genannt, keine Nordstaffel stellen kann. Das zeigt erneut, dass ich Recht in bezug auf die Bezeichnung „Volkssport“ habe. Wenn eine flächenmäßig große Region nicht in der Lage ist, acht bis zehn Teams für die dritte Liga aufzubieten, kann es sich nicht um eine Sportart handeln, die den Ruf genießt, weit verbreitet zu sein. Warum, so frage ich, macht man es daher mangels Reduzierung der Reisekosten, nicht wie früher? Samstag- und Sonntagsspiele waren gang und gäbe. Wenn „Exoten“ aus dem Gebiet nördlich der Mainlinie in den frostigen Süden fuhren, trugen sie halt zwei Partien aus, umgekehrt ebenfalls. Was ist daran denn so schlimm, außer, dass die Tabelle schief ist? Dabei wäre diese Tatsache angesichts der Schieflage der ganzen Sportart noch das kleinste Übel.
 
Übrigens, in der Personalie Uwe Krupp gibt es noch keine Entscheidung. Laut DEB-Präsident Uwe Harnos, mit dem ich gestern telefonierte, wird sich das Ganze noch bis Ende des Monats, also drei weitere Wochen, hinauszögern. Viele von ihnen können sich bestimmt noch daran erinnern, dass die Weltmeisterschaft am 10. Mai zu Ende ging. Das ist jetzt mehr als vier Wochen her.
 
Irgendwie erinnert mich die Chose an das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Da machte auch jeder, was er wollte, kämpfte gegen-, für- und miteinander. Am Ende gab es einen Napoleon, der den ganzen Schwachsinn hinwegfegte. Ja, Föderalismus (leider heißt es im Klartext mitunter Kirchturmspolitik) wurde bei uns Deutschen immer schon groß geschrieben.


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